Kategorie: Nonsens

Pool, Pohl und Badeanstalt

schrieb am 16.06.2016 - Allgemein, Namen und Deutungen, Nonsens - Noch keine Kommentare

Ein nicht ganz ernst gemeinter Beitrag zum Wert von Sprache anhand von Wasserlöchern und deren Bezeichnung.

Letztens sprach mich wieder ein Freund der amerikanischen Trivialliteratur begeistert auf die Möglichkeiten des Englischen an. Was für tolle Worte es da gäbe. Die englische Sprache würde inzwischen sechzigtausend Hauptwörter kennen und das Deutsche nur zehntausend. Damit wären wir seit dem verlorenen Zweiten Weltkrieg sogar von sprachlicher Fortentwicklung total abgehängt worden. Man müsste nur in beliebige Prospekte schauen, um zu sehen, wie sich das Englische in unsere Sprache eingeschlichen hätte, wegen der viel genaueren Bezeichnung oder weil man Worte hätte, die wir gar nicht kennen würden. (Fällt mir „Handy“ ein. Ist sogar ein englisches Wort, dass noch nicht einmal die Engländer kennen.)

Doch zum Thema: Zunächst einmal war ich ratlos. was ihm darauf zu antworten wäre, weil ich mich auf sein Thema noch nie so recht eingelassen hatte. Um zunächst einmal seinen Vortrag für mich nachvollziehen zu können, angelte ich mir das nächste Revolverblättchen aus dem meinem Briefkasten und stöberte durch die Werbepostillen, die in reicher Zahl beigefügt waren. Darunter war eine solche von einem dieser Billig-Shops, die in den sterbenden Innenstädten wie Pilze aus dem Boden schießen. In dieser Reklamesendung gab es einen „Pool“ zum Planschen für die Kleinsten, einen „Pool“ für die Großen zum Selberbauen, dazu rutschfeste „Pool“-Steine (auch für in die Erde gelassene „Pools“), Reinigungsutensilien für „Pools“ sowie noch eine „Pool“-Dusche für alle „Pools“ im Prospekt.

Aha, dachte ich so bei mir, „Pool“ also kenne das Deutsche nicht? – Kann eigentlich nicht sein: Denn das englische „Pool“ entspricht doch nur dem deutschen „Pohl“, das leider etwas in Vergessenheit geraten ist. Damals bezeichnete es eine Art von Badeanstalt insbesondere für Enten und Gänse (erhalten in den Worten „Ganspohl“ oder „Entenpfuhl“). Manchmal wurde aus einem „Pohl“ nicht nur dann ein „Pfuhl“, wenn man Richtung Bergisches aufbrach, sondern auch wenn die Vogel-Badewanne etwas verdreckter war, jedenfalls bei uns. Und wenn nur noch Kinder oder Schweine darin badeten, nannte man es eine „Suhle“. Den im Prospekt erstgenannten „Pool“ jedenfalls kennt das Deutsche eigentlich als „Planschbecken“ und das zweite wie dritte stille Gewässer als „Schwimmbecken“. Bei Saunen spricht man zudem von „Tauchbecken“ und unter Sprungtürmen finden sich regelmäßig „Sprungbecken“. Alle zusammen können darüber hinaus in einer Badeanstalt vorkommen, zum Beisiel in einem Freibad oder auch in einem Hallenbad. Manchmal gibt es solche Pohle, wenn nicht als private Schwimmbecken auch in einem Kombibad, einem Erlebnisbad, einem Thermalbad oder einer Badelandschaft, je nach Art und Ausrichtung der Schwimmanstalt. Unterschieden werden kann zudem bei den verschiedenen „Pohlen“ nach dem Wasser, welches in die Becken kommt. So befüllt man private wie öffentliche Schwimmeinrichtungen meistens mit Leitungswasser, manchmal stattdessen aber auch mit Meerwasser (in einem „Meerwasserbad“). Wir finden Schwimmgelegenheiten aber auch in Seewasser, Grundwasser, Bachwasser, Flusswasser (Badeteich, Badeweiher, Flusswasserbad), seltener natürlich in Abwasser. In Letzterem badet man hierzulande eher unfreiwillig. Ein Gesundheitsbad befüllt man überdies häufig mit Thermalwasser (so die Reklame), ein Familienbad mit Kinderpipi (so einschlägige Verbraucherschutzsendungen im TV) oder ein Erlebnisbad mit den Blut-Schlieren abgestochener Schauspieler (bekannt aus deutschen Krimis). All das fasst man im Englischen offenbar unter nur einem Wort, nämlich „Pool“ zusammen, womöglich weil die Engländer nicht so sauber sind und deswegen gar nicht unterscheiden müssen.

