Archiv: Januar 2009

Berghausen – Wo ist der Berg?

01.01.2009 Namen und Deutungen, Nonsens, Stadtgeschichtliches Keine Kommentare

Die Ortsnamenskunde vermutet die Besiedlung des Langenfelder Stadtgebietes – nach einer Entvölkerung zur Römerzeit und bis in das frühe Mittelalter hinein – eher in das Hochmittelalter. Selbstverständlich war das Gebiet dennoch nicht völlig verwaist, zum einen gab es Durchreisende und zum anderen werden hier und da Menschen gelebt haben, sicherlich eher versteckt denn in ausgewiesenen Weilern. Deshalb datiert man die Entstehung des Dorfes Berghausen, mangels schriftlicher Aufzeichnungen sowie auch mangels entsprechender Funde in das 9. und 10. nachchristliche Jahrhundert. Erste urkundliche Erwähnung fanden Höfe in Berghausen erst in den Jahren 1218 und 1231, so Rolf Müller in seiner Stadtgeschichte.
Rudy Schörmann weist dagegen in seinem Werk „Berghausen“ darauf hin, dass bereits im 2. nachchristlichen Jahrhundert germanische Tenkterer in das schwach besiedelte rechtrheinische Gebiet nachrückten, nachdem die ursprünglich hier beheimateten Sugambrer in das linksrheinische römische Reichsgebiet gelockt worden seien. Demzufolge also hätte es hier eine doch fast ununterbrochene, wenn auch teils sehr schwache Besiedlung – zieht man Funde aus Feldhausen und Reusrath heran – seit der Steinzeit gegeben. Raubzüge der Hunnen und Normannen werden allerdings wegen der geringen Bevölkerungszahl für den hiesigen Raum keine großen Auswirkungen gehabt haben, resümiert er. Schörmann berichtet weiter von der Rheinüberquerung der Hunnen nach Westen, zwei Jahre vor Attilas Tod im Jahre 451, die sich durchaus in einiger Nähe ereignet haben könnte. Gleiches hält er zum Zug der Nibelungen, Jahre später in der umgekehrten Richtung, für möglich. Soweit zur Frühgeschichte.
Relativ kritiklos nehmen es beide Autoren hin, dass durch die Ortsnamenskunde Berghausen als ein Hausen am Berg gedeutet wird, obwohl zumindest Schörmann darauf verweist, dass es in Berghausen eigentlich keinen Berg gebe. Zwischen höchster und niedrigster Stelle lägen nämlich gerade einmal stolze 8,90 Meter. Manchmal sei mit Berg aber auch nur die Geborgenheit gebende Behausung (die eigene Burg sozusagen) bezeichnet worden, die hier mit zu der Namensgebung beigetragen haben könnte. Zudem weist er darauf hin, dass sich auf einer Karte von 1828 für den Bereich des heutigen Aldi-Zentrallagers die Bezeichnung „Auf dem Berg“ fände und ja auch von einer gewissen Anhöhe gesprochen werden könne.
Nun möchte ich den vorgenannten Herren nicht ernsthaft widersprechen, möchte aber dennoch darauf hinweisen dürfen, dass mich die germanische Siedlungsgeschichte sowie der Straßenname „Im Schneeloch“ zu einer ganz anderen Interpretation verleitet haben. Mit „Berchta“ oder „Perchta“ bezeichnet werde, so der Brockhaus, in Oberdeutschland und im Alpenraum eine mythische Gestalt, die mit Frau Holle gleichgesetzt werde. Sie führe insbesondere in den Raunächten um die Jahreswende herum eine Schar dämonischer Wesen an, besonders in der Nacht vor dem Dreikönigstag (5.1.). Entweder Perchta zur Ehre oder eher um die Dämonen zu vertreiben, werden zudem Perchtenläufe veranstaltet, die an Fasenachts-Umzüge erinnerten.
Gesetzt den (allerdings schon wegen der Lage im mittleren Westen Deutschlands eher unwahrscheinlichen) Fall, dass sich in Berghausen wegen des Schneelochs eine Erinnerung an altgermanische Mythen erhalten haben sollte, hätte sich mit „Berches“ (wie der Ort bei den Einheimischen heißt) vielleicht doch ein Rudiment eines alten germanischen Namens erhalten. Dann wäre Berghausen aus einer sprachlichen Anpassung heraus erwachsen, nämlich über Berchta-Hausen, Berchthausen, Berchhausen zu schließlich Berghausen. (Wobei natürlich die ursprüngliche Endung dann aber wohl kein -hausen gewesen sein kann, denn die ist hochmittelalterlichen Ursprungs.) Aber wie gesagt, außer dem Schneeloch, das in einer ansonsten schneelosen Landschaft herausgeragt haben wird, gibt es für diese Ableitung des Namens keinerlei Hinweise. Und die scherzhafte Umschreibung des Dorfes mit „Berches im Jaden“, also Berches im Garten, dürfte späteren Datums sein. Sie wird auch lediglich zufällig angelehnt sein an das dann aber tatsächlich auf Berchta verweisende Berchtesgaden. Überdies ist das Schürreskarrennen kein Perchtenlauf, sondern eine Adaption einer Veranstaltung aus Bürrig, obwohl die Läufer vollständig in Weiß gekleidet sind und damit natürlich „der Geist des Ortes“ die Berghausener zum Abhalten ihrer inzwischen weithin besonderen Kirmes bewegt haben könnte.   [01.Januar 2009]