Kategorie: Kleine Burgenkunde

Von der Motte zum Schloss

schrieb am 26.04.2018 - Archäologisches, Kleine Burgenkunde, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Starker Titel – Von der Motte zum Schloss – doch was wurde geboten?

Unter dem Titel Von der Motte zum Schloss führte der Filmkreis der Stadt Langenfeld am 25.04.2018 im Flügelsaal des Kulturzentrums zwei Kurzfilme vor. Selbst für das übrige Publikum offenbar überraschend, wurde die Veranstaltung nach der Vorführung abrupt beendet, ohne nur eine einzige Rückfrage zuzulassen. Der mutmaßliche Grund dafür, so interpretiere ich zumindest den Gesichtsausdruck eines der drei Filmemacher: Man hatte den Ritter-Pitter im Publikum entdeckt. Schade… Am Rande notiert, kann ich mich noch daran erinnern, wie sich ein namhafter Lokalhistoriker vor Jahren an gleicher Stelle als „Mottenkönig von Langenfeld“ (?) oder so ähnlich, zu profilieren, trachtete (man kann auch sagen: entblödete). Hat das vielleicht mit einer „negativen Aura des Flügelsaals“ zu tun? Ich weiß es nicht. Doch zu den Vorträgen selbst:

Der Film zur Motte Schwanenmühle

Von der Motte zum Schloss

Die Motte Schwanenmühle, Vorgängerin von Graven

Der erste Film zur „Motte Schwanenmühle“ bot einige Aufnahmen der auf einem Erdhügel errichteten Turmhügelburg, bis auf die „Luftaufnahmen“ mir allesamt bekannt. Keine Angaben gab es zur mutmaßlichen Entstehungszeit. Die Motte (von frz. la motte, Erdklumpen) sei jedoch zu vermutend die Vorgängerin von Haus Graven gewesen. Sie sei zudem ein Beleg der frühesten Besiedelung im Raum Richrath / Wiescheid, wobei ein nicht aus Langenfeld stammender Besucher durchaus den Eindruck gewinnen konnte, Wiescheid läge mitten in Richrath. Hinzugegeben, wurden noch ein paar Bilder sowie einige Worte zur Ausgrabung an St. Martin, etwa zum ältesten dort gefundenen Knochen (796 nach Christus) und dessen Bedeutung, weiter zur Verbindung beider Stadtteile über hier herrschende Adelsgeschlechter, zuletzt noch einige knappe Worte zur ehemaligen Wassermühle Schwanenmühle, das war es.

Motte und früheste Besiedlung  

Von der Motte zum Schloss

Rest der Turmhügelburg „Dückeburg“

Meine Kritik: Wenn man schon auf die früheste Besiedlung in Langenfeld abhebt, hätte man zu den Funden am Rosendahlsberg ausführen und bei den Motten auf die Bevölkerungsstrukturen des Hochmittelalters eingehen müssen. Ich sage bewusst Motte(n) in der Mehrzahl, denn die Benennung weiterer Adelssitze in Langenfeld, zumindest die Erwähnung der Dückeburg, hätte man erwarten dürfen. In einem Vortrag über Motten als Vorläuferinnen von Wasserburgen, gehören in Langenfeld selbstredend Worte zum eingetragenen Bodendenkmal „Motte am Flachenhof“ und Scherbenfunde dort aus dem 12. Jahrhundert. Einziger, für mich ersichtlicher Grund, warum das unterblieb, ist die Nähe zur „Sage vom versunkenen Schloss“ (Link zum Buch bei Amazon), wobei man mir einmal im Rathaus erklärte, dass man vom dem Scheiß nichts hören will (O-Ton MAin). In diesem Fall hätte man es schlicht nicht dürfen, weil niemand etwas von mir hören darf, denn es handelte sich um einen Vortrag des städtischen Filmclubs, was dann bei meiner Anwesenheit auch den Rausschmiss am Filmende erklärt. Dennoch sei von mir ergänzend zum Thema vorgetragen, hätte man mit Langfort und einer möglichen Motte im Bereich des Karl-Schroeder-Hauses oder auch mit Widdauen und zur Aussagekraft mittelalterlicher Urkunden eine vollständigere Präsentation gestalten können. Einige Sätze zur Hangburg am Spürklenberg, zur Talburg am Kellerhansberg, zur Möckenburg, zur Virneburg oder Baron von Galeras Vermutungen zu einer Markgrafschaft (wie immer man das bewertet), wären mir darüber hinaus noch eingefallen. Ganz zu schweigen von der mittelalterlichen Weiternutzung der germanischen Ringwallanlage in Hapelrath sowie der Weiternutzung des mutmaßlichen römischen Sommerstandlagers in Immigrath. Nun denn, wenn man mich nicht fragen möchte und meine Überlegungen im Rathaus derart verhasst sind…

Der Film zur Wasserburg Haus Graven

Von der Motte zum Schloss

Die „neue“ Burg in Wiescheid: Haus Graven

Der zweite Film zur Wasserburg Haus Graven fiel deutlich gehaltvoller aus, wenn man denn ein dröger Urkundenhansel ist. Hier hätte jeder Historiker „Pipi in den Augen gehabt“, denn kein Landadeliger des hiesigen Raumes blieb unerwähnt. Allein, dass man bei den von der Pest dahingerafften Kindern der Grafen von „Weißnichtwie“ nicht alle Namen erwähnte… Es blieb in den Augen der Geschichtskundler sicher der einzige, dennoch mutmaßlich verzeihliche Fehler.

