Kategorie: Regionalgeschichte

Wegestundenstein

schrieb am 03.09.2017 - Allgemein, Namen und Deutungen, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Als noch die Postkutsche durch Langenfeld rumpelte, vier Postlinien gab es übrigens einst, setzte man den Reisenden in gewissen Abständen je einen „Wegestundenstein“ zur Orientierung. Von Langenfeld nach Düsseldorf blieben 5 der Steine erhalten, die hier einmal vorgestellt sein sollen. Wie der geneigte Leser dann bemerken wird, nimmt man es – wieder einmal – in Langenfeld mit Geschichte nicht so genau.

1 Stunde noch bis Düsseldorf

Wegestundenstein an der Siegburger Straße

Die beiden Langenfelder Steine sind bekannt, weshalb ich mit dem ersten Wegestundenstein in Düsseldorf beginne. Er steht an der Siegburger Straße einen Steinwurf von der südlichen Düssel entfernt, die Wersten von Oberbilk und Eller trennt, auf dem Gelände der „Joseph-Beus-Gesamtschule.“ Der Wegestundenstein weist mit einer seiner vier Seiten zur Straße und verkündet dem Wanderer oder Reiter, dass er noch eine Wegstunde vor sich hat bis Düsseldorf.

Noch 2 Stunden bis Düsseldorf

Wegestundenstein an der Bonner Straße

Den zweiten Wegestundenstein finden wir auf der Bonner Straße an der Straßenbahnhaltestelle Am Trippelsberg.  Tatsächlich übrigens muss sich damals den „Tripplern“ dort eine minimale Erhöhung von 1-2 Metern über das ansonsten brettflache Geländeniveau gezeigt haben, die heute kaum mehr zu erahnen ist. Ansonsten wäre wohl niemand auf den Gedanken verfallen, in dem sanften Huckel einen Berg zu sehen. Dort liest der Vorbeikommende auf der Seite des Steins zur Straße, dass er noch zwei Stunden braucht bis Düsseldorf.

Noch drei Stunden bis Düsseldorf

Wegestundenstein an der Koblenzer Straße

Den dritten Wegestundenstein finden wir hinter Benrath, schon fast in Garath an der Koblenzer Straße, kurz vor der Kreuzung mit dem beliebten Second-Hand-Möbelhaus Troc. Dieser Stein zeigt zur Straßenseite die Information, dass es der Reisende noch drei Stunden bis Düsseldorf habe.

Nimmt man den ersten Wegestundenstein in Langenfeld dazu, der einst vor dem Probsthof, der ersten Postkutschenstation in Langenfeld stand, wissen wir, dass man von dort früher noch „vier Stunden bis Düsseldorf“ brauchte. Fährt man die Strecke heute in einer Stunde mit dem Fahrrad ab, sind es bei den durchschnittlichen 16  km/h jeweils 4 Kilometer zwischen jedem Stein. Bedeutet, dass die Leute früher 4 km die Stunde zurücklegten. Am Rande notiert, hier ein Link zu einer Ausarbeitung zu den einst pro Stunde zurückgelegten Entfernungen in Wikipedia.

Wegestundenstein ohne Funktion

Wegestundenstein vor dem Stadtmuseum

Dieser vorgenannte vierte Stein steht heute vor dem Stadtmuseum. Der fünfte und letzte Stein findet sich vor dem Schalenschneiderkotten im Volksgarten neben Haus Wagner. Dieser wurde umgesetzt und zeigt auf der Straßenseite 6,2 Stunden nach Duisburg, während die Angabe „5 Stunden nach Düsseldorf“ nach Süden gewendet ist. Man hat den Stein somit um 90 Grad versetzt wieder aufgestellt. Der Stein mit Angabe 4 Stunden steht ohnehin nur noch als bloße Zierde vor dem Stadtmuseum. So geht man in Langenfeld mit Geschichte um.

Falsch aufgestellter Wegestundenstein

Wegestundenstein im Volksgarten

Übrigens gibt es aktuell wieder einen Stein, der eine Kilometerangabe nach Düsseldorf trägt. Es handelt sich um den „Meilenstein“ des Bildhauers Hartmut Hegener, der hier bereits beschrieben wurde. Zwischen unseren beiden Wegestundensteinen zeigt er die Entfernung „18 km bis Düsseldorf“ an und bestätigt damit die Angaben auf den Wegestundensteinen. Ihr Link zum entsprechenden Blogartikel Meilenstein.

Meilenstein im Kreisverkehr

Kein Wegestundenstein, sondern Meilenstein mit Kilometerangaben

Meilenstein Nr. 3 in Langenfeld

schrieb am 16.07.2016 - Allgemein, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Am Freitag, dem 17.06.2016 (24 KW 2016) wurde der dritte ‚Meilenstein in Langenfeld’ per Leihvertrag der Öffentlichkeit übergeben. Hartmut Hegener, Steinmetz-Meister und Restaurator im Steinmetzhandwerk, dazu freischaffender Bildhauer und Mitglied der Künstlergruppe Falter (IG-KLM.de), hat ihn geschaffen. Doch nicht allein die örtliche Presse frohlockte über das neue Gesicht im östlichen Stadtteil Berghausen, auch den Bürgern gefällt die neue Stele am Treffpunkt alter Handelswege.

