Kategorie: Stadtgeschichtliches

Die Wikinger und eine Markgrafschaft?

schrieb am 28.09.2014 - Allgemein, Archäologisches, Namen und Deutungen, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Wikingerhäuser in Haithabu

Nachbau einiger Häuser der Haupthandels-Metropole der Wikinger

Von den sogenannten Fachleuten gerne in Abrede gestellt, wird die Annahme des ersten Stadtchronisten Langenfelds, der 1963 behauptete, Richrath sei einst Markgrafschaft gewesen. Baron von Galera wird wohl auf ihm zugängliche Quellen bzw. Privatarchive des lokalen Adels zurückgegriffen haben. Vielleicht hatte er auch Informationen, die mündlich in seiner Familie weitergegeben wurden. Wir wissen es nicht. Jedenfalls nahm er nicht nur eine Markgrafschaft für Richrath an, sondern zugleich war die Motte Virneburg für ihn eine vor 960 existierende Größe, wie es die Karte in seiner Schrift zur Stadtgeschichte aus eben dem Jahr 1963 ausweist. Die Virneburg war meines Erachtens eine in eine germanische Ringwallanlage in Hapelrath hineingebaute Turmhügelburg, die möglicherweise planvoll versenkt wurde. Zu den Herren von Virneburg erfahren Sie überdies auf Interessantes auf der Seite „Argumente für einen Fundschatz„. Doch sei an dieser Stelle nicht zu viel und zu weit ausgeholt, ich möchte nicht gleich überfrachten. Meine Bilder aus Haithabu jedenfalls mögen Ihnen zunächst einen Eindruck von den mittelalterlichen Wohnverhältnissen außerhalb der römischen Einfluss-Sphäre vermitteln. Selbstredend bleibt es nicht bei der einfachen Darstellung der Häuser aus Hathabu, dafür schwirren mir bei jedem Häppchen Stadtgeschichte gleich weitere Informationen durch den Kopf (wie eben jene zur Markgrafschaft Richrath, zu Wikingerüberfällen bis nach Köln etc.). Lassen Sie sich auf dieser Webseite von den Bildern animieren und – besuchen Sie einmal Haithabu, Schleswig und vor allem das Schloss Gottorf mit seiner archäologischen Sammlung. Zu meinem „Besuch in Haithabu„.

Autor besucht Motte Lütjenburg

schrieb am 28.09.2014 - Allgemein, Archäologisches, Namen und Deutungen, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Frühmittelalterliche Festungskunst

Der Wehrturm der Motte Lütjenburg im Kreis Plön

Der Autor und Betreiber dieser Webseite nutzte seinen Jahresurlaub in Schleswig-Holstein, den Nachbau der Turmhügelburg Lütjenburg im Kreis Plön zu besuchen. Jede Menge Bilder und interessante Einblicke in das Leben der Burgherren des frühen Hochmittelalters waren als Ausbeute zu verzeichnen. Was es mit Motten (Turmhügelburgen) und der hiesigen Sage vom versunkenen Schloss auf sich hat, warum die Namen Möckenburg und Virneburg wohl keine Bauernhöfe bezeichneten und was wir für die Stadtgeschichte deshalb mitnehmen dürfen, erläutert der Artikel „Ritter Pitter in der Lütjenburg„.

Haus Arndt

schrieb am 13.09.2014 - Allgemein, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Unser Stammquartier der IG-KLM

Das Domizil der Künstlergruppe Falter, die vom Betreiber der Webseite am 5.9.2012 gegründet wurde.

