Archiv: Februar 2010

„Schreibwettbewerb“ zum genagelten Schädel

11.02.2010 Allgemein, Archäologisches, Stadtgeschichtliches Keine Kommentare

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit einiger Verwunderung habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Vermutungen des  den Schädel untersuchenden Forensikers Dr. Peter Pieper zu dem Objekt mit keinem Wort erwähnt werden. Der hat bei Vorstellung seiner Ergebnisse zu dem vom Nagel durchbohrten Kopf klar und deutlich geäußert, dass wir es mutmaßlich mit dem Relikt einer Hexenverfolgung zu tun haben. Zumindest wäre da doch zu erwarten gewesen, dass mit dem Start des Schreibwettbewerbs um die Geschichte hinter dem Schädel auch eine solche, nicht ganz unerhebliche Tatsache angesprochen worden wäre. Stattdessen wird vorab eine Mär präsentiert, die eine mutmaßlich junge Adelige als Schwerverbrecherin dastehen lässt, die natürlich ihren Tod selbst verschuldet und verdient hat.

Meine Herrschaften, es tut mir leid, Ihnen hiermit einen schlechten journalistischen Stil bescheinigen zu müssen, auch wenn Sie sich von dem Vorsitzenden des Fördervereins Stadtmuseum, Initiator des Schreibwettbewerbs und Verzällchen-Tour-Hobbyautor Manfred Stuckmann haben in die falsche Richtung leiten lassen. Mir ist schon klar, dass eine Hexenverfolgung nicht in das beschauliche Langenfeld passen will, doch sollte man sich nicht vor einen Karren spannen lassen, dessen Ziel allein die Geschichtsklitterung ist.

Wo kämen wir denn hin, wenn wir – wie mutmaßlich im Falle der jungen, als Hexe hingerichteten Frau – aus jedem Opfer einen Täter konstruieren, nur damit unsere Stadtgeschichte ohne Makel ist. Vielleicht haben wir demnächst noch einen Wettbewerb, wie sich die 71 von der Gestapo getöteten Häftlinge in einer Schlucht des Wenzelnbergs am 13. April 1945 erst gegenseitig umbrachten und dann frecher weise auch noch selbst verscharrten. Dies alles natürlich nur, um – boshaft – die hiesige NS-Prominenz in Misskredit zu bringen. Von den 6 Millionen – selbst schuld – vergasten  Juden einmal ganz zu schweigen.  Das wäre dann vielleicht ein Thema für einen dritten Schreibwettbewerb.

Nein, Leute, so läuft das nicht. Es gehört zu den vornehmsten Pflichten eines Menschen mit Vorbildcharakter, dazu zähle ich selbstverständlich auch stellvertretende Bürgermeister, sich der Geschichte zu stellen und klar Position zu beziehen. Wenn es in Langenfeld Menschen gab, die andere als Ketzer, Hexen oder wie auch immer denunzierten, zum Tode verurteilten und anschließend den Kopf der Getöteten annagelten, dann haben wir das zu akzeptieren und insbesondere unseren Kindern diese grausame Geschichte lehrend zur Kenntnis zu geben. Mit einem wie geplanten Schreibwettbewerb wird eine solche Zielsetzung jedoch konterkariert.

Und damit meine Ansicht nicht „in Vergessenheit gerät“, werde ich zudem den WDR informieren. – Mit freundlichen Grüßen (02/2011)