Archiv:

Die Möckenburg im Modell

17.05.2015 Allgemein, Archäologisches, Namen und Deutungen, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches Keine Kommentare


Die Künstlergruppe Falter bot mir die Möglichkeit, in den Räumlichkeiten des Marktkarrees die Möckenburg im Modell („Das versunkene Schloss“) zu fertigen. Dazu habe ich die mutmaßlich ehemalige Motte erstmals vermessen können, weil die Fläche inzwischen aufgrund des teils über den alten Zugangswall geführten Wanderweges „Neandersteig“ vom Unterholz befreit wurde. Dabei stellte sich im Übrigen heraus, dass die Anlage weit weniger lang gestreckt ist, als ursprünglich beim Abschreiten zwischen den Bäumen hindurch, von mir vermutet wurde.

DieMöckenburg neu vermessen

Grundriss der vermuteten Möckenburg-Motte

Den nachfolgenden Text fertigte ich zur Erläuterung des Modells, an dem sich zugleich die von mir vermutete Untergangskatastrophe nachzeichnen lässt.

Erläuterungen zur „Möckenburg“, für den Autor das „Versunkene Schloss“

Grundsätzliches: Das Modell einer mittelalterlichen Turmhügelburg (in der Wissenschaft „Motte“ genannt) soll die Bauweise von Niederungsburgen im Flachland verdeutlichen. Solche Burgen gab es zwar bis hinein in den Alpenraum, dennoch sind diese eher typisch für unsere Landschaft. Insbesondere in Sumpfgebieten wurden solche Anlagen auf einer Packlage von Flechtreisigbündeln errichtet, die miteinander verbunden wurden. Die Burgen „schwam-men“ somit förmlich auf dem Morast. Für Langenfeld sind zwei dieser Turmhügelburgen verbürgt, nämlich die „Motte Schwanenmühle“ in Wiescheid sowie die „Motte Flachenhof“ in Immigrath. Eine weitere nimmt die Wissenschaft derzeit nur für Langfort an, wo ent-sprechende Flechtreisigbündel in der Nähe des AWO-Altenheims entdeckt wurden.

Zur weiteren Bauweise: Auf den „schwimmenden“ Flechtreisigbündeln wurde die Anlage mit Holz und Erde errichtet. Der Aushub der Gräben wurde zu Wällen aufgeworfen und als Boden in die Motte verbracht. Die Wälle wurden mit Palisaden oder holzsparend als Flechtwerk mit den dicken Ästen der gefällten Bäume ausgeführt. In einer größeren Vorburg standen die Gebäude für Mensch und Vieh. Wahrscheinlich eher seltener lebte der Burgherr in dem Turmhügel hinter der Schildmauer zur Vorburg. Meist war dies die letzte Zuflucht vor einem herannahenden Feind.

Zur Gesellschaft: Die fränkische Gesellschaft kannte unfreie Bauern auf dem Hof des Grundherrn sowie sogenannte Hufenbauern in Dörfern nahebei. Erstere mussten ihre Arbeitskraft voll in den Dienst des Grundherren stellen, letztere durften drei Tage die Woche auf „eigener Scholle“ wirtschaften. Der Sonntag war in einer zumindest oberflächlich bereits christianisierten Gesellschaft arbeitsfrei.

Zur Kapelle: Unser Mottenmodell zeigt eine kleine, nordwärts ausgerichtete Kapelle. Dazu angemerkt, wurde der Chor in altchristlicher Zeit ohne besondere architektonische Ausformung gestaltet und war nur durch Schranken innerhalb des Kirchenraums unterteilt. Die Apsis, als halbkreisförmiger Abschluss des Chorraums findet sich selten in einfachen Holzkirchen. Die Ausrichtung des Chors nach Osten ist keine zwingende Bauvorschrift. Sie setzte sich mit dem „Toleranzedikt von Mailand“ ab dem Jahre 313 nach Christus allmählich durch und wurde in Renaissance und Barock wieder liberal gehandhabt.

Der heutige Befund im Wald: Von der mutmaßlich ehemaligen Motte im Galkhauser Wald, am Rande des heutigen Restmoores „Further Moor“, am „Neandersteig“, blieb nur die Vorburg mit drei Hügelresten erhalten. Der westliche der beiden Schildmauertürme ist nach Osten an den Ostturm „versetzt“. Der Vorburgwall weist an seiner Stelle eine Eindellung auf. Die oben stehende Skizze soll die heutige Form verdeutlichen, das nachfolgende Bild deren ursprüngliches Erscheinungsbild.