Obwohl sich am Haus die Jahreszahl 1667 fand, ist die Existenz des Hauses Arndt erst aus einer Karte aus dem Jahre 1810 gesichert. Es wird zumindest bereits 1809/10 bestanden haben. Die Annalen der Besitzerfamilien indes reichen weiter zurück, sodass ein längeres Bestehen am Ort nicht auszuschließen ist. Ursprünglich war das Haus landwirtschaftlich genutzt. Heute ist im Haupthaus ein gatronomischer Betrieb, in einem Seitengebäude (zeitweilig Schreinerei / Pferdestall) eine Weinhandlung untergebracht. Die rechts des Hauses gelegenen ehemaligen Stallgebäude mussten bereits in den 1960er Jahre Garagen weichen. Sie sind seit 1984 nicht mehr vorhanden und bieten somit einen Durchgang zum Marktplatz. Der heutige gastromische Betrieb „Haus Arndt“ verfügt über zwei Terrassen, rückwärtig über eine gepflasterte, vor dem Haus liegt sie im ehemaligen Vorgarten und stellt damit eine der wenigen nicht versiegelten Flächen in der Innenstadt dar.

Haus Arndt lag im Übrigen an einer von nur vier Bachbrücken im Stadtgebiet und zugleich an einem der drei alten Fernhandelswege. Der älteste war der Mauspfad, ein in Langenfeld seit der Bronzezeit nachgewiesener Fußpfad durch das Stadtgebiet, der etwa Köln über weiter Butenweg, Hellweg und weitere Hansestraßen mit der Küste verband. Ab dem Mittelalter verband die spätere B 229 den Hitdorfer Rheinhafen mit Solingen. Solinger Stahlwaren traten ihren Siegeszug somit an Haus Arndt vorbei in die weite Welt an. Bei Haus Arndt war daher auch „zum Abkassieren“ des früher üblichen Wegezolls eine der Stationen im Stadtgebiet eingerichtet, an der das sogenannte „Barriere-Geld“ erhoben wurde und sich nur bei Zahlung die Schranke hob.

Verwundern darf es uns daher nicht, dass die Verbindung Bergisches Land und Hitdorfer Hafen (tatsächlich einst das Tor zur großen weiten Welt) uns dann wohl einen waschechten Solinger als Gastwirt im Haus Arndt beschert hat: Olaf Kohler. Einmal gar nicht am Rande notiert, sei ihm an dieser Stelle einmal für seine vielfältigen Unterstützungen der Künstlergruppe Falter gedacht, ohne die sich der Erfolg der Gruppe bei Weitem nicht so einfach gestaltet hätte.

Feedback zur Kirmes 2013

schrieb am 08.09.2013 - Allgemein, Nonsens, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Liebe Kirmesjonge,

Eure Schürreskarren-Rennen 2013 waren wieder erste Sahne. Nur in Stichworten: Vater (im Großvateralter) schlägt seinen Sohn (im guten Mannesalter) im Rennen allein durch Routine. Insgesamt 4 spannende Vorläufe und ein geiles Finale, daneben ein Altherrenlauf, wieder einmal ein Jugendlauf, drei spannende Kettcar-Rennen, ein Kettcar-Rennen nur mit Mädels sowie ein Schürreskarr-Rennen nur mit Mädels, drei Gästerennen und vier „Unfälle“ haben eine unglaubliche Dynamik erkennen lassen. Selbst wenn heute wegen des miesen Wetters nur wenige in die Baumberger Straße kamen, in den gut 15 Jahren, die ich nach Berches komme, war das ein Besuch, der mir lange in Erinnerung bleiben wird. Leider hatte ich Eure Kirmes viel zu lange „nicht auf dem Schirm“, kenne zwar noch die Treibstraße aber die Sandbahnrennen allein aus Erzählungen. Darüber könnte ich mir heute in den Hintern beißen. Deswegen schreibe ich jedoch nicht.

Startvorbereitungen

Vor dem Start das Kölsch herabgespült und dann geht’s los.

Wenn es auch so schön war wie schon lange nicht mehr, meine ich, eine Unregelmäßigkeit melden zu müssen. Wenn ich das richtig beobachtet habe, wurde Achim im dritten Gästelauf zunächst der Start vorgegaukelt, worauf er sein Bier austrank und loslief. Dann hat man ihm einen Frühstart vorgehalten, sodass er gleich noch ein zweites Bier hinterher kippen musste. Das hat ihn natürlich zurückgeworfen, weshalb er das Rennen dann auch nicht gewinnen konnte. Durch eine „peinliche Befragung“ mittels Kölsch und „intravenöser Zugabe“ von härteren Drogen wird man bei seinen Mitläufern die Wahrheit ans Licht bringen können. Höchst vorsorglich: Ich lasse mir nicht entgegenhalten, dass ich wegen der Aufregung bei den Rennen wenigstens bei jedem zweiten ein Kölsch getrunken habe. Das mit Achim habe ich mal ganz genau mitbekommen. Deshalb, so meine ich, müssten seine Mitläufer disqualifiziert werden oder aber Achim nächstes Jahr eine neue Chance bekommen.