Was nun lernen wir aus der Betrachtung des Wortes „Pool“? Zeigt sich darin bereits, dass das Deutsche genauer ist? Selbstredend reicht dazu die stille Gewässerkunde nicht aus. Deswegen besah ich mir vor dem Hintergrund der Begriffsvielfalt noch die Computer-Sprache, das Fach-Chinesisch der Volks- und Betriebswirte sowie die Botschaften der Reklamewelt und stelle fest: Dem Deutschen nicht unbekannt, doch in weit größerem Maße bedient man sich im Englischen ebenfalls mit Anleihen aus anderen Sprachen und verengländischt diese. Tatsächlich ist das Englische nämlich gar nicht weit umfangreicher als das Deutsche. Nur ist man in Deutschland (als bewusster Sprachnutzer) auf solche Verhunzungen weit weniger stolz, so etwa das bereits erwähnte „Handy“ oder auch auf das rheinische „Basseng“, welches auf das französische „Bassin“ zurückgeht. Letzteres bedeutet übrigens „Pool“ auf Französisch.

Sind wir also deswegen um unserer Sprache willen „froh“, dass unser Deutsch – nicht mehr – als Sprache der Welt herzuhalten hat. Denn das Englische hat seit dem Krieg als die von allen benutzte „Weltsprache“ an Exaktheit, Prägnanz und damit an Wert eingebüßt. Das neue internationale Verständigungsmittel wird heutzutage aufgerieben zwischen Wissenschaften, Werbe-Fuzzis, Computer-Freaks und Sprach-Hools, die inzwischen jeden Begriff, auch wegen der Begrenztheit des Englischen, verdrehen und diesen in immer neuen Kombinationen verwenden müssen. So jedenfalls wird nach meinem Dafürhalten eine Sprache eher verballhornt und entwertet, als dass diese durch eine ausufernde Begrifflichkeit aufgewertet würde.

Hennes im Kreisverkehr

schrieb am 12.09.2013 - Allgemein, Nonsens - Noch keine Kommentare

Kreisverkehr mit Hennes

Hennes im Kreisverkehr

Manch einer vermutete bereits, dass dem inzwischen eingeschläferten FC-Maskottchen Hennes VII im Kreisverkehr an der Metzmacherstraße / Talstraße ein Denkmal gesetzt wurde, weil fast alle FC-Abstiege aus der Bundesliga in seine Ära fallen. Andere vermuteten gar, hier würde an Hennes II erinnert, um den Schmerz um die Vergiftung des Vereinssymbols – so glaubten es damals eingefleischte FC-Fans – durch die verfeindeten Anhänger von Borussia Mönchengladbach wach zu halten. Wieder andere erinnerten daran, dass mancherorts der Teufel im Geißbock gesehen werde (vergleiche das Bild), wie etwa im Falle der Schwarzwald-Gemeinde Bad Teinach-Zavelstein und betrachteten das Abbild bislang mit dem größten Argwohn. Und noch andere hielten, wie im Falle der Teufelsbrücke in der Schweiz über die Schöllenenschlucht, einen Triumph über den Teufel für die wahre Ursache dieses obskuren „Denkmals“.

