Archiv: Februar 2008

Der genagelte Schädel aus Langenfeld

21.02.2008 Archäologisches, Stadtgeschichtliches Keine Kommentare

Am 21. Februar 2008 hielt Dr. phil. Peter Pieper, erster Archäologe (weltweit) in forensischen Diensten, im Flügelsaal des Kulturzentrums einen Vortrag über den genagelten Schädel aus Langenfeld. Dieser wurde am 16.4.1964 bei Baggerarbeiten auf dem Gelände der Firma Keller in Langenfeld, Kölner Straße 50 entdeckt. In diesem steckte noch ein fast 50 cm langer Eisennagel, der auf das Annageln des zuvor enthaupteten Kopfes hinweist.
Der Fundort des Schädels wird aber nicht der eigentliche Ort der Hinrichtung, sondern nur der Ausstellungsort an der historischen Nord-Süd-Verbindung, der heutigen B8 gewesen sein. Als Richtstätte kommen mehrere Örtlichkeiten in Betracht, etwa der Galgendriesch, der Katzberg, insbesondere aber das rückwärtige Gelände in Galkhausen. Dort lassen nämlich Luftaufnahmen der Amerikaner aus dem zweiten Weltkrieg auf einen ehemaligen Hinrichtungsplatz schließen.
Die bisherigen Untersuchungen weisen auf eine etwa bis 30 Jahre alte Frau hin, die im 17 Jahrhundert getötet worden sein könnte. Beifunde, feinste Gold- und Silber durchwebte Textilreste, lassen eine Dame höheren Standes vermuten. Auch der Zahnbefund ohne Karies und Parodontose lasse die Vermutung einer adlige Abkunft zu, so der Forensiker. Grund der Hinrichtung könne eine Tötung als Hexe gewesen sein. Allerdings ständen Untersuchungen, insbesondere zum Geschlecht noch aus. Dass die vermutlich (auch nach den Beifunden) weibliche Getötete dennoch nicht lange angenagelt blieb, sei aus dem Umstand zu schließen, dass der Unterkiefer zum Zeitpunkt des Fundes noch vorhanden war. Der Schädel sei nämlich, mutmaßlich auf Betreiben der Familienangehörigen, um der Raben willen, abgenommen worden.
An dieser Stelle sei jedoch zu beklagen, dass die etwas lieblose Behandlung und Lagerung des sehr seltenen Fundes, zuletzt in einem Magazin in Meckenheim, zum Verlust des Unterkiefers geführt habe. Abschließend verlieh er seiner Hoffnung Ausdruck, gegebenenfalls im Privatarchiv der Grafen von Mirbach, die viele Urkunden und Gerichtsakten hüten, möglicherweise noch etwas zu finden, um zum Schädel eines Tages auch noch die Geschichte der Person erzählen zu können. [21. Februar 2008]