Archiv: Oktober 2008

Reusrath viel älter als vermutet

26.10.2008 Archäologisches, Stadtgeschichtliches Keine Kommentare

titelte die Rheinische Post am 25.Oktober 2008 und berichtete über die ersten Grabungsergebnisse von der abgebrochenen früheren St. Barbara-Kirche am alten Markt in Reusrath. Siedlungsansätze gäbe es dort bereits für das neunte nachchristliche Jahrhundert, sodass auch Reusrath rund zweihundert Jahre älter sei, als bisher angenommen. (Den Rosendahlsberg kennt wohl niemand mehr, weil die Grabungen dort schon mehrere Jahrzehnte zurückliegen!) Damit, so die Rheinische Post, bestätige sich im Übrigen der Befund aus Richrath, mit der Folge, dass alle Orte mit der Endung „-rath“ nicht als Gründungen des zehnten, sondern möglicherweise als (Rückbe-)Siedlungen des achten und neunten Jahrhunderts zu gelten haben. Dies könnte dann noch zu weitreichenden Umdatierungen in den geschichtlichen Abläufen des Hochmittelalters führen und überdies weitere Erkenntnisse bedingen. Erst einmal jedoch werden insbesondere die Ortsnamenforschung sowie die Annahme der Besiedlung des Bergischen Landes durch die Franken durch die Grabungsergebnisse aus Langenfeld entscheidende neue Impulse erhalten.
Zur Kirche selbst, deren Grundmauernverlauf – wie in Richrath – durch farbiges Pflaster nach Abschluss der Grabungsarbeiten dargestellt wird: Die alte St.Barbara-Kirche wurde 1791 errichtet und 1913 abgebrochen. Sie war nicht das erste Gotteshaus an diesem Ort sondern sie wurde über den Fundamenten einer in das elfte Jahrhundert datierten Kapelle erbaut. Skelettfunde lassen zudem auf eine noch frühere Besiedlung, mutmaßlich rund um ein (hölzernes?) Gotteshaus Bestatteter, schließen, wobei jedoch nicht von einer solchen hölzernen Kapelle berichtet wird. Hinsichtlich der Bestattungen wurde der bereits im Mai 2008 von mir hier angesprochene Baumsarg als besonderer Fund herausgestellt. Er war im Übrigen nicht im Kirchenschiff positioniert, sondern neben dem himmelwärts strebenden Teil der Kirche, dem Turm in die geweihte Erde gegeben worden. Vielleicht ein Zeichen, dass hier ein Mensch seine letzte Ruhe gefunden hat, dem man den Eintritt in das Himmelreich zutraute. Doch seien hier noch weitere Untersuchungen und Überlegungen der Archäologen abgewartet, So etwa steht noch eine C-14-Datierung des Sarges aus. Die Ergebnisse hierzu werden allerdings erst für das Frühjahr 2009 erwartet.
Sobald mir zu den Grabungsergebnissen neue Erkenntnisse vorliegen, werden Sie auf dieser Seite umgehend informiert. [26.Oktober 2008]

Inzwischen liegen die Ergebnisse vor. Der im Baumsarg bestattete Mann wurde offenbar um das Jahr 1000 in die Erde gegeben. Eine frühere Besiedlung als die Jahrtausendwende ist somit nicht nachweisbar, was nicht bedeutet, dass sie nicht früher stattgefunden haben könnte. Die erhobene Frage jedoch, ob nun Richrath oder Reusrath älter sei, kann sich nur auf die Zeit der rückläufigen fränkischen Landnahme beziehen. Denn mit den altsteinzeitlichen Funden vom Rosendahlsberg und einer durchgehend nachweisbaren Besiedlung bis ins Jahr 360 nach Christus ist die Frage im Grunde bereits seit langem für Reusrath entschieden. Da würden den Richrathern selbst die mutmaßlich in den 1930er bis 1960er Jahren durch Überbauung nicht dokumentierten und deshalb unwiederbringlich zerstörten Relikte merowingischer Besiedlung nicht helfen, denn vergleichbare altsteinzeitliche Funde oder eine durchgehende Besiedlung sind dort nicht nachweisbar.