Meilenstein Nr. 3 in Langenfeld an B 8 und B 229

Hartmut Hegeners Skulptur im Kreisverkehr der B 8 / B 229

Unweit des Sensationsfundes über 2.000 Jahre alter Urnengefäße, die auf eine entsprechend lange Besiedlung des Stadtteiles hindeuten (lesen Sie dazu auch meine Beitrag in Wikipedia), reckt sich nun über knapp 5 Meter eine Sandsteinstele aus Anröchter Grünstein, gestaltet und poliert, in den Berghausener Himmel. Sie ist wiegt dreieinhalb Tonnen und entstand im Anschluss an einen Wettbewerb zur Gestaltung des Kreisverkehrs, den Hartmut Hegener für sich entscheiden konnte. Hegener knüpfte mit seinem Entwurf an die beiden historischen Meilensteine vor dem Stadtmuseuem und im Volksgarten an.

Der dritte Meilenstein in Langenfeld (neben den genannten beiden alten >Wegestundenstein/en<) zeigt auf seiner Nord- und Südseite den Schriftzug ‚Langenfeld’ und weist Durchreisenden auf einer der beiden Altstraßen, der via publica zwischen Köln und Düsseldorf, in welcher Stadt sie sich gerade befinden. Nach Osten zweigt übrigens die neue Verbindung auf die alte Handelsstraße Richtung Solingen ab, die am Rathaus auf ihre historische Route trifft. Diese ebenfalls alte Straße verband das Bergische mit dem Hitdorfer Hafen, einst Tor des Rheinischen, Vorbergischen und Bergischen zur Welt. Nach Westen entsteht eine neue Straße, die das jüngste Wohnquartier Berghausens zwischen ‚Düsseldorfer Straße’und ‚Blumenstraße’ erschließt. Es liegt zudem eingerahmt von bestehender Bebauung zwischen ‚Brandsackerstraße’ und ‚Treibstraße’.

Meilenstein Nr. 3 in Langenfeld mit km-Angaben

Die Westseite der Stele mit km-Angaben

Auf der Westseite des Meilensteins Nr. 3 in Langenfeld finden sich Kilometerangaben zu den wichtigen Partnerstädten. So sind es 356 km nach Senlis an der Oise in Frankreich, nordwestlich von Paris. Mit ihr unterhalten wir die älteste Städtepartnerschaft Langenfelds (Urkunden-Unterzeichnung war am 3. Mai 1969). Zweitwichtigste Partnerstadt ist seit dem 8. April 1994 Gostynin in Polen, welches laut Meilenstein 982 km von uns entfernt liegt. Die beiden übrigen dort gelisteten, teils partnerschaftlich, teils in Städtefreundschaft verbundenen Kommunen sind Montale in Italien in 1155 km und Ennis in Irland in 1450 km Entfernung. Auf der östlichen Seite finden sich weitere Angaben, etwa zu Köthen in Sachsen-Anhalt oder Kiriat Bialik in Israel. Nicht mehr gelistet wird Batangas City, eine 200.000 Einwohner zählende Stadt auf den Philippinen, mit der eine Partnerschaft bestand. Sie wurde einst für einen Wissenstransfer der Stadtverwaltung in punkto Kommunalarbeit nach dort aus der Taufe gehoben und ist inzwischen ob der immensen Entfernung eingestellt worden.

Der Schöpfer des 'Meilenstein Nr. 3 in Langenfeld'

Hartmut Hegeners Signatur am Fuß des Sockels

So könnte Langenfelds 3. Meilenstein zugleich ein zeitgeschichtliches Dokument sein für die 2016 bestehenden Beziehungen. Denn womöglich könnte es auch in Sachen Städtepartnerschaften und -freundschaften noch einigen Wechsel geben. Schließlich leben solche Zusammenschlüsse von den Menschen, die dafür arbeiten. So mag man hoffen, dass sich in Zukunft weiterhin bereite Menschen finden, diese Freundschaften und Partnerschaften zu hegen und zu pflegen. Womit erneut der Bogen geschlagen wäre zur Skulptur des Hartmut Hegener (versteht offenbar etwas vom ‚Hegen’?). Denn die Stele soll zugleich ein Synonym sein für Verbindung und dies an Straßen, die über die Region hinaus Menschen zusammenbringen.

Zufallsfunde?

schrieb am 06.03.2016 - Allgemein, Archäologisches, Namen und Deutungen, Privates, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - 2 Kommentare

Die „Rheinische Post“ berichtete am 30.Januar 2016 von einem Sensationsfund, den man auf der Baustelle zwischen „Blumenstraße“ und „Düsseldorfer Straße“ gemacht habe. Archäologen fanden nach Hinweis durch den ehrenamtlich in der Denkmalpflege tätigen Ratsherrn „Andreas Krömer“ Urnenteile und Scherben aus einem circa 2500 Jahre alten Gräberfeld. Vergegenwärtigt man sich, dass bereits „Philipp Wyrich“ hinsichtlich der Straßen in unserem Gebiet den Begriff „bäuerlicher Totenstraßen“ prägte, darf nun aufgrund des Fundes an der heutigen B 8 auch bei dieser Straße von einer echten Altstraße ausgegangen werden. Diese wird dann womöglich ähnlich früh bestanden haben, wie der Mauspfad, eine bekanntere Altstraße, die über den „Rosendahlsberg“, „Schnepprath“, „Kämpe“, „Hagelkreuz“, „Talstraße“, „Ganspohl“, „Richrather Straße“ und „Hildener Straße“ nach Hilden und dort als „Butenweg“ weiter zum „Hellweg“ in „Duisburg“ führte.