Möckenburg-Modell im Winter

Das fast fertige Modell (ohne Belaubung) zeigt, wie sich die Burg im Winter zeigte

Die im Modell gezeigte Burg: Die Anlage wurde in den mutmaßlichen Zustand zurück gedacht, die sie womöglich einstmals hatte. Ob es eine Schildmauer ganz im Süden gab, ist unbekannt, wird nur aufgrund der Befunde in der Motte Schwanenmühle für diese Motte ebenfalls angenommen. Vielleicht war dieser Schutz aufgrund der Lage schon fast im Moor nicht notwendig. Der im Nordwesten (nördlich der Gänse-Insel) befindliche Trockengraben hätte die Katastrophe mutmaßlich verhindern helfen. Ihn gab es wohl daher nicht. Ein tödlicher Baumangel, wie sich herausstellte.

Zum Untergangsszenario: Den Untergang mitbewirkte, wenn es denn eine Motte gewesen ist, hat die Errichtung der Anlage auf Flechtreisigbündeln. Wochenlange Regenfälle führten zu einer Aufweichung der Wallanlagen. Ein Blitz fällte dann einen Baum oberhalb der Motte in Hapelrath, der ins Wasser kippte und zu einer Stauung führte. Als der Druck groß genug war, sprengte es den Baum auf einer Wasserwelle talwärts, wo er sich in der Bachstauung der Motte verfing und sodann das Wasser in der Motte steigen ließ. Der eingedrückte Wall in der Skizze oben links zeigt, wo sich der meiste Druck entfaltete. Deshalb riss es den westlichen Turm ab, der vor den östlichen Turm gedrückt wurde. Als schließlich auch die Stauung des Bachs für die Gräben der Burg gesprengt wurde, zog es den Turmhügel, der nur auf Flechtreisigbündeln „schwamm“ in seinem Sog talwärts. Daher versank in dieser Burg nur die Herrschaft. Die Menschen in der Vorburg überlebten, obwohl auch diese mit Wasser vollief. An drei Stellen in Süd- und Westwall wurde daher die Anlage geöffnet, um das Wasser ablaufen zu lassen. Die Überlebenden der Katastrophe siedelten anschließend auf einem Sandhügel auf der anderen Seite der Bahnlinie, bevor sie die Motte am Blockbach (erste Dückeburg) errichteten. Dieser Sandhügel blieb im Übrigen der Anknüpfungspunkt an die Sage in Langenfeld und ist aus rundherum zusammen gescharrtem Sand errichtet worden. Er erinnert ganz daran, dass hier „ein erster Turm“ für die Überlebenden der Katastrophe entstanden sein könnte.

Zur Sage vom versunkenen Schloss: An keinem anderen Ort in Mitteleuropa ließe sich ein Untergangsszenario, wie von mir beschrieben, an Bodenzeichnungen, die vorgeblich für ein versunkenes Schloss herhalten müssen, entwickeln. Für mich ist deshalb diese Motte das tatsächliche „Versunkene Schloss“. Weil zudem über die Jahrhunderte verloren ging, dass es einst „im langen Feld“ gestanden hatte, verlegten es die Menschen in ihre Umgebung. Einen Goldschatz gab es dort im Übrigen nie. Die in der Sage berichteten Grabungstätigkeiten galten allein der Alltagshabe.

Der wahre Schatz: Der wahre Schatz der Sage ist die Übermittlung von Kenntnissen aus der Beobachtung von Gegebenheiten vor, während und nach dem Untergang der Burg, die mit „göttlichem Eingriff“ in Verbindung gebracht wurden. Dabei erhellt sich, dass „Die Sage vom versunkenen Schloss“ eine mystische Überlieferung darstellt, die eine von christlichen Vorstellungen abweichende Auffassung vermittelt.

Der Name der Burg: Baron von Galera, der erste Langenfelder Stadtchronist, nahm 1963 als Keimzelle der Besiedlung zu Zeiten der rückläufigen fränkischen Landnahme (Rückkehr der Franken in ihr altes Siedlungsgebiet) eine Markgrafschaft und darin eine „Virneburg“ an. Eine alte Burganlage findet sich in der Fortführung der Virneburgstraße auf Leichlingen zu. Weder hinsichtlich des heutigen Bauernhofs „Virneburg“ noch der heutigen „Möckenburg“ darf man von ehemaligen Burgen ausgehen. Vielmehr werden einstige Burgnamen dorthin übertragen worden sein. Daher bliebe der Name „Möckenburg“ für diese Motte offen. Und wenn man sich die großen Wasserflächen am Rande des Further Moores betrachtet, könnte die Anlage tatsächlich einstmals „Mückenburg“ geheißen haben. Der Link zur Rheinischen Post.