Wie dem auch sei, in jedem Fall Grüße aus Immigrath und eine restliche schöne Kirmes wünscht Euch  – der Ritter Pitter vom versunkenen Schloss.

Geschichtliches zum Karneval / Hahnenparade

schrieb am 11.09.2011 - Allgemein, Nonsens, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus…

Brigitte Förster und Heinrich Klassen von der KG Postalia werden als Prinzessin Brigitte I und Prinz Heinrich I das Narrenvolk in die Session 2011/12 führen. Das berichtet die Wochenpost in der Ausgabe vom 5.7.2011 mit Hinweis auf ungewöhnlich gut informierte karnevalistische Kreise. Da mutmaßlich vor genau 100 Jahren der erste Karnevalszug durch Langenfeld ging, organisiert übrigens von den Aehnse Käls, aufgegangen in der KG Spießratzen 1952, ist der Entscheid für die beiden von historischer Tragweite. Nimmt man dagegen die offizielle karnevalistische Position aufgrund des nachgewiesenen ersten närrischen Lindwurms 1913 als die Geburtsstunde närrischer Straßenumzüge in Langenfeld an, so regieren die beiden das Narrenvolk immerhin im 99. Jahr (!) nach dem ersten Rosenmontagszug. Wie dem auch sei, entbieten wir den beiden unseren karnevalistischen Gruß mit einem dreifachen „Trari-Trara“ – „Postalia“, „Rösroth“ – „Alaaf“ und „Langenfeld“ – „Helau“. Freuen wir uns auf eine rattenscharfe Session mit Prinzessin Brigitte sowie unserem karnevalistischen Nordlicht, Prinz Hein.

… und das gemeine karnevalistische Volk ??

Hat schon mal am 8.7.2011 „trocken“ mit einer Hahnenparade anlässlich des portugisischen Jahres üben können. 65 bemalte Hähne von 2,10 Meter Höhe und 90 Ein-Meter-Hähne zeigte die Parade ohne Kamelle und Strüssjer auf der Haupt- und Solinger Straße. Hahnenparadeplatz war der Parkplatz vor der Hauptstelle der Stadtsparkasse. Gedacht wurde übrigens dem Wappenvogel Portugals, dem „Galo de Barcelo“. Dazu die Geschichte, die der Wochenanzeiger mit Ausgabe vom 8.7.2011 erzählte:
Ein des Silberdiebstahls Beschuldigter verlangte vor der Hinrichtung noch einmal den Richter zu sprechen. Dieser aß gerade einen gebratenen Hahn, als ihm der Verurteilte eröffnete, dieser Hahn würde während der Hinrichtung zum Zeichen seiner Unschuld vom Teller hüpfen und zu krähen beginnen. Tatsächlich geschah es, dass der (gebratene) Hahn während der Hinrichtung zu krähen begann. Da eilte der Richter zum Richtplatz, um die Hinrichtung zu stoppen. Doch ohne jemandes Zutun hatte sich dort die Schlinge um den Hals des Verurteilten von selbst gelöst.
Eine schöne Geschichte und eine insgesamt interessante Veranstaltung. Allerdings trübten lauwarmes Früh aus Plastikbechern und abgezählt kaltes Sagres aus der Flasche die Freude bei diesem mutmaßlich einmaligen „Event“ (Das Wort „iwent“ ist neudeutsch für Veranstaltung).