 

Von der Motte zum Schloss ??

Meine Kritik: Gewünscht hätte ich mir detailliertere Informationen zur Baugeschichte der Wasserburg, deren Grundrisspläne, Erkenntnisse aus der Forschung zur (untergegangenen) Hauptburg, Angaben zu den Gründen des Brandes während des dreißigjährigen Krieges und so weiter. Dass es sich bei Haus Graven um die mutmaßliche Nachfolgerin der Schwanenmühle handelte, wurde zwar erwähnt, die weitere Entwicklung von der Burg zum Schloss jedoch nicht beleuchtet. Die einzige Verbindung zwischen Motte und Schloss, die der Film herstellte, war, dass einer Herren von Velbrück gerne auf Schloss Garath lebte, obwohl er eigentlich von der Wasserburg stammte, deren Vorgängerin bekanntlich die Motte Schwanenmühle gewesen sein soll. Bei einem Vortrag Von der Motte zum Schloss hätte ich diesbezüglich mehr erwartet. Das fiel jedoch den meisten Zuschauern offenbar nicht auf, denn ein, nach mir den Raum verlassender Mann, lobte den Inhalt des zweiten Streifens, der ihm deutlich mehr Informationen geboten hätte als der Film zur Motte. Nah denn… Ich verkniff es mir, ihn abzufragen.

Gab es den Fluchttunnel von Haus Graven ?

schrieb am 21.03.2018 - Archäologisches, Kleine Burgenkunde, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Gab es den Fluchttunnel von Haus Graven oder knüpft die Sage an einen Erdstall an? Eine spannende Frage, die sich nur mithilfe der Archäologie lösen ließe.

Gab es den Fluchttunnel von Haus Graven ?

Die „neue“ Burg, Haus Graven

In meinem Buch „Die Sage(n) vom versunkenen Schloss“ berichte ich von einer mündlichen Überlieferung in Langenfeld, speziell im Stadtteil Wiescheid. Dort habe es einen Fluchttunnel von Haus Graven in die alte Burg gegeben. Mancher vermutet sogar, einen solchen Verbindungsgang zwischen den beiden dort befindlichen Burgen gäbe es noch heute. Dieses unterirdische Bauwerk soll jedenfalls nach Fertigstellung von Haus Graven noch längere Zeit Bestand gehabt haben, um die alte Motte als Fliehburg nutzen zu können.

Ist der Fluchttunnel bei Burg Villigst eine Parallele?

Zu dieser Thematik konnte ich bislang als mögliche Stütze der Theorie nur eine ähnliche Überlieferung für die Burg Villigst in Schwerte ins Feld führen. Zur ihrer Entstehungsgeschichte als Vorläuferin des Schlosses Haus Villigst wird im Internet (Burg Villigst) ausgeführt: Einst bildete eine wuchtige Turmhügelburg, eine sogenannte Hochmotte, das Kernwerk der Burg Villigst. Diese zählte zu den Größten ihrer Art in Westfalen. Die von der Bergseite her besonders gefährdete Lage der Vorburg könnte durch eine kleinen Ringwall mit Graben einen zusätzlichen Schutz erfahren haben. Dieser Ringwall soll früher durch einen unterirdischen Gang (Fluchttunnel?) mit dem Haus Villigst verbunden gewesen sein. Sogar Reste des Tunnels sollen sich vor einigen Jahren bei Tiefbauarbeiten gefunden haben. Märchen oder Realität?, fragt der Autor des Beitrags, man wisse es nicht.