Die Motte Möckenburg

RP und lokale Presse berichteten ausführlich vom Crossover-Projekt

(Autor des Textes und „Erbauer“ des Mottenmodells: Claus-Peter Peters. Weitere Infos zum Crossover-Projekt der Künstlergruppe Falter sowie Bilder aus der Entstehungszeit des Modells finden Sie auf der Webseite der Gruppe IG-KLM.de)

Langenfeld-Buch – Grünes Sofa

17.11.2014 Allgemein, Buchvorstellung, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches Keine Kommentare

Langenfeld-Buch - Grünes Sofa

Langenfeld im Wandel der Zeiten

Langenfeld-Buch – Grünes Sofa präsentiert den Autor Claus-Peter Peters mitsamt Werk. Als Betreiber dieser Webseite und Autor des Buches „Langenfeld im Wandel der Zeiten“ freue ich mich über einen Vorstellungstermin, den mir das „Grüne Sofa“ eingeräumt hat. Das stadtgeschichtliche Buch wird Ihnen am 9.12.2014 um 19 Uhr 30 vorgestellt, Dazu lese ich aus dem Werk und erhalte damit die Gelegenheit, Ihnen etwas über die Geschichte der Stadt vorzustellen. In einem zweiten Teil präsentiere ich Einblicke in das Werden meines metaphysisch-philosophischen Werks, dass es ohne Langenfeld und Menschen aus dieser Stadt nie gegeben hätte. Ein dritter Teil mit einigen amüsanten Kurzgeschichten wird meinen Vortrag abrunden.

Ich würde mich freuen, wenn Sie zur Lesung kämen und sich den Termin vormerken würden: 9.12.2014, 19 Uhr 30, Haus Arndt

Das Buch gibt es – links die Bratapfelmarkt-Sonderausgabe 2013 – für 30 EUR in den Räumen der Künstlergruppe Falter, Marktkarree, erstes Obergeschoss.

Die Wikinger und eine Markgrafschaft?

28.09.2014 Allgemein, Archäologisches, Namen und Deutungen, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches Keine Kommentare

Wikingerhäuser in Haithabu

Nachbau einiger Häuser der Haupthandels-Metropole der Wikinger

Von den sogenannten Fachleuten gerne in Abrede gestellt, wird die Annahme des ersten Stadtchronisten Langenfelds, der 1963 behauptete, Richrath sei einst Markgrafschaft gewesen. Baron von Galera wird wohl auf ihm zugängliche Quellen bzw. Privatarchive des lokalen Adels zurückgegriffen haben. Vielleicht hatte er auch Informationen, die mündlich in seiner Familie weitergegeben wurden. Wir wissen es nicht. Jedenfalls nahm er nicht nur eine Markgrafschaft für Richrath an, sondern zugleich war die Motte Virneburg für ihn eine vor 960 existierende Größe, wie es die Karte in seiner Schrift zur Stadtgeschichte aus eben dem Jahr 1963 ausweist. Die Virneburg war meines Erachtens eine in eine germanische Ringwallanlage in Hapelrath hineingebaute Turmhügelburg, die möglicherweise planvoll versenkt wurde. Zu den Herren von Virneburg erfahren Sie überdies auf Interessantes auf der Seite „Argumente für einen Fundschatz„. Doch sei an dieser Stelle nicht zu viel und zu weit ausgeholt, ich möchte nicht gleich überfrachten. Meine Bilder aus Haithabu jedenfalls mögen Ihnen zunächst einen Eindruck von den mittelalterlichen Wohnverhältnissen außerhalb der römischen Einfluss-Sphäre vermitteln. Selbstredend bleibt es nicht bei der einfachen Darstellung der Häuser aus Hathabu, dafür schwirren mir bei jedem Häppchen Stadtgeschichte gleich weitere Informationen durch den Kopf (wie eben jene zur Markgrafschaft Richrath, zu Wikingerüberfällen bis nach Köln etc.). Lassen Sie sich auf dieser Webseite von den Bildern animieren und – besuchen Sie einmal Haithabu, Schleswig und vor allem das Schloss Gottorf mit seiner archäologischen Sammlung. Zu meinem „Besuch in Haithabu„.

Autor besucht Motte Lütjenburg

28.09.2014 Allgemein, Archäologisches, Namen und Deutungen, Stadtgeschichtliches Keine Kommentare

Frühmittelalterliche Festungskunst

Der Wehrturm der Motte Lütjenburg im Kreis Plön

Der Autor und Betreiber dieser Webseite nutzte seinen Jahresurlaub in Schleswig-Holstein, den Nachbau der Turmhügelburg Lütjenburg im Kreis Plön zu besuchen. Jede Menge Bilder und interessante Einblicke in das Leben der Burgherren des frühen Hochmittelalters waren als Ausbeute zu verzeichnen. Was es mit Motten (Turmhügelburgen) und der hiesigen Sage vom versunkenen Schloss auf sich hat, warum die Namen Möckenburg und Virneburg wohl keine Bauernhöfe bezeichneten und was wir für die Stadtgeschichte deshalb mitnehmen dürfen, erläutert der Artikel „Ritter Pitter in der Lütjenburg„.