Ein Ausblick auf die Session 2012/13

In der Session 2012/13 werden die Langenfelder Karnevalisten ihres ersten Karnevalszuges vor rund 100 Jahren gedenken. Dank meiner Erinnerung geht das denkwürdige Ereignis nicht unter. Tatsächlich könnte sich der Zug übrigens schon zum 101ten Male jähren, denn der Zeitungsbericht aus dem Jahre 1913 spricht von einer (wenigstens) zweiten Veranstaltung der Karnevalsgesellschaft „Aehnse Käls“ auf dem Hucklenbruch. Damit wird ein erster Umzug am Rosenmontag des Jahres 1911 oder 1912 wahrscheinlich. Wegen einer möglichen Pause damals ist es natürlich nachvollziehbar, dass das Ereignis erst (deshalb ganz sicher mit dem Zeitungsartikel aus 1913) dann im Jahre 2013 entsprechend gefeiert wird.
Allerdings läge mit dieser Überlegung soeben die 99. Wiederkehr dieses Ereignisses vor uns, ohne dass der närrischen „99“ gedacht würde (obwohl Brigitte und Hein gemeinsam 111 Jahre alt sind und am 11.11.11 inthronisiert wurden). Aber wat soll’et? Der Karneval wird nachweislich in Langenfeld bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gefeiert, selbst wenn die Stadt als Ganzes nicht eben zu einer seiner Hochburgen gerechnet wird. Vielleicht liegt es am Altbier/Kölsch-Äquator, der auf die alten Dekanatsgrenzen (Norden und Mitte: Neuss, Süden: Deutz) zurückgeht, dass hier das gemeinsame Feiern aller Stadtteile noch immer etwas schwer zu fallen scheint. Auf einen solchen tiefen Grund würden im Übrigen auch die Veedelszüge in Berches und seit 6 Jahren in Reusrath, dort der Lichterzug, verweisen.
Egal! Erst einmal Hein und Brigitte alles Gute für die Session 2011/12. Zudem viel Erfolg den beiden mit ihrer Karnevalshymne, die Hein bereits auf dem Gänsemarkt mit wunderbarer Stimme zum Besten gab, und uns allen viel Spaß in der Session mit Alaaf und Helau.

(Nachtrag 2013: Es gab keine Feier. Auch die Karnevalisten haben ihre Geschichte vergessen)

Zeitleichen – Vom täglichen S 6 – Wahnsinn

schrieb am 01.07.2010 - Allgemein, Nonsens, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Täglich pendeln etwa 800-1000 Fahrgäste in der Hauptverkehrszeit pro S-Bahn nach Düsseldorf, macht bei 15-20 Bahnen 15.000 Leute. Nach Langenfeld und in Richtung Köln sind es knapp halb so viele, also 7000 Leute. Jeder verliert pro Woche durch verspätete S-Bahnen etwa eine halbe Stunde, durch verpasste Anschlüsse noch einmal eine halbe Stunde, macht 22.000 Stunden insgesamt. Im Monat sind das gerundet 90.000 Stunden und bei 45 Wochen Arbeit pro Jahr 4 Millionen und 50.000 Stunden. Ergibt zusammen 168.750 Tage oder 462, 3 Jahre. Bei einer Lebenserwartung von 75-80 Jahren liegen somit pro Jahr nicht nur 2-3 Leichen unter den Zügen, sondern noch einmal 6 „Zeitleichen“ im Zug. Wohl gemerkt: In nur einem Jahr nur auf der Linie S 6 ohne Streiks, Personenunfälle, Oberleitungsschäden, Gleisbauarbeiten usw.

„Schreibwettbewerb“ zum genagelten Schädel

schrieb am 11.02.2010 - Allgemein, Archäologisches, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit einiger Verwunderung habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Vermutungen des  den Schädel untersuchenden Forensikers Dr. Peter Pieper zu dem Objekt mit keinem Wort erwähnt werden. Der hat bei Vorstellung seiner Ergebnisse zu dem vom Nagel durchbohrten Kopf klar und deutlich geäußert, dass wir es mutmaßlich mit dem Relikt einer Hexenverfolgung zu tun haben. Zumindest wäre da doch zu erwarten gewesen, dass mit dem Start des Schreibwettbewerbs um die Geschichte hinter dem Schädel auch eine solche, nicht ganz unerhebliche Tatsache angesprochen worden wäre. Stattdessen wird vorab eine Mär präsentiert, die eine mutmaßlich junge Adelige als Schwerverbrecherin dastehen lässt, die natürlich ihren Tod selbst verschuldet und verdient hat.