Nichts von alledem ist wahr, liebe Leser. Dennoch verkörpert der Geißbock, wie es die Seitenansicht schon vermuten lässt, den Teufel, allerdings nicht die Personifizierung des Zweifels, sondern den „Bösen Menschen“ schlechthin. Er steht deshalb im Kreisverkehr, weil dort der Hucklenbruch beginnt, der in der frühen Neuzeit Schauplatz einer traurigen Geschichte wurde. Denn dort wurde eine wohl Unschuldige, eine Adelige(?), offenbar als Hexe aufgegriffen und zu vermutend auf dem Galgenplatz „Am Galhaus(en)er Bach“ enthauptet. Ihr Schädel wurde hernach an der heutigen B 8 angenagelt zur Schau gestellt (der so genannte „Genagelte Schädel aus Langenfeld„), bevor er an Ort und Stelle verscharrt wurde. Vor diesem Hinterrund warnt der Geißbock auf dem Rondell heutzutage jeden, der sich auf dem einstigen Mauspfad befindet, dass er auf dem Hucklenbruch seinen Kopf verlieren kann. Überdies sollte jeder weiblichen Person auf dem Weg nach Köln bewusst sein, in welche Gefahr sie sich begibt. Man muss nämlich keine Engländerin sein, um zusammen mit elftausend anderen Jungfrauen im Gebeinhaus der Kölner Kirche St. Ursula zu landen (Nähe Bahnhof und gegenüber dem Brauhaus „Zur Schreckenskammer“).

Und sollte der Geißbock andererseits – dies völlig wider Erwarten – dennoch auf das FC-Maskottchen und damit auf aktuell den Bock Hennes VIII verweisen, mag der Hennes als Maskottchen dem Verein genau so viel Glück bescheren wie sein unmittelbarer Vorgänger.

 

Feedback zur Kirmes 2013

schrieb am 08.09.2013 - Allgemein, Nonsens, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Liebe Kirmesjonge,

Eure Schürreskarren-Rennen 2013 waren wieder erste Sahne. Nur in Stichworten: Vater (im Großvateralter) schlägt seinen Sohn (im guten Mannesalter) im Rennen allein durch Routine. Insgesamt 4 spannende Vorläufe und ein geiles Finale, daneben ein Altherrenlauf, wieder einmal ein Jugendlauf, drei spannende Kettcar-Rennen, ein Kettcar-Rennen nur mit Mädels sowie ein Schürreskarr-Rennen nur mit Mädels, drei Gästerennen und vier „Unfälle“ haben eine unglaubliche Dynamik erkennen lassen. Selbst wenn heute wegen des miesen Wetters nur wenige in die Baumberger Straße kamen, in den gut 15 Jahren, die ich nach Berches komme, war das ein Besuch, der mir lange in Erinnerung bleiben wird. Leider hatte ich Eure Kirmes viel zu lange „nicht auf dem Schirm“, kenne zwar noch die Treibstraße aber die Sandbahnrennen allein aus Erzählungen. Darüber könnte ich mir heute in den Hintern beißen. Deswegen schreibe ich jedoch nicht.

Startvorbereitungen

Vor dem Start das Kölsch herabgespült und dann geht’s los.

Wenn es auch so schön war wie schon lange nicht mehr, meine ich, eine Unregelmäßigkeit melden zu müssen. Wenn ich das richtig beobachtet habe, wurde Achim im dritten Gästelauf zunächst der Start vorgegaukelt, worauf er sein Bier austrank und loslief. Dann hat man ihm einen Frühstart vorgehalten, sodass er gleich noch ein zweites Bier hinterher kippen musste. Das hat ihn natürlich zurückgeworfen, weshalb er das Rennen dann auch nicht gewinnen konnte. Durch eine „peinliche Befragung“ mittels Kölsch und „intravenöser Zugabe“ von härteren Drogen wird man bei seinen Mitläufern die Wahrheit ans Licht bringen können. Höchst vorsorglich: Ich lasse mir nicht entgegenhalten, dass ich wegen der Aufregung bei den Rennen wenigstens bei jedem zweiten ein Kölsch getrunken habe. Das mit Achim habe ich mal ganz genau mitbekommen. Deshalb, so meine ich, müssten seine Mitläufer disqualifiziert werden oder aber Achim nächstes Jahr eine neue Chance bekommen.

Wie dem auch sei, in jedem Fall Grüße aus Immigrath und eine restliche schöne Kirmes wünscht Euch  – der Ritter Pitter vom versunkenen Schloss.