Haus Arndt

13.09.2014 Allgemein, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches Keine Kommentare

Unser Stammquartier der IG-KLM

Das Domizil der Künstlergruppe Falter, die vom Betreiber der Webseite am 5.9.2012 gegründet wurde.

Obwohl sich am Haus die Jahreszahl 1667 fand, ist die Existenz des Hauses Arndt erst aus einer Karte aus dem Jahre 1810 gesichert. Es wird zumindest bereits 1809/10 bestanden haben. Die Annalen der Besitzerfamilien indes reichen weiter zurück, sodass ein längeres Bestehen am Ort nicht auszuschließen ist. Ursprünglich war das Haus landwirtschaftlich genutzt. Heute ist im Haupthaus ein gatronomischer Betrieb, in einem Seitengebäude (zeitweilig Schreinerei / Pferdestall) eine Weinhandlung untergebracht. Die rechts des Hauses gelegenen ehemaligen Stallgebäude mussten bereits in den 1960er Jahre Garagen weichen. Sie sind seit 1984 nicht mehr vorhanden und bieten somit einen Durchgang zum Marktplatz. Der heutige gastromische Betrieb „Haus Arndt“ verfügt über zwei Terrassen, rückwärtig über eine gepflasterte, vor dem Haus liegt sie im ehemaligen Vorgarten und stellt damit eine der wenigen nicht versiegelten Flächen in der Innenstadt dar.

Haus Arndt lag im Übrigen an einer von nur vier Bachbrücken im Stadtgebiet und zugleich an einem der drei alten Fernhandelswege. Der älteste war der Mauspfad, ein in Langenfeld seit der Bronzezeit nachgewiesener Fußpfad durch das Stadtgebiet, der etwa Köln über weiter Butenweg, Hellweg und weitere Hansestraßen mit der Küste verband. Ab dem Mittelalter verband die spätere B 229 den Hitdorfer Rheinhafen mit Solingen. Solinger Stahlwaren traten ihren Siegeszug somit an Haus Arndt vorbei in die weite Welt an. Bei Haus Arndt war daher auch „zum Abkassieren“ des früher üblichen Wegezolls eine der Stationen im Stadtgebiet eingerichtet, an der das sogenannte „Barriere-Geld“ erhoben wurde und sich nur bei Zahlung die Schranke hob.

Verwundern darf es uns daher nicht, dass die Verbindung Bergisches Land und Hitdorfer Hafen (tatsächlich einst das Tor zur großen weiten Welt) uns dann wohl einen waschechten Solinger als Gastwirt im Haus Arndt beschert hat: Olaf Kohler. Einmal gar nicht am Rande notiert, sei ihm an dieser Stelle einmal für seine vielfältigen Unterstützungen der Künstlergruppe Falter gedacht, ohne die sich der Erfolg der Gruppe bei Weitem nicht so einfach gestaltet hätte.

Hennes im Kreisverkehr

12.09.2013 Allgemein, Nonsens Keine Kommentare

Kreisverkehr mit Hennes

Hennes im Kreisverkehr

Manch einer vermutete bereits, dass dem inzwischen eingeschläferten FC-Maskottchen Hennes VII im Kreisverkehr an der Metzmacherstraße / Talstraße ein Denkmal gesetzt wurde, weil fast alle FC-Abstiege aus der Bundesliga in seine Ära fallen. Andere vermuteten gar, hier würde an Hennes II erinnert, um den Schmerz um die Vergiftung des Vereinssymbols – so glaubten es damals eingefleischte FC-Fans – durch die verfeindeten Anhänger von Borussia Mönchengladbach wach zu halten. Wieder andere erinnerten daran, dass mancherorts der Teufel im Geißbock gesehen werde (vergleiche das Bild), wie etwa im Falle der Schwarzwald-Gemeinde Bad Teinach-Zavelstein und betrachteten das Abbild bislang mit dem größten Argwohn. Und noch andere hielten, wie im Falle der Teufelsbrücke in der Schweiz über die Schöllenenschlucht, einen Triumph über den Teufel für die wahre Ursache dieses obskuren „Denkmals“.