Zur „Bundesstraße 8“, der ehemaligen „Via Publica“, die von Brüssel nach Prag verlief, führt die Online-Enzyklopädie Wikipedia aus: Die Volksstraße, spätere Poststraße und Handelsstraße wurde erstmals urkundlich im Jahre 839 in einem Diplom Kaiser Ludwig des Frommen erwähnt. Sie führte von Brüssel über Frankfurt und Würzburg nach Nürnberg und ist weitgehend identisch mit der heutigen B 8. Ganz offenbar muss es dennoch hinter Frankfurt auf einer Verlängerung von Süden nach Norden weiter stromabwärts in Richtung Köln und von da weiter zum Hellweg gegangen sein und dies bereits deutlich früher, als bislang angenommen. Denn ein 2500 Jahre altes Gräberfeld, in dessen Nähe zudem eine Siedlung vermutet wird, ist im Angesicht bäuerlicher Totenstraßen (damit die Seelen es einfacher hatten, nach Wallhall zu ziehen), deutliches Indiz für eine bereits 2500 Jahre währende Existenz dieser Straße. Zudem gibt es damit Hinweise auf eine Besiedlung Berghausens bereits vor eben 2500 Jahren und das bedeutet dann tatsächlich einen echten Sensationsfund. Das solche Funde scheinbar „zufällig“ anlässlich von Bodenarbeiten für ein neues Wohngebiet gemacht werden, allerdings ist traurig. Denn Begehungen der Äcker rund um die Stadt hätten längst gemacht werden können. Wer weiß, wieviele „Sensationsfunde“ hier mal eben abgeräumt und überbaut werden und schon wurden, wie etwa das Gräberfeld in Fischform in Richrath, die Reiterbestattung vom „Götscher Weg“ usw. Hier bewahrheitet sich wieder einmal die Einschätzung des ehemaligen Bürgermeisters Friedhelm Görgens (in Rheinische Post vom 25. Oktober 2005, „Hier liegt Urur…uroma“), dass Langenfeld leider eine geschichtslose Stadt sei.

Ihr „Klekih Petra“

(Nachtrag: Wenn Sie den nicht kennen, so hieß – verballhornt – der wohl aus Deutschland stammende Lehrmeister der Apachen in „Karl Mays“ „Winnetou I“, der mir seit meiner Kindheit immer wieder einmal durch den Kopf geht. „Klekih Petra“ erinnerte mich nämlich schon damals sogleich und deutlich an meinen Vornamen. Vielleicht gab es ja tatsächlich einen „Klaus-Peter“ in „Karl Mays“ Umgebung, der ihn zu der Person des buckligen Alten und dessen eigenwilliger Interpretation des Christentums inspirierte. – Natürlich, es interessiert Sie und mich nicht wirklich. Man mag jedoch erkennen, dass man nicht nur als Semiprofi für ein Bodendenkmalamt, sondern auch mit einer gehörigen Portion Phantasie gelegentlich etwas „zufällig“ entdecken kann. Insoweit fühlen Sie sich bitte ermuntert, auf eigene Entdeckungsreise zu gehen oder mit „Marcel Proust“ Ihnen Bekanntes einmal mit anderen Augen zu betrachten. Es gibt sicher noch viel zu entdecken.)

Die Möckenburg im Modell

schrieb am 17.05.2015 - Allgemein, Archäologisches, Namen und Deutungen, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare


Die Künstlergruppe Falter bot mir die Möglichkeit, in den Räumlichkeiten des Marktkarrees die Möckenburg im Modell („Das versunkene Schloss“) zu fertigen. Dazu habe ich die mutmaßlich ehemalige Motte erstmals vermessen können, weil die Fläche inzwischen aufgrund des teils über den alten Zugangswall geführten Wanderweges „Neandersteig“ vom Unterholz befreit wurde. Dabei stellte sich im Übrigen heraus, dass die Anlage weit weniger lang gestreckt ist, als ursprünglich beim Abschreiten zwischen den Bäumen hindurch, von mir vermutet wurde.

DieMöckenburg neu vermessen

Grundriss der vermuteten Möckenburg-Motte

Den nachfolgenden Text fertigte ich zur Erläuterung des Modells, an dem sich zugleich die von mir vermutete Untergangskatastrophe nachzeichnen lässt.

Erläuterungen zur „Möckenburg“, für den Autor das „Versunkene Schloss“

Grundsätzliches: Das Modell einer mittelalterlichen Turmhügelburg (in der Wissenschaft „Motte“ genannt) soll die Bauweise von Niederungsburgen im Flachland verdeutlichen. Solche Burgen gab es zwar bis hinein in den Alpenraum, dennoch sind diese eher typisch für unsere Landschaft. Insbesondere in Sumpfgebieten wurden solche Anlagen auf einer Packlage von Flechtreisigbündeln errichtet, die miteinander verbunden wurden. Die Burgen „schwam-men“ somit förmlich auf dem Morast. Für Langenfeld sind zwei dieser Turmhügelburgen verbürgt, nämlich die „Motte Schwanenmühle“ in Wiescheid sowie die „Motte Flachenhof“ in Immigrath. Eine weitere nimmt die Wissenschaft derzeit nur für Langfort an, wo ent-sprechende Flechtreisigbündel in der Nähe des AWO-Altenheims entdeckt wurden.