Geschichtliches zum Karneval / Hahnenparade

schrieb am 11.09.2011 - Allgemein, Nonsens, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus…

Brigitte Förster und Heinrich Klassen von der KG Postalia werden als Prinzessin Brigitte I und Prinz Heinrich I das Narrenvolk in die Session 2011/12 führen. Das berichtet die Wochenpost in der Ausgabe vom 5.7.2011 mit Hinweis auf ungewöhnlich gut informierte karnevalistische Kreise. Da mutmaßlich vor genau 100 Jahren der erste Karnevalszug durch Langenfeld ging, organisiert übrigens von den Aehnse Käls, aufgegangen in der KG Spießratzen 1952, ist der Entscheid für die beiden von historischer Tragweite. Nimmt man dagegen die offizielle karnevalistische Position aufgrund des nachgewiesenen ersten närrischen Lindwurms 1913 als die Geburtsstunde närrischer Straßenumzüge in Langenfeld an, so regieren die beiden das Narrenvolk immerhin im 99. Jahr (!) nach dem ersten Rosenmontagszug. Wie dem auch sei, entbieten wir den beiden unseren karnevalistischen Gruß mit einem dreifachen „Trari-Trara“ – „Postalia“, „Rösroth“ – „Alaaf“ und „Langenfeld“ – „Helau“. Freuen wir uns auf eine rattenscharfe Session mit Prinzessin Brigitte sowie unserem karnevalistischen Nordlicht, Prinz Hein.

… und das gemeine karnevalistische Volk ??

Hat schon mal am 8.7.2011 „trocken“ mit einer Hahnenparade anlässlich des portugisischen Jahres üben können. 65 bemalte Hähne von 2,10 Meter Höhe und 90 Ein-Meter-Hähne zeigte die Parade ohne Kamelle und Strüssjer auf der Haupt- und Solinger Straße. Hahnenparadeplatz war der Parkplatz vor der Hauptstelle der Stadtsparkasse. Gedacht wurde übrigens dem Wappenvogel Portugals, dem „Galo de Barcelo“. Dazu die Geschichte, die der Wochenanzeiger mit Ausgabe vom 8.7.2011 erzählte:
Ein des Silberdiebstahls Beschuldigter verlangte vor der Hinrichtung noch einmal den Richter zu sprechen. Dieser aß gerade einen gebratenen Hahn, als ihm der Verurteilte eröffnete, dieser Hahn würde während der Hinrichtung zum Zeichen seiner Unschuld vom Teller hüpfen und zu krähen beginnen. Tatsächlich geschah es, dass der (gebratene) Hahn während der Hinrichtung zu krähen begann. Da eilte der Richter zum Richtplatz, um die Hinrichtung zu stoppen. Doch ohne jemandes Zutun hatte sich dort die Schlinge um den Hals des Verurteilten von selbst gelöst.
Eine schöne Geschichte und eine insgesamt interessante Veranstaltung. Allerdings trübten lauwarmes Früh aus Plastikbechern und abgezählt kaltes Sagres aus der Flasche die Freude bei diesem mutmaßlich einmaligen „Event“ (Das Wort „iwent“ ist neudeutsch für Veranstaltung).

Ein Ausblick auf die Session 2012/13

In der Session 2012/13 werden die Langenfelder Karnevalisten ihres ersten Karnevalszuges vor rund 100 Jahren gedenken. Dank meiner Erinnerung geht das denkwürdige Ereignis nicht unter. Tatsächlich könnte sich der Zug übrigens schon zum 101ten Male jähren, denn der Zeitungsbericht aus dem Jahre 1913 spricht von einer (wenigstens) zweiten Veranstaltung der Karnevalsgesellschaft „Aehnse Käls“ auf dem Hucklenbruch. Damit wird ein erster Umzug am Rosenmontag des Jahres 1911 oder 1912 wahrscheinlich. Wegen einer möglichen Pause damals ist es natürlich nachvollziehbar, dass das Ereignis erst (deshalb ganz sicher mit dem Zeitungsartikel aus 1913) dann im Jahre 2013 entsprechend gefeiert wird.
Allerdings läge mit dieser Überlegung soeben die 99. Wiederkehr dieses Ereignisses vor uns, ohne dass der närrischen „99“ gedacht würde (obwohl Brigitte und Hein gemeinsam 111 Jahre alt sind und am 11.11.11 inthronisiert wurden). Aber wat soll’et? Der Karneval wird nachweislich in Langenfeld bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gefeiert, selbst wenn die Stadt als Ganzes nicht eben zu einer seiner Hochburgen gerechnet wird. Vielleicht liegt es am Altbier/Kölsch-Äquator, der auf die alten Dekanatsgrenzen (Norden und Mitte: Neuss, Süden: Deutz) zurückgeht, dass hier das gemeinsame Feiern aller Stadtteile noch immer etwas schwer zu fallen scheint. Auf einen solchen tiefen Grund würden im Übrigen auch die Veedelszüge in Berches und seit 6 Jahren in Reusrath, dort der Lichterzug, verweisen.
Egal! Erst einmal Hein und Brigitte alles Gute für die Session 2011/12. Zudem viel Erfolg den beiden mit ihrer Karnevalshymne, die Hein bereits auf dem Gänsemarkt mit wunderbarer Stimme zum Besten gab, und uns allen viel Spaß in der Session mit Alaaf und Helau.