Ich fand jetzt bei einer Recherche zum Thema Erdstallforschung eine neue Deutung zu einem Fluchttunnel von Haus Graven, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Erdställe fänden sich, wenn auch lückenhaft, so wird berichtet, von Ungarn über Österreich und Böhmen nach Bayern, zudem vom Rheinland über Frankreich bis nach Südengland und Irland. Dazu gäbe es Erdställe teils im Mittelmeerraum, besonders in Israel. Erdställe kämen in jedem geologischen Untergrund vor und verwiesen auf den historischen Bergbau. Ihre Verwendung und Bedeutung gäbe jedoch Rätsel auf. So habe das Fehlen von Belegen für eine erklärbare Verwendung der Erdställe eine Vielzahl von Sagen und darüber hinaus phantasiereiche Hypothesen angestoßen. Die einfachste Deutung als Versteck werde allerdings wegen der verwendeten Architektur abgelehnt. Diese Ablehnung habe im Nachgang zu der Überlegung geführt, dass die Erdställe Kultstätten gewesen sein könnten. Vieles deute nämlich darauf hin, dass diese nach ihrer Fertigstellung nicht genutzt wurden. Wenn allerdings, so konstatiert man, die mühsame Arbeit unter Tage nur zu einem rituellen Zweck diente, dann wäre die Anlage solcher Stollen von einer Symbolik, die wir heute nicht mehr verstehen würden.

Was sagt uns das hinsichtlich eines möglichen Fluchttunnels von Haus Graven hinein in die Motte Schwanenmühle?

Gab es einen Fluchttunnel von Haus Graven ?

Die Motte Schwanenmühle, Vorgängerin von Graven

Ich kannte bislang Erdställe nur aus TV-Berichten von solchen in Bayern und Österreich. Daher waren Erdställe für mich weit weg und nicht zur Sache gehörend. Jetzt lernte ich, dass ich daneben liege, denn es gab Erdställe offenbar ebenso im Rheinland. Diese wurden – wie alle anderen – in historischen Schriften zwar nirgends erwähnt, doch habe das, so die Forscher, nur dazu geführt, dass sich um die alten (oft mittelalterlichen) Stollen zahlreiche Sagen ranken. So berichten manche von unglaublich langen, unterirdischen Gängen, die Klöster, Burgen oder Schlösser untereinander verbanden. Doch anstelle einer Verbindung fände sich an dem überlieferten Ort dann nicht selten tatsächlich statt eines Ganges nur ein Erdstall. Ob wir also in Langenfeld eine unterirdische Verbindung oder einen Erdstall fänden oder uns am Ende doch nur die Sage um einen Tunnel bliebe, wissen wir ohne Grabungen nicht.

Allerdings könnten historische Interpretationen um eben jene Erdställe, so die Forscher, zumindest als immaterielle Funde zur Lösung der Rätsel beitragen. Und das wiederum, nämlich aus mündlichen Überlieferungen Geschichte zu erlesen oder zu rekonstruieren, schließt den Kreis über mündliche Berichte aus Langenfeld, insbesondere zu den „Sage(n) vom versunkenen Schloss“. Denn auch hier werden Sagen zur Deutung von Bodenzeichnungen im Moor und in den Sandbergen herangezogen.

Exkurs – Die Langenfelder Sagen, sieben an der Zahl

Zu nennen, wären (dunkelrot im neuer Browser) die beiden  Nacherzählungen der „Sage vom versunkenen Schloss“; zudem die Sage vom Weißenstein und vom „Gemarkenhund von Richrath„. Eine kleinere Überlieferungen ist die vom Möncherderweg (soll durch die Mönche bei der Klostergründung angelegt worden sein, vielleicht ursprünglich ein Mönch Heralder Weg?). Sodann wäre es der Bericht, dass die Klostergründung im Jahre 973/974 aufgegeben wurde, weil ein kaiserlicher Abgesandter in Langenfeld ermordet wurde und man das als böses Omen auffasste. Die Klostergründung wurde übrigens danach 975 in Mönchengladbach noch einmal vollzogen. Und als Letztes ist es die Sage vom Fluchttunnel zwischen Haus Graven und der Motte Schwanenmühle, die hier besprochen wird und die als mündliche Überlieferung zu nennen wäre.

Ritter-Pitter auf der Wewelsburg

schrieb am 08.10.2016 - Kleine Burgenkunde - Noch keine Kommentare

Die Wewelsburg

Deutschlands einzige Dreiecksburg – die Wewelsburg

Am 03.10.2016 nutzte der Autor die Gelegenheit, Deutschlands einzige Dreiecksburg zu besuchen. Man munkelt, sie habe für „Robbi-Tobbi und das Fliewatüüt“ Modell gestanden, obwohl es auch „Caerlaverock Castle“ gewesen sein könnte, weiß Wikipedia zu berichten. Nun möchte ich mich dazu nicht entscheiden müssen, die Burg jedenfalls ist sehenswert. Unten zwei Aufnahmen, eine von einem Schild zur Baugeschichte und eine von einer Luftaufnahme (letztere ist nicht von mir, weil mir das Fliewatüüt fehlte). Die Burg ist heute eine Jugendherberge mit angeschlossenem Kreismuseum. Der Abstecher lohnte und war überdies an einem ansonsten regnerischen Tag mit Sonnenschein bedacht. Tja Freunde, wenn Ritter reisen…

Tolles Bild von oben

Die Burg in der Draufsicht, quasi vom Fliewatüüt aus

Burg-Historie

Zur Geschichte der Burg