Nichts von alledem ist wahr, liebe Leser. Dennoch verkörpert der Geißbock, wie es die Seitenansicht schon vermuten lässt, den Teufel, allerdings nicht die Personifizierung des Zweifels, sondern den „Bösen Menschen“ schlechthin. Er steht deshalb im Kreisverkehr, weil dort der Hucklenbruch beginnt, der in der frühen Neuzeit Schauplatz einer traurigen Geschichte wurde. Denn dort wurde eine wohl Unschuldige, eine Adelige(?), offenbar als Hexe aufgegriffen und zu vermutend auf dem Galgenplatz „Am Galhaus(en)er Bach“ enthauptet. Ihr Schädel wurde hernach an der heutigen B 8 angenagelt zur Schau gestellt (der so genannte „Genagelte Schädel aus Langenfeld„), bevor er an Ort und Stelle verscharrt wurde. Vor diesem Hinterrund warnt der Geißbock auf dem Rondell heutzutage jeden, der sich auf dem einstigen Mauspfad befindet, dass er auf dem Hucklenbruch seinen Kopf verlieren kann. Überdies sollte jeder weiblichen Person auf dem Weg nach Köln bewusst sein, in welche Gefahr sie sich begibt. Man muss nämlich keine Engländerin sein, um zusammen mit elftausend anderen Jungfrauen im Gebeinhaus der Kölner Kirche St. Ursula zu landen (Nähe Bahnhof und gegenüber dem Brauhaus „Zur Schreckenskammer“).

Und sollte der Geißbock andererseits – dies völlig wider Erwarten – dennoch auf das FC-Maskottchen und damit auf aktuell den Bock Hennes VIII verweisen, mag der Hennes als Maskottchen dem Verein genau so viel Glück bescheren wie sein unmittelbarer Vorgänger.

 

Feedback zur Kirmes 2013

08.09.2013 Allgemein, Nonsens, Stadtgeschichtliches Keine Kommentare

Liebe Kirmesjonge,

Eure Schürreskarren-Rennen 2013 waren wieder erste Sahne. Nur in Stichworten: Vater (im Großvateralter) schlägt seinen Sohn (im guten Mannesalter) im Rennen allein durch Routine. Insgesamt 4 spannende Vorläufe und ein geiles Finale, daneben ein Altherrenlauf, wieder einmal ein Jugendlauf, drei spannende Kettcar-Rennen, ein Kettcar-Rennen nur mit Mädels sowie ein Schürreskarr-Rennen nur mit Mädels, drei Gästerennen und vier „Unfälle“ haben eine unglaubliche Dynamik erkennen lassen. Selbst wenn heute wegen des miesen Wetters nur wenige in die Baumberger Straße kamen, in den gut 15 Jahren, die ich nach Berches komme, war das ein Besuch, der mir lange in Erinnerung bleiben wird. Leider hatte ich Eure Kirmes viel zu lange „nicht auf dem Schirm“, kenne zwar noch die Treibstraße aber die Sandbahnrennen allein aus Erzählungen. Darüber könnte ich mir heute in den Hintern beißen. Deswegen schreibe ich jedoch nicht.

Startvorbereitungen

Vor dem Start das Kölsch herabgespült und dann geht’s los.

Wenn es auch so schön war wie schon lange nicht mehr, meine ich, eine Unregelmäßigkeit melden zu müssen. Wenn ich das richtig beobachtet habe, wurde Achim im dritten Gästelauf zunächst der Start vorgegaukelt, worauf er sein Bier austrank und loslief. Dann hat man ihm einen Frühstart vorgehalten, sodass er gleich noch ein zweites Bier hinterher kippen musste. Das hat ihn natürlich zurückgeworfen, weshalb er das Rennen dann auch nicht gewinnen konnte. Durch eine „peinliche Befragung“ mittels Kölsch und „intravenöser Zugabe“ von härteren Drogen wird man bei seinen Mitläufern die Wahrheit ans Licht bringen können. Höchst vorsorglich: Ich lasse mir nicht entgegenhalten, dass ich wegen der Aufregung bei den Rennen wenigstens bei jedem zweiten ein Kölsch getrunken habe. Das mit Achim habe ich mal ganz genau mitbekommen. Deshalb, so meine ich, müssten seine Mitläufer disqualifiziert werden oder aber Achim nächstes Jahr eine neue Chance bekommen.

Wie dem auch sei, in jedem Fall Grüße aus Immigrath und eine restliche schöne Kirmes wünscht Euch  – der Ritter Pitter vom versunkenen Schloss.

Was feiern nach Wegfall der Religionen?

27.12.2012 Allgemein, Namen und Deutungen, Privates Keine Kommentare

Nicht nur die Grünen machten sich zu diesem Thema Gedanken. Schon 2012 hatte ich so einige Ideen zu dem Thema, ob nun sinnig oder unsinnig, will ich nicht entscheiden. Es war in erster Linie einmal nur eine reine Sammlung von Überlegungen.