(Nachtrag 2013: Es gab keine Feier. Auch die Karnevalisten haben ihre Geschichte vergessen)

Alt oder Kölsch im Karneval

schrieb am 01.03.2011 - Allgemein, Nonsens, Privates - Noch keine Kommentare

Qual der Wahl oder gibt es Argumente für und gegen eines der Biere?

Als Bewohner eines Städtchens zwischen Köln und Düsseldorf (oder umgekehrt) kennt man Alt und Kölsch zur Genüge, schließlich führen Ausflugs- und Einkaufswege nicht selten noch in eines der Brauhäuser der Nachbarstädte. Um den grundsätzlichen Entscheid vorweg zu nehmen: Alt ist herber und enthält mehr Bitterstoffe (gut für die Verdauung). Dazu ist es besser geeignet für das Durchspülen der Nieren. Kölsch ist von wässerigerer Konsistenz (der eine oder andere spricht abwertend von Maurerpisse), kann aber gegenüber Alt in größerer Menge problemlos vom Körper verkraftet werden. Und – sofern man zu einem „guten“ Kölsch greift – bereitet es keine Kopfschmerzen. Also lautet die Wahl: Trinke besser „KÖLSCH“ im Karneval. (An dieser Stelle mag über Selbstverständliches wie ein gutes Frühstück, Essen zwischendurch, keinen Schnaps und ein wenig Selbstdisziplin nicht gesprochen werden.)

Was aber ist ein „gutes“ Kölsch? Der Bier- und Ortskundige vertraut hier auf die alte Faustformel: Kein Kölsch mit „S“ am Anfang. Also kein Sion, Sester oder Sünner, denn das sind Biere ausschließlich für Kölschgewohnte Kölner, vorsichtig formuliert. Ausdrücklich auszunehmen von dieser Regel ist das ohnehin seltene Schreckenskammer, fängt ja auch mit „Sch“ an. Leverkusener stellen oft eine Regel über „G“ auf, also Ganser, Gaffel oder Gereons, doch schießt hier der Unmut über das eigene „Ganser“ übers Ziel hinaus. Zugegeben kann man mit Ganser sicher gut die Haare kuren oder sich die Füße waschen, aber Gaffel oder Gereons sind noch genießbar und mit Garde steht zudem ein ordentliches Kölsch am Start. Was über Zunft, Rats, Peters, Maximilians oder Dom zu sagen wäre? Es kommt immer drauf an, liebe Leute, wo man ist und was man kriegt. Und statt das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen, geht man es besser gleich von oben her an: Gib Früh oder Mühlen, Päffgen oder Reissdorf ins Glas, denn die Vier können was! Und sinnvoller Weise sollte es immer zwischendurch ein Wasser sein, um das Bier nicht gegen den Durst zu trinken. Zudem ist auf frische Luft statt auf Glimmstengel geschwängerte Luft zu achten, dann sind Kopfschmerzen selbst mit mehreren Litern Kölsch (über den Tag verteilt) kein Thema.

Dennoch zum Alt, das manchem schon allein wegen seiner Schwebstoffe „eine dicke Rübe“ bereitet. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, (im Karneval) Alt zu trinken, sollte in jedem Falle eine längere Rekonvaleszenszeit eingeplant werden. Hastiges Trinken verbietet sich mit Alt noch mehr als mit Kölsch und es sollten Wasserpausen eingehalten werden. Zu den Sorten an sich, greife man zu den Bieren aus den kleinen Privatbrauereien, also zu Schlüssel, Füchschen, Schumacher oder Üriges, wobei das erste das mildeste, das letztgenannte das herbste ist. Frankenheim hat inzwischen von Fass zu Fass eine unterschiedliche Qualität und Schlösser oder Diebels leben mehr von ihrem einstigen Ruf. Düssel, bis zum zweiten Weltkrieg das Namensgebende Pendant zum Kölsch, ist mit Untergang der Hirschbrauerei als Tochter der Monheimer Brauerei vom Markt verschwunden. Darüber hinaus spielen das malzig, dunkle Wienges wie das hellere, süffige Gleumes nur in ihrer Herkunftsstadt Krefeld eine bescheidene Rolle.