Meine Herrschaften, es tut mir leid, Ihnen hiermit einen schlechten journalistischen Stil bescheinigen zu müssen, auch wenn Sie sich von dem Vorsitzenden des Fördervereins Stadtmuseum, Initiator des Schreibwettbewerbs und Verzällchen-Tour-Hobbyautor Manfred Stuckmann haben in die falsche Richtung leiten lassen. Mir ist schon klar, dass eine Hexenverfolgung nicht in das beschauliche Langenfeld passen will, doch sollte man sich nicht vor einen Karren spannen lassen, dessen Ziel allein die Geschichtsklitterung ist.

Wo kämen wir denn hin, wenn wir – wie mutmaßlich im Falle der jungen, als Hexe hingerichteten Frau – aus jedem Opfer einen Täter konstruieren, nur damit unsere Stadtgeschichte ohne Makel ist. Vielleicht haben wir demnächst noch einen Wettbewerb, wie sich die 71 von der Gestapo getöteten Häftlinge in einer Schlucht des Wenzelnbergs am 13. April 1945 erst gegenseitig umbrachten und dann frecher weise auch noch selbst verscharrten. Dies alles natürlich nur, um – boshaft – die hiesige NS-Prominenz in Misskredit zu bringen. Von den 6 Millionen – selbst schuld – vergasten  Juden einmal ganz zu schweigen.  Das wäre dann vielleicht ein Thema für einen dritten Schreibwettbewerb.

Nein, Leute, so läuft das nicht. Es gehört zu den vornehmsten Pflichten eines Menschen mit Vorbildcharakter, dazu zähle ich selbstverständlich auch stellvertretende Bürgermeister, sich der Geschichte zu stellen und klar Position zu beziehen. Wenn es in Langenfeld Menschen gab, die andere als Ketzer, Hexen oder wie auch immer denunzierten, zum Tode verurteilten und anschließend den Kopf der Getöteten annagelten, dann haben wir das zu akzeptieren und insbesondere unseren Kindern diese grausame Geschichte lehrend zur Kenntnis zu geben. Mit einem wie geplanten Schreibwettbewerb wird eine solche Zielsetzung jedoch konterkariert.

Und damit meine Ansicht nicht „in Vergessenheit gerät“, werde ich zudem den WDR informieren. – Mit freundlichen Grüßen (02/2011)

 

Die neue Feuerwache

schrieb am 29.06.2009 - Allgemein, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

15,5 Mio. für die Wache, aber am 26. und 27.6.2009 zur Einweihung statt Ochs am Spieß nur Pommes, Bauchfleisch und Bratwurst. Dazu schlecht gekühltes Bier und schlechte Musik. Schade. Die neue Wache in Zahlen (Quelle: Langenfeld Aktuell, Ausgabe 2/2009): Nutzfläche: 6.171 qm, Brottogrundfläche: 9.202 qm, Bruttorauminhalt: 34.573 qm, Bauzeit: 21 Monate, Hallenstellplätze: 24 Stück, Höhe Schlauchturm: 24 m (108 Stufen), Verbaute Materialien: Stahlbeton: 3.510 qm, Baustahl: 381 t, Betonfassadenelemente: 825 Stück, Rüttelklinker: 2.685 qm, ca. 141.320 Platten,  Pflaster: 6.200 qm, ca. 210.507 Stück, Fliesen: 803 qm, ca. 40.180 Stück, Innentüren: 230 Stück, Glasfassade/Fenster 2.165 qm, Fahrzeugtore: 32 Stück

 

Zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs

schrieb am 07.03.2009 - Allgemein, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Erschütternde Fernsehbilder vom eingestürzten Stadtarchiv erreichten uns am 3.3.2009 aus Köln. Offenbar, so lässt es der „Beweis des ersten Anscheins“ vermuten, waren Bauarbeiten an der Kölner U-Bahn hierfür verantwortlich. Zur Ursache wird vorgetragen, dass eine Ausspülung im Erdreich ein tiefes Loch vor dem Haus aufgetan habe, in das dieses dann gestürzt sei.
Der Umgang mit den Bildern und Eindrücken ist dagegen vielschichtig: So ist ein großer Teil der Bevölkerung von den menschlichen Schicksalen der nunmehr Obdachlosen bewegt, während sich andere mehr für die technischen und noch andere eher für die versicherungsrechtlichen Fragen interessieren. Nicht wenige allerdings bangen und trauern im Wesentlichen um das verloren gegangene Kulturgut.
Nehmen wir den letzten Aspekt einmal besonders heraus: Losgelöst vom Unglück ist ein jeder solcher Verlust schmerzlich, denn er berührt in erster Linie einen menschlichen Grundwesenszug, die Identifikation mit dem gemeinsamen, kulturellen Erbe. Darüber hinaus wiegt ein solches Unglück um so schwerer, je weniger insbesondere an Urkunden und schriftlichen Aufzeichnungen aus alter Zeit vorhanden ist. Denn was einmal verloren ist, bleibt für immer verloren. So ist viel von dem einstens im Archiv Gelagerten noch gar nicht ausgewertet, manches nur unzulänglich beleuchtet. Zudem bedingen neuere Erkenntnisse immer nachfolgend die Notwendigkeit der Neubewertung des bereits als vermeintlich sicher Geglaubten. Noch schlimmer: Was aus alten Quellen, etwa fehlerhaften, gefälschten oder verfälschten Urkunden einstens heraus gelesen und danach fehl interpretiert wurde, kann aufgrund eines nun nicht mehr möglichen Quellenstudiums nie mehr korrigiert werden. So könnte beispielsweise aus einer falschen Urkunde ein Irrtum erwachsen sein, der von jetzt an verfestigt weiter getragen wird, ein Problem, das ich ähnlich bereits in den Sage(n) vom versunkenen Schloss thematisiert habe.
Damit sei der Bogen zur Stadtgeschichte Langenfelds gespannt, denn unsere Stadt ist ja in vielfacher Hinsicht über die Jahrhunderte hinweg mit Köln verbunden. Nicht nur wegen der räumlichen Nähe wurden deshalb viele Urkunden, Aufzeichnungen, Karten und Fotos, eben auch Langenfeld betreffend, im Kölner Stadtarchiv verwahrt. Sie sind nun ebenso mit diesem untergegangen. Und das betrübt, selbst wenn der womöglich erst in Langenfeld zwischengelagerte und dann nach Köln verbrachte Schatz (der Nibelungen) mit dazu beigetragen haben könnte, vor allem Reichtum und Ansehen Kölns zu mehren.
Doch selbst wenn sich im Zuge der Untersuchungen später herausstellen sollte, dass das kölsche „Et hätt‘ no‘ immer jot jejange“ mitursächlich für die Katastrophe geworden sein könnte, belächelt werden sollten die Domstädter vor dem Hintergrund des alle treffendes Verlustes nicht. Dennoch lässt es sich trotz aller angemahnter Zurückhaltung wieder einmal nicht verhindern, dass eher Düsseldorf Zugeneigte (die von Köln als der Stadt sprechen, deren Name nicht genannt werden darf) es jetzt schon zu wissen glauben, dass nämlich die Kölner viel zu lax mit den Risiken des U-Bahn-Baus umgegangen seien. So hört man schon, dass ein solches Szenario beim Bau der Wehrhahnlinie in Düsseldorf undenkbar sei, trotz eines vergleichbar schlechten, sandigen Baugrundes. Mein Vorschlag: Warten wir doch alle erst einmal die Untersuchungen ab und hoffen darauf, dass doch noch ein großer Teil des Archivmaterials gerettet werden möge.   [07.März 2009]

Berghausen – Wo ist der Berg?

schrieb am 01.01.2009 - Namen und Deutungen, Nonsens, Stadtgeschichtliches - Noch keine Kommentare