Der Wegfall der Religionen hat bedauerlicherweise den Wegfall einiger Feste und Feiertage zur Folge, wenn diese nicht entsprechend umgewidmet werden. Damit es in Deutschland keine gravierenden Änderungen im Feiertagskalender gibt, hier meine Vorschläge: Unproblematisch sind ja ohnehin die gesetzlichen Feiertage wie Sylvester, Neujahr, der Maifeiertag oder der Tag der deutschen Einheit. Da mir die ersten Drucke der Bücher „Göttliche Erkenntnis“ am 23.12.1999 sowie „Die Reise in die Seele“ am 23.12.2009 zugestellt wurden, plädiere ich für einen Bescherungsabend am 23. Dezember eines jeden Jahres, anschließend einem Fest der Freude und Versöhnung für zwei weitere Tage. An Ostern wird bereits jetzt des Friedens gedacht, sodass das Osterfest künftig als Friedensfest über weiterhin vier Tage gefeiert werden sollte. Pfingsten war bislang das „Fest des Heiligen Geistes“ und würde zukünftig als „Fest der Erleuchtung“ Bestand haben können. Aus Christi Himmelfahrt würde der gesetzliche „Vatertag“ und aus Fronleichnam der gesetzliche „Muttertag“, denn Sonntags ist ein solcher Gedenktag albern und darüber hinaus will der Blumenhandel weiterhin florieren. Allerheiligen sowie der Buß- und Bettag könnten dagegen locker durch neue gesetzliche Feiertage wie Weiberfastnacht und Rosenmontag ersetzt werden. Anstatt also die Totenruhe durch Andachten und bunte Lämpchen zu stören, müsste dann ebenfalls in bislang unkarnevalistischen Gegenden Deutschlands der Winter ausgetrieben werden. Bei einem derart sonnenhungrigen Volk wie dem der Deutschen sollte dieser Vorschlag allerdings auf ungeteilte Zustimmung stoßen können.

Damit zu den „unchristlichen“ Festen: Ramadan sowie das abschließende Fastenbrechenfest lassen sich problemlos integrieren, wobei es sowieso freigestellt sein sollte, zwischen Karneval und dem Friedensfest oder eben nach alter islamischer Sitte zu fasten. In dieser Zeit ehemaligen Christen die Vorzüge der orientalischen Küche vorzustellen, ist aber in jedem Falle eine gute Idee. Das Opferfest, der Geburtstag des Propheten Mohammed, das islamische Neujahr sowie das Ashura-Fest (Fasten- und Rettungstag des Propheten Moses) lassen sich naturgemäß schwieriger umwidmen. Hier hilft vielleicht das Bewusstsein weiter, sich einstens aus dem Christentum entwickelt zu haben. Für das jüdische Pessachfest als Erinnerung an den Auszug aus Ägypten fällt mir spontan nichts ein. Die Matzen (eine jüdische Fastenspeise) des Matzenfestes (so erzählte es mir meine Großmutter) sollen allerdings auch mit Butter und Marmelade gut schmecken. Hier fehlt es mir jedoch bislang an den entsprechenden Erfahrungen. Wie man es darüber hinaus weltweit mit den Festen halten will, muss man einfach mal sehen. Zur Not übernimmt man unsere Feste und macht bezüglich der eigenen gute Vorschläge zur Umwidmung. Wenn es Sinn macht, sollten die Feste dann weltweit übernommen werden.

Geschichtliches zum Karneval / Hahnenparade

11.09.2011 Allgemein, Nonsens, Stadtgeschichtliches Keine Kommentare

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus…

Brigitte Förster und Heinrich Klassen von der KG Postalia werden als Prinzessin Brigitte I und Prinz Heinrich I das Narrenvolk in die Session 2011/12 führen. Das berichtet die Wochenpost in der Ausgabe vom 5.7.2011 mit Hinweis auf ungewöhnlich gut informierte karnevalistische Kreise. Da mutmaßlich vor genau 100 Jahren der erste Karnevalszug durch Langenfeld ging, organisiert übrigens von den Aehnse Käls, aufgegangen in der KG Spießratzen 1952, ist der Entscheid für die beiden von historischer Tragweite. Nimmt man dagegen die offizielle karnevalistische Position aufgrund des nachgewiesenen ersten närrischen Lindwurms 1913 als die Geburtsstunde närrischer Straßenumzüge in Langenfeld an, so regieren die beiden das Narrenvolk immerhin im 99. Jahr (!) nach dem ersten Rosenmontagszug. Wie dem auch sei, entbieten wir den beiden unseren karnevalistischen Gruß mit einem dreifachen „Trari-Trara“ – „Postalia“, „Rösroth“ – „Alaaf“ und „Langenfeld“ – „Helau“. Freuen wir uns auf eine rattenscharfe Session mit Prinzessin Brigitte sowie unserem karnevalistischen Nordlicht, Prinz Hein.

… und das gemeine karnevalistische Volk ??