Ein Wort zu Pilsener Bieren: „Abends Bit, morgens fit“ gilt noch immer uneingeschränkt. Zudem lässt sich über Krombacher und Veltins nichts Negatives sagen: Die Urteile reichen von genießbar bis lecker und beide sind unproblematisch. Warsteiner taucht in der Gastronomie hierzulande häufig gemeinsam mit Frankenheim auf. Meine Empfehlung: Nach Kölsch fragen, gegebenenfalls die Kneipe wechseln. In diesem Zusammenhang angemerkt, verwundert es nicht, dass manches Kölsch gegenüber manchem Pils in der Blindverkostung zu trumpfen vermag. Denn während die großen Vier aus der Domstadt tatsächlich geschmackliche Qualitäten aufweisen, taugt anderes nur dazu, einem Esel ins Ohr gekippt zu werden.

Bezüglich der Braun- und Schwarzbiere, die hier nur während Bierbörsen zur Verkostung gelangen, somit für die Karnevalszeit ohne Bedeutung sind, kommt der Autor dann im Spätsommer 2011 auf die Angelegenheit zurück. Bis dahin sei um Geduld gebeten, denn die Erinnerung an die Aromen der vorwiegend ostdeutschen und tschechischen Biere ist inzwischen zu schwach, um heute über deren Vorzüge zu philosophieren.

(Karnevalsfreitag nach Weiberfastnacht (mit Kölsch) im Jahre 2011)

 

Zeitleichen – Vom täglichen S 6 – Wahnsinn

schrieb am 01.07.2010 - Allgemein, Nonsens, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Täglich pendeln etwa 800-1000 Fahrgäste in der Hauptverkehrszeit pro S-Bahn nach Düsseldorf, macht bei 15-20 Bahnen 15.000 Leute. Nach Langenfeld und in Richtung Köln sind es knapp halb so viele, also 7000 Leute. Jeder verliert pro Woche durch verspätete S-Bahnen etwa eine halbe Stunde, durch verpasste Anschlüsse noch einmal eine halbe Stunde, macht 22.000 Stunden insgesamt. Im Monat sind das gerundet 90.000 Stunden und bei 45 Wochen Arbeit pro Jahr 4 Millionen und 50.000 Stunden. Ergibt zusammen 168.750 Tage oder 462, 3 Jahre. Bei einer Lebenserwartung von 75-80 Jahren liegen somit pro Jahr nicht nur 2-3 Leichen unter den Zügen, sondern noch einmal 6 „Zeitleichen“ im Zug. Wohl gemerkt: In nur einem Jahr nur auf der Linie S 6 ohne Streiks, Personenunfälle, Oberleitungsschäden, Gleisbauarbeiten usw.

Berghausen – Wo ist der Berg?

