Archiv: März 2011

Alt oder Kölsch im Karneval

01.03.2011 Allgemein, Nonsens, Privates Keine Kommentare

Qual der Wahl oder gibt es Argumente für und gegen eines der Biere?

Als Bewohner eines Städtchens zwischen Köln und Düsseldorf (oder umgekehrt) kennt man Alt und Kölsch zur Genüge, schließlich führen Ausflugs- und Einkaufswege nicht selten noch in eines der Brauhäuser der Nachbarstädte. Um den grundsätzlichen Entscheid vorweg zu nehmen: Alt ist herber und enthält mehr Bitterstoffe (gut für die Verdauung). Dazu ist es besser geeignet für das Durchspülen der Nieren. Kölsch ist von wässerigerer Konsistenz (der eine oder andere spricht abwertend von Maurerpisse), kann aber gegenüber Alt in größerer Menge problemlos vom Körper verkraftet werden. Und – sofern man zu einem „guten“ Kölsch greift – bereitet es keine Kopfschmerzen. Also lautet die Wahl: Trinke besser „KÖLSCH“ im Karneval. (An dieser Stelle mag über Selbstverständliches wie ein gutes Frühstück, Essen zwischendurch, keinen Schnaps und ein wenig Selbstdisziplin nicht gesprochen werden.)

Was aber ist ein „gutes“ Kölsch? Der Bier- und Ortskundige vertraut hier auf die alte Faustformel: Kein Kölsch mit „S“ am Anfang. Also kein Sion, Sester oder Sünner, denn das sind Biere ausschließlich für Kölschgewohnte Kölner, vorsichtig formuliert. Ausdrücklich auszunehmen von dieser Regel ist das ohnehin seltene Schreckenskammer, fängt ja auch mit „Sch“ an. Leverkusener stellen oft eine Regel über „G“ auf, also Ganser, Gaffel oder Gereons, doch schießt hier der Unmut über das eigene „Ganser“ übers Ziel hinaus. Zugegeben kann man mit Ganser sicher gut die Haare kuren oder sich die Füße waschen, aber Gaffel oder Gereons sind noch genießbar und mit Garde steht zudem ein ordentliches Kölsch am Start. Was über Zunft, Rats, Peters, Maximilians oder Dom zu sagen wäre? Es kommt immer drauf an, liebe Leute, wo man ist und was man kriegt. Und statt das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen, geht man es besser gleich von oben her an: Gib Früh oder Mühlen, Päffgen oder Reissdorf ins Glas, denn die Vier können was! Und sinnvoller Weise sollte es immer zwischendurch ein Wasser sein, um das Bier nicht gegen den Durst zu trinken. Zudem ist auf frische Luft statt auf Glimmstengel geschwängerte Luft zu achten, dann sind Kopfschmerzen selbst mit mehreren Litern Kölsch (über den Tag verteilt) kein Thema.

Dennoch zum Alt, das manchem schon allein wegen seiner Schwebstoffe „eine dicke Rübe“ bereitet. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, (im Karneval) Alt zu trinken, sollte in jedem Falle eine längere Rekonvaleszenszeit eingeplant werden. Hastiges Trinken verbietet sich mit Alt noch mehr als mit Kölsch und es sollten Wasserpausen eingehalten werden. Zu den Sorten an sich, greife man zu den Bieren aus den kleinen Privatbrauereien, also zu Schlüssel, Füchschen, Schumacher oder Üriges, wobei das erste das mildeste, das letztgenannte das herbste ist. Frankenheim hat inzwischen von Fass zu Fass eine unterschiedliche Qualität und Schlösser oder Diebels leben mehr von ihrem einstigen Ruf. Düssel, bis zum zweiten Weltkrieg das Namensgebende Pendant zum Kölsch, ist mit Untergang der Hirschbrauerei als Tochter der Monheimer Brauerei vom Markt verschwunden. Darüber hinaus spielen das malzig, dunkle Wienges wie das hellere, süffige Gleumes nur in ihrer Herkunftsstadt Krefeld eine bescheidene Rolle.

Ein Wort zu Pilsener Bieren: „Abends Bit, morgens fit“ gilt noch immer uneingeschränkt. Zudem lässt sich über Krombacher und Veltins nichts Negatives sagen: Die Urteile reichen von genießbar bis lecker und beide sind unproblematisch. Warsteiner taucht in der Gastronomie hierzulande häufig gemeinsam mit Frankenheim auf. Meine Empfehlung: Nach Kölsch fragen, gegebenenfalls die Kneipe wechseln. In diesem Zusammenhang angemerkt, verwundert es nicht, dass manches Kölsch gegenüber manchem Pils in der Blindverkostung zu trumpfen vermag. Denn während die großen Vier aus der Domstadt tatsächlich geschmackliche Qualitäten aufweisen, taugt anderes nur dazu, einem Esel ins Ohr gekippt zu werden.

Bezüglich der Braun- und Schwarzbiere, die hier nur während Bierbörsen zur Verkostung gelangen, somit für die Karnevalszeit ohne Bedeutung sind, kommt der Autor dann im Spätsommer 2011 auf die Angelegenheit zurück. Bis dahin sei um Geduld gebeten, denn die Erinnerung an die Aromen der vorwiegend ostdeutschen und tschechischen Biere ist inzwischen zu schwach, um heute über deren Vorzüge zu philosophieren.

(Karnevalsfreitag nach Weiberfastnacht (mit Kölsch) im Jahre 2011)