Archiv: September 2011

Geschichtliches zum Karneval / Hahnenparade

11.09.2011 Allgemein, Nonsens, Stadtgeschichtliches Keine Kommentare

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus…

Brigitte Förster und Heinrich Klassen von der KG Postalia werden als Prinzessin Brigitte I und Prinz Heinrich I das Narrenvolk in die Session 2011/12 führen. Das berichtet die Wochenpost in der Ausgabe vom 5.7.2011 mit Hinweis auf ungewöhnlich gut informierte karnevalistische Kreise. Da mutmaßlich vor genau 100 Jahren der erste Karnevalszug durch Langenfeld ging, organisiert übrigens von den Aehnse Käls, aufgegangen in der KG Spießratzen 1952, ist der Entscheid für die beiden von historischer Tragweite. Nimmt man dagegen die offizielle karnevalistische Position aufgrund des nachgewiesenen ersten närrischen Lindwurms 1913 als die Geburtsstunde närrischer Straßenumzüge in Langenfeld an, so regieren die beiden das Narrenvolk immerhin im 99. Jahr (!) nach dem ersten Rosenmontagszug. Wie dem auch sei, entbieten wir den beiden unseren karnevalistischen Gruß mit einem dreifachen „Trari-Trara“ – „Postalia“, „Rösroth“ – „Alaaf“ und „Langenfeld“ – „Helau“. Freuen wir uns auf eine rattenscharfe Session mit Prinzessin Brigitte sowie unserem karnevalistischen Nordlicht, Prinz Hein.

… und das gemeine karnevalistische Volk ??

Hat schon mal am 8.7.2011 „trocken“ mit einer Hahnenparade anlässlich des portugisischen Jahres üben können. 65 bemalte Hähne von 2,10 Meter Höhe und 90 Ein-Meter-Hähne zeigte die Parade ohne Kamelle und Strüssjer auf der Haupt- und Solinger Straße. Hahnenparadeplatz war der Parkplatz vor der Hauptstelle der Stadtsparkasse. Gedacht wurde übrigens dem Wappenvogel Portugals, dem „Galo de Barcelo“. Dazu die Geschichte, die der Wochenanzeiger mit Ausgabe vom 8.7.2011 erzählte:
Ein des Silberdiebstahls Beschuldigter verlangte vor der Hinrichtung noch einmal den Richter zu sprechen. Dieser aß gerade einen gebratenen Hahn, als ihm der Verurteilte eröffnete, dieser Hahn würde während der Hinrichtung zum Zeichen seiner Unschuld vom Teller hüpfen und zu krähen beginnen. Tatsächlich geschah es, dass der (gebratene) Hahn während der Hinrichtung zu krähen begann. Da eilte der Richter zum Richtplatz, um die Hinrichtung zu stoppen. Doch ohne jemandes Zutun hatte sich dort die Schlinge um den Hals des Verurteilten von selbst gelöst.
Eine schöne Geschichte und eine insgesamt interessante Veranstaltung. Allerdings trübten lauwarmes Früh aus Plastikbechern und abgezählt kaltes Sagres aus der Flasche die Freude bei diesem mutmaßlich einmaligen „Event“ (Das Wort „iwent“ ist neudeutsch für Veranstaltung).

Ein Ausblick auf die Session 2012/13

In der Session 2012/13 werden die Langenfelder Karnevalisten ihres ersten Karnevalszuges vor rund 100 Jahren gedenken. Dank meiner Erinnerung geht das denkwürdige Ereignis nicht unter. Tatsächlich könnte sich der Zug übrigens schon zum 101ten Male jähren, denn der Zeitungsbericht aus dem Jahre 1913 spricht von einer (wenigstens) zweiten Veranstaltung der Karnevalsgesellschaft „Aehnse Käls“ auf dem Hucklenbruch. Damit wird ein erster Umzug am Rosenmontag des Jahres 1911 oder 1912 wahrscheinlich. Wegen einer möglichen Pause damals ist es natürlich nachvollziehbar, dass das Ereignis erst (deshalb ganz sicher mit dem Zeitungsartikel aus 1913) dann im Jahre 2013 entsprechend gefeiert wird.
Allerdings läge mit dieser Überlegung soeben die 99. Wiederkehr dieses Ereignisses vor uns, ohne dass der närrischen „99“ gedacht würde (obwohl Brigitte und Hein gemeinsam 111 Jahre alt sind und am 11.11.11 inthronisiert wurden). Aber wat soll’et? Der Karneval wird nachweislich in Langenfeld bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gefeiert, selbst wenn die Stadt als Ganzes nicht eben zu einer seiner Hochburgen gerechnet wird. Vielleicht liegt es am Altbier/Kölsch-Äquator, der auf die alten Dekanatsgrenzen (Norden und Mitte: Neuss, Süden: Deutz) zurückgeht, dass hier das gemeinsame Feiern aller Stadtteile noch immer etwas schwer zu fallen scheint. Auf einen solchen tiefen Grund würden im Übrigen auch die Veedelszüge in Berches und seit 6 Jahren in Reusrath, dort der Lichterzug, verweisen.
Egal! Erst einmal Hein und Brigitte alles Gute für die Session 2011/12. Zudem viel Erfolg den beiden mit ihrer Karnevalshymne, die Hein bereits auf dem Gänsemarkt mit wunderbarer Stimme zum Besten gab, und uns allen viel Spaß in der Session mit Alaaf und Helau.

(Nachtrag 2013: Es gab keine Feier. Auch die Karnevalisten haben ihre Geschichte vergessen)