schrieb am 01.01.2009 - Namen und Deutungen, Nonsens, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Die Ortsnamenskunde vermutet die Besiedlung des Langenfelder Stadtgebietes – nach einer Entvölkerung zur Römerzeit und bis in das frühe Mittelalter hinein – eher in das Hochmittelalter. Selbstverständlich war das Gebiet dennoch nicht völlig verwaist, zum einen gab es Durchreisende und zum anderen werden hier und da Menschen gelebt haben, sicherlich eher versteckt denn in ausgewiesenen Weilern. Deshalb datiert man die Entstehung des Dorfes Berghausen, mangels schriftlicher Aufzeichnungen sowie auch mangels entsprechender Funde in das 9. und 10. nachchristliche Jahrhundert. Erste urkundliche Erwähnung fanden Höfe in Berghausen erst in den Jahren 1218 und 1231, so Rolf Müller in seiner Stadtgeschichte.
Rudy Schörmann weist dagegen in seinem Werk „Berghausen“ darauf hin, dass bereits im 2. nachchristlichen Jahrhundert germanische Tenkterer in das schwach besiedelte rechtrheinische Gebiet nachrückten, nachdem die ursprünglich hier beheimateten Sugambrer in das linksrheinische römische Reichsgebiet gelockt worden seien. Demzufolge also hätte es hier eine doch fast ununterbrochene, wenn auch teils sehr schwache Besiedlung – zieht man Funde aus Feldhausen und Reusrath heran – seit der Steinzeit gegeben. Raubzüge der Hunnen und Normannen werden allerdings wegen der geringen Bevölkerungszahl für den hiesigen Raum keine großen Auswirkungen gehabt haben, resümiert er. Schörmann berichtet weiter von der Rheinüberquerung der Hunnen nach Westen, zwei Jahre vor Attilas Tod im Jahre 451, die sich durchaus in einiger Nähe ereignet haben könnte. Gleiches hält er zum Zug der Nibelungen, Jahre später in der umgekehrten Richtung, für möglich. Soweit zur Frühgeschichte.
Relativ kritiklos nehmen es beide Autoren hin, dass durch die Ortsnamenskunde Berghausen als ein Hausen am Berg gedeutet wird, obwohl zumindest Schörmann darauf verweist, dass es in Berghausen eigentlich keinen Berg gebe. Zwischen höchster und niedrigster Stelle lägen nämlich gerade einmal stolze 8,90 Meter. Manchmal sei mit Berg aber auch nur die Geborgenheit gebende Behausung (die eigene Burg sozusagen) bezeichnet worden, die hier mit zu der Namensgebung beigetragen haben könnte. Zudem weist er darauf hin, dass sich auf einer Karte von 1828 für den Bereich des heutigen Aldi-Zentrallagers die Bezeichnung „Auf dem Berg“ fände und ja auch von einer gewissen Anhöhe gesprochen werden könne.
Nun möchte ich den vorgenannten Herren nicht ernsthaft widersprechen, möchte aber dennoch darauf hinweisen dürfen, dass mich die germanische Siedlungsgeschichte sowie der Straßenname „Im Schneeloch“ zu einer ganz anderen Interpretation verleitet haben. Mit „Berchta“ oder „Perchta“ bezeichnet werde, so der Brockhaus, in Oberdeutschland und im Alpenraum eine mythische Gestalt, die mit Frau Holle gleichgesetzt werde. Sie führe insbesondere in den Raunächten um die Jahreswende herum eine Schar dämonischer Wesen an, besonders in der Nacht vor dem Dreikönigstag (5.1.). Entweder Perchta zur Ehre oder eher um die Dämonen zu vertreiben, werden zudem Perchtenläufe veranstaltet, die an Fasenachts-Umzüge erinnerten.
Gesetzt den (allerdings schon wegen der Lage im mittleren Westen Deutschlands eher unwahrscheinlichen) Fall, dass sich in Berghausen wegen des Schneelochs eine Erinnerung an altgermanische Mythen erhalten haben sollte, hätte sich mit „Berches“ (wie der Ort bei den Einheimischen heißt) vielleicht doch ein Rudiment eines alten germanischen Namens erhalten. Dann wäre Berghausen aus einer sprachlichen Anpassung heraus erwachsen, nämlich über Berchta-Hausen, Berchthausen, Berchhausen zu schließlich Berghausen. (Wobei natürlich die ursprüngliche Endung dann aber wohl kein -hausen gewesen sein kann, denn die ist hochmittelalterlichen Ursprungs.) Aber wie gesagt, außer dem Schneeloch, das in einer ansonsten schneelosen Landschaft herausgeragt haben wird, gibt es für diese Ableitung des Namens keinerlei Hinweise. Und die scherzhafte Umschreibung des Dorfes mit „Berches im Jaden“, also Berches im Garten, dürfte späteren Datums sein. Sie wird auch lediglich zufällig angelehnt sein an das dann aber tatsächlich auf Berchta verweisende Berchtesgaden. Überdies ist das Schürreskarrennen kein Perchtenlauf, sondern eine Adaption einer Veranstaltung aus Bürrig, obwohl die Läufer vollständig in Weiß gekleidet sind und damit natürlich „der Geist des Ortes“ die Berghausener zum Abhalten ihrer inzwischen weithin besonderen Kirmes bewegt haben könnte.   [01.Januar 2009]