Zur weiteren Bauweise: Auf den „schwimmenden“ Flechtreisigbündeln wurde die Anlage mit Holz und Erde errichtet. Der Aushub der Gräben wurde zu Wällen aufgeworfen und als Boden in die Motte verbracht. Die Wälle wurden mit Palisaden oder holzsparend als Flechtwerk mit den dicken Ästen der gefällten Bäume ausgeführt. In einer größeren Vorburg standen die Gebäude für Mensch und Vieh. Wahrscheinlich eher seltener lebte der Burgherr in dem Turmhügel hinter der Schildmauer zur Vorburg. Meist war dies die letzte Zuflucht vor einem herannahenden Feind.

Zur Gesellschaft: Die fränkische Gesellschaft kannte unfreie Bauern auf dem Hof des Grundherrn sowie sogenannte Hufenbauern in Dörfern nahebei. Erstere mussten ihre Arbeitskraft voll in den Dienst des Grundherren stellen, letztere durften drei Tage die Woche auf „eigener Scholle“ wirtschaften. Der Sonntag war in einer zumindest oberflächlich bereits christianisierten Gesellschaft arbeitsfrei.

Zur Kapelle: Unser Mottenmodell zeigt eine kleine, nordwärts ausgerichtete Kapelle. Dazu angemerkt, wurde der Chor in altchristlicher Zeit ohne besondere architektonische Ausformung gestaltet und war nur durch Schranken innerhalb des Kirchenraums unterteilt. Die Apsis, als halbkreisförmiger Abschluss des Chorraums findet sich selten in einfachen Holzkirchen. Die Ausrichtung des Chors nach Osten ist keine zwingende Bauvorschrift. Sie setzte sich mit dem „Toleranzedikt von Mailand“ ab dem Jahre 313 nach Christus allmählich durch und wurde in Renaissance und Barock wieder liberal gehandhabt.

Der heutige Befund im Wald: Von der mutmaßlich ehemaligen Motte im Galkhauser Wald, am Rande des heutigen Restmoores „Further Moor“, am „Neandersteig“, blieb nur die Vorburg mit drei Hügelresten erhalten. Der westliche der beiden Schildmauertürme ist nach Osten an den Ostturm „versetzt“. Der Vorburgwall weist an seiner Stelle eine Eindellung auf. Die oben stehende Skizze soll die heutige Form verdeutlichen, das nachfolgende Bild deren ursprüngliches Erscheinungsbild.

Möckenburg-Modell im Winter

Das fast fertige Modell (ohne Belaubung) zeigt, wie sich die Burg im Winter zeigte

Die im Modell gezeigte Burg: Die Anlage wurde in den mutmaßlichen Zustand zurück gedacht, die sie womöglich einstmals hatte. Ob es eine Schildmauer ganz im Süden gab, ist unbekannt, wird nur aufgrund der Befunde in der Motte Schwanenmühle für diese Motte ebenfalls angenommen. Vielleicht war dieser Schutz aufgrund der Lage schon fast im Moor nicht notwendig. Der im Nordwesten (nördlich der Gänse-Insel) befindliche Trockengraben hätte die Katastrophe mutmaßlich verhindern helfen. Ihn gab es wohl daher nicht. Ein tödlicher Baumangel, wie sich herausstellte.

Zum Untergangsszenario: Den Untergang mitbewirkte, wenn es denn eine Motte gewesen ist, hat die Errichtung der Anlage auf Flechtreisigbündeln. Wochenlange Regenfälle führten zu einer Aufweichung der Wallanlagen. Ein Blitz fällte dann einen Baum oberhalb der Motte in Hapelrath, der ins Wasser kippte und zu einer Stauung führte. Als der Druck groß genug war, sprengte es den Baum auf einer Wasserwelle talwärts, wo er sich in der Bachstauung der Motte verfing und sodann das Wasser in der Motte steigen ließ. Der eingedrückte Wall in der Skizze oben links zeigt, wo sich der meiste Druck entfaltete. Deshalb riss es den westlichen Turm ab, der vor den östlichen Turm gedrückt wurde. Als schließlich auch die Stauung des Bachs für die Gräben der Burg gesprengt wurde, zog es den Turmhügel, der nur auf Flechtreisigbündeln „schwamm“ in seinem Sog talwärts. Daher versank in dieser Burg nur die Herrschaft. Die Menschen in der Vorburg überlebten, obwohl auch diese mit Wasser vollief. An drei Stellen in Süd- und Westwall wurde daher die Anlage geöffnet, um das Wasser ablaufen zu lassen. Die Überlebenden der Katastrophe siedelten anschließend auf einem Sandhügel auf der anderen Seite der Bahnlinie, bevor sie die Motte am Blockbach (erste Dückeburg) errichteten. Dieser Sandhügel blieb im Übrigen der Anknüpfungspunkt an die Sage in Langenfeld und ist aus rundherum zusammen gescharrtem Sand errichtet worden. Er erinnert ganz daran, dass hier „ein erster Turm“ für die Überlebenden der Katastrophe entstanden sein könnte.

Zur Sage vom versunkenen Schloss: An keinem anderen Ort in Mitteleuropa ließe sich ein Untergangsszenario, wie von mir beschrieben, an Bodenzeichnungen, die vorgeblich für ein versunkenes Schloss herhalten müssen, entwickeln. Für mich ist deshalb diese Motte das tatsächliche „Versunkene Schloss“. Weil zudem über die Jahrhunderte verloren ging, dass es einst „im langen Feld“ gestanden hatte, verlegten es die Menschen in ihre Umgebung. Einen Goldschatz gab es dort im Übrigen nie. Die in der Sage berichteten Grabungstätigkeiten galten allein der Alltagshabe.

