Archiv: März 2009

Zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs

07.03.2009 Allgemein, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches Keine Kommentare

Erschütternde Fernsehbilder vom eingestürzten Stadtarchiv erreichten uns am 3.3.2009 aus Köln. Offenbar, so lässt es der „Beweis des ersten Anscheins“ vermuten, waren Bauarbeiten an der Kölner U-Bahn hierfür verantwortlich. Zur Ursache wird vorgetragen, dass eine Ausspülung im Erdreich ein tiefes Loch vor dem Haus aufgetan habe, in das dieses dann gestürzt sei.
Der Umgang mit den Bildern und Eindrücken ist dagegen vielschichtig: So ist ein großer Teil der Bevölkerung von den menschlichen Schicksalen der nunmehr Obdachlosen bewegt, während sich andere mehr für die technischen und noch andere eher für die versicherungsrechtlichen Fragen interessieren. Nicht wenige allerdings bangen und trauern im Wesentlichen um das verloren gegangene Kulturgut.
Nehmen wir den letzten Aspekt einmal besonders heraus: Losgelöst vom Unglück ist ein jeder solcher Verlust schmerzlich, denn er berührt in erster Linie einen menschlichen Grundwesenszug, die Identifikation mit dem gemeinsamen, kulturellen Erbe. Darüber hinaus wiegt ein solches Unglück um so schwerer, je weniger insbesondere an Urkunden und schriftlichen Aufzeichnungen aus alter Zeit vorhanden ist. Denn was einmal verloren ist, bleibt für immer verloren. So ist viel von dem einstens im Archiv Gelagerten noch gar nicht ausgewertet, manches nur unzulänglich beleuchtet. Zudem bedingen neuere Erkenntnisse immer nachfolgend die Notwendigkeit der Neubewertung des bereits als vermeintlich sicher Geglaubten. Noch schlimmer: Was aus alten Quellen, etwa fehlerhaften, gefälschten oder verfälschten Urkunden einstens heraus gelesen und danach fehl interpretiert wurde, kann aufgrund eines nun nicht mehr möglichen Quellenstudiums nie mehr korrigiert werden. So könnte beispielsweise aus einer falschen Urkunde ein Irrtum erwachsen sein, der von jetzt an verfestigt weiter getragen wird, ein Problem, das ich ähnlich bereits in den Sage(n) vom versunkenen Schloss thematisiert habe.
Damit sei der Bogen zur Stadtgeschichte Langenfelds gespannt, denn unsere Stadt ist ja in vielfacher Hinsicht über die Jahrhunderte hinweg mit Köln verbunden. Nicht nur wegen der räumlichen Nähe wurden deshalb viele Urkunden, Aufzeichnungen, Karten und Fotos, eben auch Langenfeld betreffend, im Kölner Stadtarchiv verwahrt. Sie sind nun ebenso mit diesem untergegangen. Und das betrübt, selbst wenn der womöglich erst in Langenfeld zwischengelagerte und dann nach Köln verbrachte Schatz (der Nibelungen) mit dazu beigetragen haben könnte, vor allem Reichtum und Ansehen Kölns zu mehren.
Doch selbst wenn sich im Zuge der Untersuchungen später herausstellen sollte, dass das kölsche „Et hätt‘ no‘ immer jot jejange“ mitursächlich für die Katastrophe geworden sein könnte, belächelt werden sollten die Domstädter vor dem Hintergrund des alle treffendes Verlustes nicht. Dennoch lässt es sich trotz aller angemahnter Zurückhaltung wieder einmal nicht verhindern, dass eher Düsseldorf Zugeneigte (die von Köln als der Stadt sprechen, deren Name nicht genannt werden darf) es jetzt schon zu wissen glauben, dass nämlich die Kölner viel zu lax mit den Risiken des U-Bahn-Baus umgegangen seien. So hört man schon, dass ein solches Szenario beim Bau der Wehrhahnlinie in Düsseldorf undenkbar sei, trotz eines vergleichbar schlechten, sandigen Baugrundes. Mein Vorschlag: Warten wir doch alle erst einmal die Untersuchungen ab und hoffen darauf, dass doch noch ein großer Teil des Archivmaterials gerettet werden möge.   [07.März 2009]