Hitdorf zu Langenfeld / Freier Rheinzugang für alle Rheinländer

schrieb am 10.08.2008 - Allgemein, Nonsens - Noch keine Kommentare

Anlässlich von Radtouren zum Rhein wird seitens der Langenfelder immer wieder der freie Zugang der Stadt zum Rhein eingefordert. In aller Regel tauchen zur Durchsetzung dieses Ziels dann etwa Gedankenspiele auf, Monheim einzuebnen und in einen Hafen für Langenfeld zu verwandeln. Unabhängig von moralischen Bedenken so zu verfahren, wird bei solchen Vorschlägen trotz der Bonität Langenfelds und der maroden Finanzlage Monheims jedoch unsere Wirtschaftskraft weit überschätzt.
Weitaus sinnvoller dagegen wäre die Ausgemeindung Hitdorfs aus Leverkusen, das ohnehin mangels Masse dem schönsten Stromabschnitt zwischen Amsterdam und Königswinter nur ein Stiefmütterchendasein zumuten kann, verbunden natürlich mit der nachfolgenden Eingemeindung Hitdorfs zu Langenfeld. Betrachtet man sich hierzu den Verlauf der B 229, der alten Fernhandelsstrasse vom Hitdorfer Hafen über Langenfeld ins Bergische, erhielte eine solche Verbindung Hitdorfs nach Langenfeld eine schon Jahrhunderte währende, geschichtliche Dimension. Nehmen wir den Langenfelder Ortsteil Neurath mit hinzu (siehe Widdauen), offenbar erstmals urkundlich im Jahre 904 erwähnt und an der Stadtgrenze zu Hitdorf gelegen, bekäme diese Verbindung auch noch eine enge räumliche Dimension. Es sind ja von Neurath bis zum Rhein nur gut zwei Kilometer. Darüber hinaus war und ist Hitdorf schon immer über die Langenfelder Vorwahlnummer zu erreichen gewesen, sodass überdies noch eine fernmeldehistorische Dimension dazukäme, nicht zu unterschätzen in einer Stadt wie Langenfeld mit Traditionspaar „Postillion und Christel von der Post“.
Sprechen wir jetzt noch über unsere Gefühle: Welcher Langenfelder liebte nicht den Rhein, dazu den schönsten Stromabschnitt zwischen Amsterdam und Königswinter? Und welcher Hitdorfer käme nicht gerne zum Bummeln nach Langenfeld, sodass zu guter letzt auch noch Liebe hinzuträte. Was also hält Euch noch in dieser tristen Malocherstadt, in Leverkusen, liebe Hitdorfer, das schon Opladen gegen die Wand gefahren hat?
Und noch eins: Hand aufs Herz liebe Hitdorfer – den einen oder anderen EURO aus Langenfeld zur weiteren Verschönerung Eures Ortsteils nähmt Ihr doch auch gerne entgegen? In diesem Zusammenhang fällt mir im Übrigen als Erstes die „Fritz Middelanis“ ein (wohl nach einem Leverkusener Architekten benannt), dieser stinkende, alte Dieseldampfer nach Langel, schon längst in die Jahre gekommen, er wäre doch eher als Restaurantschiff im Hafen eine Attraktion. Hitdorf braucht auch eine neue Fähre, eine solche wie die zwischen Kaiserswerth und Meerbusch-Langst, eine solche, die auch das Gütesiegel „Schnellfähre“ verdient. Soll denn Euer Entrée in die Welt noch weitere fünfzig Jahre fahren? Einen Namen für eine neue Fähre hätte ich schon parat: „Hans Litterscheid“, über zwanzig Jahre Bürgermeister der Stadt Langenfeld und als Landtagsabgeordneter für beide Orte tätig. Er, der den Spagat zwischen Kommunalpolitik und hoher Landespolitik wie kein zweiter meisterte, wäre der richtige Namenspatron für diesen wichtigen Fährverbindungs-Brückenschlag ins linksrheinische Köln.
Lasst uns deshalb gemeinsam die Parole vortragen: „Fritz Middelanis“ war Gestern, „Hans Litterscheid“ ist Morgen!!“  [10. August 2008]