Der wahre Schatz: Der wahre Schatz der Sage ist die Übermittlung von Kenntnissen aus der Beobachtung von Gegebenheiten vor, während und nach dem Untergang der Burg, die mit „göttlichem Eingriff“ in Verbindung gebracht wurden. Dabei erhellt sich, dass „Die Sage vom versunkenen Schloss“ eine mystische Überlieferung darstellt, die eine von christlichen Vorstellungen abweichende Auffassung vermittelt.

Der Name der Burg: Baron von Galera, der erste Langenfelder Stadtchronist, nahm 1963 als Keimzelle der Besiedlung zu Zeiten der rückläufigen fränkischen Landnahme (Rückkehr der Franken in ihr altes Siedlungsgebiet) eine Markgrafschaft und darin eine „Virneburg“ an. Eine alte Burganlage findet sich in der Fortführung der Virneburgstraße auf Leichlingen zu. Weder hinsichtlich des heutigen Bauernhofs „Virneburg“ noch der heutigen „Möckenburg“ darf man von ehemaligen Burgen ausgehen. Vielmehr werden einstige Burgnamen dorthin übertragen worden sein. Daher bliebe der Name „Möckenburg“ für diese Motte offen. Und wenn man sich die großen Wasserflächen am Rande des Further Moores betrachtet, könnte die Anlage tatsächlich einstmals „Mückenburg“ geheißen haben. Der Link zur Rheinischen Post.

Die Motte Möckenburg

RP und lokale Presse berichteten ausführlich vom Crossover-Projekt

(Autor des Textes und „Erbauer“ des Mottenmodells: Claus-Peter Peters. Weitere Infos zum Crossover-Projekt der Künstlergruppe Falter sowie Bilder aus der Entstehungszeit des Modells finden Sie auf der Webseite der Gruppe IG-KLM.de)

Langenfeld-Buch – Grünes Sofa

schrieb am 17.11.2014 - Allgemein, Buchvorstellung, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Langenfeld-Buch - Grünes Sofa

Langenfeld im Wandel der Zeiten

Langenfeld-Buch – Grünes Sofa präsentiert den Autor Claus-Peter Peters mitsamt Werk. Als Betreiber dieser Webseite und Autor des Buches „Langenfeld im Wandel der Zeiten“ freue ich mich über einen Vorstellungstermin, den mir das „Grüne Sofa“ eingeräumt hat. Das stadtgeschichtliche Buch wird Ihnen am 9.12.2014 um 19 Uhr 30 vorgestellt, Dazu lese ich aus dem Werk und erhalte damit die Gelegenheit, Ihnen etwas über die Geschichte der Stadt vorzustellen. In einem zweiten Teil präsentiere ich Einblicke in das Werden meines metaphysisch-philosophischen Werks, dass es ohne Langenfeld und Menschen aus dieser Stadt nie gegeben hätte. Ein dritter Teil mit einigen amüsanten Kurzgeschichten wird meinen Vortrag abrunden.

Ich würde mich freuen, wenn Sie zur Lesung kämen und sich den Termin vormerken würden: 9.12.2014, 19 Uhr 30, Haus Arndt

Das Buch gibt es – links die Bratapfelmarkt-Sonderausgabe 2013 – für 30 EUR in den Räumen der Künstlergruppe Falter, Marktkarree, erstes Obergeschoss.

Die Wikinger und eine Markgrafschaft?

schrieb am 28.09.2014 - Allgemein, Archäologisches, Namen und Deutungen, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Wikingerhäuser in Haithabu

Nachbau einiger Häuser der Haupthandels-Metropole der Wikinger

Von den sogenannten Fachleuten gerne in Abrede gestellt, wird die Annahme des ersten Stadtchronisten Langenfelds, der 1963 behauptete, Richrath sei einst Markgrafschaft gewesen. Baron von Galera wird wohl auf ihm zugängliche Quellen bzw. Privatarchive des lokalen Adels zurückgegriffen haben. Vielleicht hatte er auch Informationen, die mündlich in seiner Familie weitergegeben wurden. Wir wissen es nicht. Jedenfalls nahm er nicht nur eine Markgrafschaft für Richrath an, sondern zugleich war die Motte Virneburg für ihn eine vor 960 existierende Größe, wie es die Karte in seiner Schrift zur Stadtgeschichte aus eben dem Jahr 1963 ausweist. Die Virneburg war meines Erachtens eine in eine germanische Ringwallanlage in Hapelrath hineingebaute Turmhügelburg, die möglicherweise planvoll versenkt wurde. Zu den Herren von Virneburg erfahren Sie überdies auf Interessantes auf der Seite „Argumente für einen Fundschatz„. Doch sei an dieser Stelle nicht zu viel und zu weit ausgeholt, ich möchte nicht gleich überfrachten. Meine Bilder aus Haithabu jedenfalls mögen Ihnen zunächst einen Eindruck von den mittelalterlichen Wohnverhältnissen außerhalb der römischen Einfluss-Sphäre vermitteln. Selbstredend bleibt es nicht bei der einfachen Darstellung der Häuser aus Hathabu, dafür schwirren mir bei jedem Häppchen Stadtgeschichte gleich weitere Informationen durch den Kopf (wie eben jene zur Markgrafschaft Richrath, zu Wikingerüberfällen bis nach Köln etc.). Lassen Sie sich auf dieser Webseite von den Bildern animieren und – besuchen Sie einmal Haithabu, Schleswig und vor allem das Schloss Gottorf mit seiner archäologischen Sammlung. Zu meinem „Besuch in Haithabu„.