Hat schon mal am 8.7.2011 „trocken“ mit einer Hahnenparade anlässlich des portugisischen Jahres üben können. 65 bemalte Hähne von 2,10 Meter Höhe und 90 Ein-Meter-Hähne zeigte die Parade ohne Kamelle und Strüssjer auf der Haupt- und Solinger Straße. Hahnenparadeplatz war der Parkplatz vor der Hauptstelle der Stadtsparkasse. Gedacht wurde übrigens dem Wappenvogel Portugals, dem „Galo de Barcelo“. Dazu die Geschichte, die der Wochenanzeiger mit Ausgabe vom 8.7.2011 erzählte:
Ein des Silberdiebstahls Beschuldigter verlangte vor der Hinrichtung noch einmal den Richter zu sprechen. Dieser aß gerade einen gebratenen Hahn, als ihm der Verurteilte eröffnete, dieser Hahn würde während der Hinrichtung zum Zeichen seiner Unschuld vom Teller hüpfen und zu krähen beginnen. Tatsächlich geschah es, dass der (gebratene) Hahn während der Hinrichtung zu krähen begann. Da eilte der Richter zum Richtplatz, um die Hinrichtung zu stoppen. Doch ohne jemandes Zutun hatte sich dort die Schlinge um den Hals des Verurteilten von selbst gelöst.
Eine schöne Geschichte und eine insgesamt interessante Veranstaltung. Allerdings trübten lauwarmes Früh aus Plastikbechern und abgezählt kaltes Sagres aus der Flasche die Freude bei diesem mutmaßlich einmaligen „Event“ (Das Wort „iwent“ ist neudeutsch für Veranstaltung).

Ein Ausblick auf die Session 2012/13

In der Session 2012/13 werden die Langenfelder Karnevalisten ihres ersten Karnevalszuges vor rund 100 Jahren gedenken. Dank meiner Erinnerung geht das denkwürdige Ereignis nicht unter. Tatsächlich könnte sich der Zug übrigens schon zum 101ten Male jähren, denn der Zeitungsbericht aus dem Jahre 1913 spricht von einer (wenigstens) zweiten Veranstaltung der Karnevalsgesellschaft „Aehnse Käls“ auf dem Hucklenbruch. Damit wird ein erster Umzug am Rosenmontag des Jahres 1911 oder 1912 wahrscheinlich. Wegen einer möglichen Pause damals ist es natürlich nachvollziehbar, dass das Ereignis erst (deshalb ganz sicher mit dem Zeitungsartikel aus 1913) dann im Jahre 2013 entsprechend gefeiert wird.
Allerdings läge mit dieser Überlegung soeben die 99. Wiederkehr dieses Ereignisses vor uns, ohne dass der närrischen „99“ gedacht würde (obwohl Brigitte und Hein gemeinsam 111 Jahre alt sind und am 11.11.11 inthronisiert wurden). Aber wat soll’et? Der Karneval wird nachweislich in Langenfeld bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gefeiert, selbst wenn die Stadt als Ganzes nicht eben zu einer seiner Hochburgen gerechnet wird. Vielleicht liegt es am Altbier/Kölsch-Äquator, der auf die alten Dekanatsgrenzen (Norden und Mitte: Neuss, Süden: Deutz) zurückgeht, dass hier das gemeinsame Feiern aller Stadtteile noch immer etwas schwer zu fallen scheint. Auf einen solchen tiefen Grund würden im Übrigen auch die Veedelszüge in Berches und seit 6 Jahren in Reusrath, dort der Lichterzug, verweisen.
Egal! Erst einmal Hein und Brigitte alles Gute für die Session 2011/12. Zudem viel Erfolg den beiden mit ihrer Karnevalshymne, die Hein bereits auf dem Gänsemarkt mit wunderbarer Stimme zum Besten gab, und uns allen viel Spaß in der Session mit Alaaf und Helau.

(Nachtrag 2013: Es gab keine Feier. Auch die Karnevalisten haben ihre Geschichte vergessen)

Alt oder Kölsch im Karneval

01.03.2011 Allgemein, Nonsens, Privates Keine Kommentare

Qual der Wahl oder gibt es Argumente für und gegen eines der Biere?

Als Bewohner eines Städtchens zwischen Köln und Düsseldorf (oder umgekehrt) kennt man Alt und Kölsch zur Genüge, schließlich führen Ausflugs- und Einkaufswege nicht selten noch in eines der Brauhäuser der Nachbarstädte. Um den grundsätzlichen Entscheid vorweg zu nehmen: Alt ist herber und enthält mehr Bitterstoffe (gut für die Verdauung). Dazu ist es besser geeignet für das Durchspülen der Nieren. Kölsch ist von wässerigerer Konsistenz (der eine oder andere spricht abwertend von Maurerpisse), kann aber gegenüber Alt in größerer Menge problemlos vom Körper verkraftet werden. Und – sofern man zu einem „guten“ Kölsch greift – bereitet es keine Kopfschmerzen. Also lautet die Wahl: Trinke besser „KÖLSCH“ im Karneval. (An dieser Stelle mag über Selbstverständliches wie ein gutes Frühstück, Essen zwischendurch, keinen Schnaps und ein wenig Selbstdisziplin nicht gesprochen werden.)