Haus Arndt

schrieb am 13.09.2014 - Allgemein, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Unser Stammquartier der IG-KLM

Das Domizil der Künstlergruppe Falter, die vom Betreiber der Webseite am 5.9.2012 gegründet wurde.

Obwohl sich am Haus die Jahreszahl 1667 fand, ist die Existenz des Hauses Arndt erst aus einer Karte aus dem Jahre 1810 gesichert. Es wird zumindest bereits 1809/10 bestanden haben. Die Annalen der Besitzerfamilien indes reichen weiter zurück, sodass ein längeres Bestehen am Ort nicht auszuschließen ist. Ursprünglich war das Haus landwirtschaftlich genutzt. Heute ist im Haupthaus ein gatronomischer Betrieb, in einem Seitengebäude (zeitweilig Schreinerei / Pferdestall) eine Weinhandlung untergebracht. Die rechts des Hauses gelegenen ehemaligen Stallgebäude mussten bereits in den 1960er Jahre Garagen weichen. Sie sind seit 1984 nicht mehr vorhanden und bieten somit einen Durchgang zum Marktplatz. Der heutige gastromische Betrieb „Haus Arndt“ verfügt über zwei Terrassen, rückwärtig über eine gepflasterte, vor dem Haus liegt sie im ehemaligen Vorgarten und stellt damit eine der wenigen nicht versiegelten Flächen in der Innenstadt dar.

Haus Arndt lag im Übrigen an einer von nur vier Bachbrücken im Stadtgebiet und zugleich an einem der drei alten Fernhandelswege. Der älteste war der Mauspfad, ein in Langenfeld seit der Bronzezeit nachgewiesener Fußpfad durch das Stadtgebiet, der etwa Köln über weiter Butenweg, Hellweg und weitere Hansestraßen mit der Küste verband. Ab dem Mittelalter verband die spätere B 229 den Hitdorfer Rheinhafen mit Solingen. Solinger Stahlwaren traten ihren Siegeszug somit an Haus Arndt vorbei in die weite Welt an. Bei Haus Arndt war daher auch „zum Abkassieren“ des früher üblichen Wegezolls eine der Stationen im Stadtgebiet eingerichtet, an der das sogenannte „Barriere-Geld“ erhoben wurde und sich nur bei Zahlung die Schranke hob.

Verwundern darf es uns daher nicht, dass die Verbindung Bergisches Land und Hitdorfer Hafen (tatsächlich einst das Tor zur großen weiten Welt) uns dann wohl einen waschechten Solinger als Gastwirt im Haus Arndt beschert hat: Olaf Kohler. Einmal gar nicht am Rande notiert, sei ihm an dieser Stelle einmal für seine vielfältigen Unterstützungen der Künstlergruppe Falter gedacht, ohne die sich der Erfolg der Gruppe bei Weitem nicht so einfach gestaltet hätte.

Ans Rheinische Landesmuseum

schrieb am 11.09.2010 - Allgemein, Archäologisches, Privates, Regionalgeschichte - Noch keine Kommentare

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe mich gestern zum ersten Male in Ihrem Hause eingefunden, zugegeben, um mich in erster Linie einmal über die Ur- und Frühgeschichte des Rheinlandes sowie das Mittelalter zu informieren. Vieles über die römisch-germanische Zeit hält ja schon das Römisch-Germanische Museum in Köln bereit, sodass ich mir deshalb eine andere Gewichtung in Bonn erhoffte. Auch die Themenausstellungen an sich, fanden nicht alle meinen Gefallen.

Vorab bemerkt, ist meine persönliche Herangehensweise an die Exponate eines Museums von einer möglichst wertneutralen Betrachtung getragen, weil ich mir ohne wissenschaftliche Interpretationen zunächst ein eigenes Bild verschaffen möchte. In einem zweiten Schritt lese ich Begleittexte, um meine Ideen bestätigt zu finden oder aber Anregungen für ein anderes Sehen und Denken zu erhalten. Mangels einer chronologischen Darstellung allerdings stieß Ihr Ausstellungskonzept auf mein Unverständnis, weil sich scheinbar zusammenhanglos Exponate aller Epochen nebeneinander finden und in den Begleittexten nur auf die historischen, nicht aber auf die Ausstellungszusammenhänge verwiesen wird. Ich muss dazu sagen, dass ich in Ihrem Hause bewusst auf technische oder sonstige Hilfsmittel zur Begleitung der Ausstellungen verzichtete und wegen der tobenden Schulkinder in der obersten Etage startete.

So wurde mir nicht klar, wie etwa das Thema Herrschaft bei den wenigen und nicht sehr aussagefähigen Exponaten aus Altertum, Mittelalter und NS-Zeit erläutert wird, weil eben Begleittexte fehlen und sich ein innerer Zusammenhang nicht herstellen lässt. Ohnehin leben wir ja heute in einer Zeit ohne gefühlte Herrschaft, weil Politiker Sachzwänge vorschieben, wenn Lobbyisten ihnen ihre Handlungsanleitungen aufgeben. Nehmen wir hier als Beispiel die Bundeskanzlerin heraus, die nach der Verfassung die Richtlinien der Politik bestimmt, jedoch dann selbst in einer Frage wie der der Atompolitik weder ihr geballtes Fachwissen als Physikerin einbringt noch ein so genanntes Machtwort spricht, sondern sich hinter einer Entscheidung des Kabinetts verschanzt. So gewinnt der Bürger, anders als zu früheren Zeiten mit ihren im Christentum verwurzelten Herrscherpersönlichkeiten, eher den Eindruck einer Politik von austauschbaren Köpfen. Wie also wird Herrschaft überhaupt erfahren?

Auch das Thema des sich wandelnden Gottesbildes, das aufgrund der Vielzahl römischer Altäre sowie der christlich, sakralen Exponate breiteren Raum einnimmt, ist in dieser Form keineswegs selbsterklärend. Was war denn vor den Römern? Karls erster Sachsenfeldzug 772 mit der Zerstörung der Irminsul auf der Eresburg wäre ein Aufhänger gewesen. Woran glaubten die Germanen? Warum konnte sich das Christentum durchsetzen? Dass es einen Wechsel von der römischen wie germanischen Vielgötterei zum Eingottglauben gegeben hat, sich Rudimente der Vielgötterei in der katholischen Heiligenverehrung erhalten haben, das wird zumindest in den Begleittexten der Ausstellung nicht deutlich. Auch die schamhafte Darstellung einer jüdischen Thora in einer Gebäudeecke finde ich wenig gelungen. Gänzlich fehlen mir Exponate zu den zugewanderten Muslimen, obwohl über die aufgenommene Kultur eine Verbindung hergestellt werden könnte.

Theoretisch müsste beim Thema Gottesbild natürlich mit dem Streben des Menschen nach seelischer Reife begonnen werden, bekannt aus Goethes Hauptwerk, dem Faust, der in der Urfassung dieses Thema mit der Schüler-Mephistopheles-Szene unmittelbar anspricht und dieses metaphysische Streben der (humanistischen) Bildung entgegenstellt. Die beiden Wege, Schamanentum im Faust Teil 1 und Mystik im Faust Teil 2 wären anzusprechen, daneben Okkultismus, Philosophie und Riten. Aus welchen Quellen der Erkenntnis bedienten sich die Römer, aus welchen die Germanen? Welche Parallelen, welche Unterschiede zu anderen frühen Völkern sind zu erkennen? Auch ohne nennenswert in die Tiefe zu gehen, würde ich mir hier eine strukturierte Darstellung wünschen, wohl erkennend, dass statische Gründe des Hauses ebenso Einfluss auf die Ausstellung haben könnten.

Gefallen hat mir neben der Vor- und Frühgeschichte (Neandertaler) die Teilausstellung zur Renaissance mit den Glaubensstreitigkeiten. Die halte ich wegen der verschiedenen Aspekte bürgerlichen, adeligen und geistlichen Lebens für gelungen. An dieser Stelle erwartet auch niemand eine Betrachtung des bäuerlichen Lebens, zumal sich dort seit dem frühen Mittelalter nicht viel verändert hatte. Auch die Animationen zur Kölner Stadtbefestigung oder zu Mercators Genauigkeit bei der Kartenherstellung, gezeigt am Beispiel Kölns, sind richtig gut. Zumindest ohne Ton und Text verbesserungswürdig ist die Animation zur Entwicklung eines Adelssitzes. Wurde das mutmaßlich einzige „hölzerne Fort“ in Mitteleuropa überbaut und durch einen steinernen Wohnturm ersetzt, der sich dann Motte nannte?

Natürlich habe ich mir auch Gedanken gemacht, wie ich eine solche Ausstellung aufziehen würde. Ich würde in jedem Falle in der Chronologie bleiben, weil sich daran Entwicklung besser aufzeigen lässt. Es wäre zudem sinnvoll, den Wandel auf dem Lande sowie in den Städten getrennt voneinander darzustellen. Auch Herrschaft aus Landgütern und kleinen Burganlagen heraus zu erläutern, dürfte ohne sinnvolle Alternative sein. Zudem eine  Entwicklung der religiösen Anschauungen zu geben, finde ich grundsätzlich richtig. Bliebe die Vernetzung aller Bereiche bei einem Überfluss an römischen Exponaten und wenigen Artefakten aus keltischer, germanischer und fränkischer Zeit.

Ich hätte ich keine Probleme damit, nach einer Ur- und landwirtschaftlichen Frühgeschichte dieses Buch zuzuklappen und auf die mit aller Macht einfallenden Römer gleich so mit einer Wucht an Exponaten zu reagieren. Daran anknüpfend bliebe die Frage, wie sich Germanen und Franken nach dem Abzug der Römer entwickelten. Wie wandelte das Christentum das Denken der hier Lebenden und musste ganz Europa mit kultureller weiterer Entwicklung bis zur Renaissance warten, weil Zentraleuropa (eben damit auch das Rheinland) nachhinkte? Absolutismus und bürgerliche Freiheit wären eine Thema. Danach könnte das Thema Verfolgung und Zwangsherrschaft aufgegriffen werden.

Ohne Historiker zu sei, ohne ihren Fundus oder die statischen Besonderheiten Ihres Hauses zu kennen, maße ich mir also Kritik an, wo sich bereits mutmaßlich viele Köpfe über die Präsentation der Exponate Gedanken machten. Vielleicht hätte ich Ihnen erst gar nicht geschrieben, wenn ich nicht mittendrin einmal richtig geflucht hätte über Ihre Unordnung, und das nur, weil ich vermutlich ihre Ordnung nicht verstanden habe. Ich wollte dann auch nicht zur Information gehen und mir Hilfe besorgen, weil es meinen Naturell widersprochen hätte. Also: Selbst Schuld. Dennoch hoffe ich, dass ich Ihnen Anregungen geben darf und konnte.