Was aber ist ein „gutes“ Kölsch? Der Bier- und Ortskundige vertraut hier auf die alte Faustformel: Kein Kölsch mit „S“ am Anfang. Also kein Sion, Sester oder Sünner, denn das sind Biere ausschließlich für Kölschgewohnte Kölner, vorsichtig formuliert. Ausdrücklich auszunehmen von dieser Regel ist das ohnehin seltene Schreckenskammer, fängt ja auch mit „Sch“ an. Leverkusener stellen oft eine Regel über „G“ auf, also Ganser, Gaffel oder Gereons, doch schießt hier der Unmut über das eigene „Ganser“ übers Ziel hinaus. Zugegeben kann man mit Ganser sicher gut die Haare kuren oder sich die Füße waschen, aber Gaffel oder Gereons sind noch genießbar und mit Garde steht zudem ein ordentliches Kölsch am Start. Was über Zunft, Rats, Peters, Maximilians oder Dom zu sagen wäre? Es kommt immer drauf an, liebe Leute, wo man ist und was man kriegt. Und statt das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen, geht man es besser gleich von oben her an: Gib Früh oder Mühlen, Päffgen oder Reissdorf ins Glas, denn die Vier können was! Und sinnvoller Weise sollte es immer zwischendurch ein Wasser sein, um das Bier nicht gegen den Durst zu trinken. Zudem ist auf frische Luft statt auf Glimmstengel geschwängerte Luft zu achten, dann sind Kopfschmerzen selbst mit mehreren Litern Kölsch (über den Tag verteilt) kein Thema.

Dennoch zum Alt, das manchem schon allein wegen seiner Schwebstoffe „eine dicke Rübe“ bereitet. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, (im Karneval) Alt zu trinken, sollte in jedem Falle eine längere Rekonvaleszenszeit eingeplant werden. Hastiges Trinken verbietet sich mit Alt noch mehr als mit Kölsch und es sollten Wasserpausen eingehalten werden. Zu den Sorten an sich, greife man zu den Bieren aus den kleinen Privatbrauereien, also zu Schlüssel, Füchschen, Schumacher oder Üriges, wobei das erste das mildeste, das letztgenannte das herbste ist. Frankenheim hat inzwischen von Fass zu Fass eine unterschiedliche Qualität und Schlösser oder Diebels leben mehr von ihrem einstigen Ruf. Düssel, bis zum zweiten Weltkrieg das Namensgebende Pendant zum Kölsch, ist mit Untergang der Hirschbrauerei als Tochter der Monheimer Brauerei vom Markt verschwunden. Darüber hinaus spielen das malzig, dunkle Wienges wie das hellere, süffige Gleumes nur in ihrer Herkunftsstadt Krefeld eine bescheidene Rolle.

Ein Wort zu Pilsener Bieren: „Abends Bit, morgens fit“ gilt noch immer uneingeschränkt. Zudem lässt sich über Krombacher und Veltins nichts Negatives sagen: Die Urteile reichen von genießbar bis lecker und beide sind unproblematisch. Warsteiner taucht in der Gastronomie hierzulande häufig gemeinsam mit Frankenheim auf. Meine Empfehlung: Nach Kölsch fragen, gegebenenfalls die Kneipe wechseln. In diesem Zusammenhang angemerkt, verwundert es nicht, dass manches Kölsch gegenüber manchem Pils in der Blindverkostung zu trumpfen vermag. Denn während die großen Vier aus der Domstadt tatsächlich geschmackliche Qualitäten aufweisen, taugt anderes nur dazu, einem Esel ins Ohr gekippt zu werden.

Bezüglich der Braun- und Schwarzbiere, die hier nur während Bierbörsen zur Verkostung gelangen, somit für die Karnevalszeit ohne Bedeutung sind, kommt der Autor dann im Spätsommer 2011 auf die Angelegenheit zurück. Bis dahin sei um Geduld gebeten, denn die Erinnerung an die Aromen der vorwiegend ostdeutschen und tschechischen Biere ist inzwischen zu schwach, um heute über deren Vorzüge zu philosophieren.

(Karnevalsfreitag nach Weiberfastnacht (mit Kölsch) im Jahre 2011)

 

« ältere Artikel | Neuere Artikel »