Mit freundlichen Grüßen

Nachtrag: Der Brief blieb ohne Antwort.

 

Zeitleichen – Vom täglichen S 6 – Wahnsinn

schrieb am 01.07.2010 - Allgemein, Nonsens, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Täglich pendeln etwa 800-1000 Fahrgäste in der Hauptverkehrszeit pro S-Bahn nach Düsseldorf, macht bei 15-20 Bahnen 15.000 Leute. Nach Langenfeld und in Richtung Köln sind es knapp halb so viele, also 7000 Leute. Jeder verliert pro Woche durch verspätete S-Bahnen etwa eine halbe Stunde, durch verpasste Anschlüsse noch einmal eine halbe Stunde, macht 22.000 Stunden insgesamt. Im Monat sind das gerundet 90.000 Stunden und bei 45 Wochen Arbeit pro Jahr 4 Millionen und 50.000 Stunden. Ergibt zusammen 168.750 Tage oder 462, 3 Jahre. Bei einer Lebenserwartung von 75-80 Jahren liegen somit pro Jahr nicht nur 2-3 Leichen unter den Zügen, sondern noch einmal 6 „Zeitleichen“ im Zug. Wohl gemerkt: In nur einem Jahr nur auf der Linie S 6 ohne Streiks, Personenunfälle, Oberleitungsschäden, Gleisbauarbeiten usw.

Zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs

schrieb am 07.03.2009 - Allgemein, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Erschütternde Fernsehbilder vom eingestürzten Stadtarchiv erreichten uns am 3.3.2009 aus Köln. Offenbar, so lässt es der „Beweis des ersten Anscheins“ vermuten, waren Bauarbeiten an der Kölner U-Bahn hierfür verantwortlich. Zur Ursache wird vorgetragen, dass eine Ausspülung im Erdreich ein tiefes Loch vor dem Haus aufgetan habe, in das dieses dann gestürzt sei.
Der Umgang mit den Bildern und Eindrücken ist dagegen vielschichtig: So ist ein großer Teil der Bevölkerung von den menschlichen Schicksalen der nunmehr Obdachlosen bewegt, während sich andere mehr für die technischen und noch andere eher für die versicherungsrechtlichen Fragen interessieren. Nicht wenige allerdings bangen und trauern im Wesentlichen um das verloren gegangene Kulturgut.
Nehmen wir den letzten Aspekt einmal besonders heraus: Losgelöst vom Unglück ist ein jeder solcher Verlust schmerzlich, denn er berührt in erster Linie einen menschlichen Grundwesenszug, die Identifikation mit dem gemeinsamen, kulturellen Erbe. Darüber hinaus wiegt ein solches Unglück um so schwerer, je weniger insbesondere an Urkunden und schriftlichen Aufzeichnungen aus alter Zeit vorhanden ist. Denn was einmal verloren ist, bleibt für immer verloren. So ist viel von dem einstens im Archiv Gelagerten noch gar nicht ausgewertet, manches nur unzulänglich beleuchtet. Zudem bedingen neuere Erkenntnisse immer nachfolgend die Notwendigkeit der Neubewertung des bereits als vermeintlich sicher Geglaubten. Noch schlimmer: Was aus alten Quellen, etwa fehlerhaften, gefälschten oder verfälschten Urkunden einstens heraus gelesen und danach fehl interpretiert wurde, kann aufgrund eines nun nicht mehr möglichen Quellenstudiums nie mehr korrigiert werden. So könnte beispielsweise aus einer falschen Urkunde ein Irrtum erwachsen sein, der von jetzt an verfestigt weiter getragen wird, ein Problem, das ich ähnlich bereits in den Sage(n) vom versunkenen Schloss thematisiert habe.
Damit sei der Bogen zur Stadtgeschichte Langenfelds gespannt, denn unsere Stadt ist ja in vielfacher Hinsicht über die Jahrhunderte hinweg mit Köln verbunden. Nicht nur wegen der räumlichen Nähe wurden deshalb viele Urkunden, Aufzeichnungen, Karten und Fotos, eben auch Langenfeld betreffend, im Kölner Stadtarchiv verwahrt. Sie sind nun ebenso mit diesem untergegangen. Und das betrübt, selbst wenn der womöglich erst in Langenfeld zwischengelagerte und dann nach Köln verbrachte Schatz (der Nibelungen) mit dazu beigetragen haben könnte, vor allem Reichtum und Ansehen Kölns zu mehren.
Doch selbst wenn sich im Zuge der Untersuchungen später herausstellen sollte, dass das kölsche „Et hätt‘ no‘ immer jot jejange“ mitursächlich für die Katastrophe geworden sein könnte, belächelt werden sollten die Domstädter vor dem Hintergrund des alle treffendes Verlustes nicht. Dennoch lässt es sich trotz aller angemahnter Zurückhaltung wieder einmal nicht verhindern, dass eher Düsseldorf Zugeneigte (die von Köln als der Stadt sprechen, deren Name nicht genannt werden darf) es jetzt schon zu wissen glauben, dass nämlich die Kölner viel zu lax mit den Risiken des U-Bahn-Baus umgegangen seien. So hört man schon, dass ein solches Szenario beim Bau der Wehrhahnlinie in Düsseldorf undenkbar sei, trotz eines vergleichbar schlechten, sandigen Baugrundes. Mein Vorschlag: Warten wir doch alle erst einmal die Untersuchungen ab und hoffen darauf, dass doch noch ein großer Teil des Archivmaterials gerettet werden möge.   [07.März 2009]