Die Ortsnamenskunde vermutet die Besiedlung des Langenfelder Stadtgebietes – nach einer Entvölkerung zur Römerzeit und bis in das frühe Mittelalter hinein – eher in das Hochmittelalter. Selbstverständlich war das Gebiet dennoch nicht völlig verwaist, zum einen gab es Durchreisende und zum anderen werden hier und da Menschen gelebt haben, sicherlich eher versteckt denn in ausgewiesenen Weilern. Deshalb datiert man die Entstehung des Dorfes Berghausen, mangels schriftlicher Aufzeichnungen sowie auch mangels entsprechender Funde in das 9. und 10. nachchristliche Jahrhundert. Erste urkundliche Erwähnung fanden Höfe in Berghausen erst in den Jahren 1218 und 1231, so Rolf Müller in seiner Stadtgeschichte.
Rudy Schörmann weist dagegen in seinem Werk „Berghausen“ darauf hin, dass bereits im 2. nachchristlichen Jahrhundert germanische Tenkterer in das schwach besiedelte rechtrheinische Gebiet nachrückten, nachdem die ursprünglich hier beheimateten Sugambrer in das linksrheinische römische Reichsgebiet gelockt worden seien. Demzufolge also hätte es hier eine doch fast ununterbrochene, wenn auch teils sehr schwache Besiedlung – zieht man Funde aus Feldhausen und Reusrath heran – seit der Steinzeit gegeben. Raubzüge der Hunnen und Normannen werden allerdings wegen der geringen Bevölkerungszahl für den hiesigen Raum keine großen Auswirkungen gehabt haben, resümiert er. Schörmann berichtet weiter von der Rheinüberquerung der Hunnen nach Westen, zwei Jahre vor Attilas Tod im Jahre 451, die sich durchaus in einiger Nähe ereignet haben könnte. Gleiches hält er zum Zug der Nibelungen, Jahre später in der umgekehrten Richtung, für möglich. Soweit zur Frühgeschichte.
Relativ kritiklos nehmen es beide Autoren hin, dass durch die Ortsnamenskunde Berghausen als ein Hausen am Berg gedeutet wird, obwohl zumindest Schörmann darauf verweist, dass es in Berghausen eigentlich keinen Berg gebe. Zwischen höchster und niedrigster Stelle lägen nämlich gerade einmal stolze 8,90 Meter. Manchmal sei mit Berg aber auch nur die Geborgenheit gebende Behausung (die eigene Burg sozusagen) bezeichnet worden, die hier mit zu der Namensgebung beigetragen haben könnte. Zudem weist er darauf hin, dass sich auf einer Karte von 1828 für den Bereich des heutigen Aldi-Zentrallagers die Bezeichnung „Auf dem Berg“ fände und ja auch von einer gewissen Anhöhe gesprochen werden könne.
Nun möchte ich den vorgenannten Herren nicht ernsthaft widersprechen, möchte aber dennoch darauf hinweisen dürfen, dass mich die germanische Siedlungsgeschichte sowie der Straßenname „Im Schneeloch“ zu einer ganz anderen Interpretation verleitet haben. Mit „Berchta“ oder „Perchta“ bezeichnet werde, so der Brockhaus, in Oberdeutschland und im Alpenraum eine mythische Gestalt, die mit Frau Holle gleichgesetzt werde. Sie führe insbesondere in den Raunächten um die Jahreswende herum eine Schar dämonischer Wesen an, besonders in der Nacht vor dem Dreikönigstag (5.1.). Entweder Perchta zur Ehre oder eher um die Dämonen zu vertreiben, werden zudem Perchtenläufe veranstaltet, die an Fasenachts-Umzüge erinnerten.
Gesetzt den (allerdings schon wegen der Lage im mittleren Westen Deutschlands eher unwahrscheinlichen) Fall, dass sich in Berghausen wegen des Schneelochs eine Erinnerung an altgermanische Mythen erhalten haben sollte, hätte sich mit „Berches“ (wie der Ort bei den Einheimischen heißt) vielleicht doch ein Rudiment eines alten germanischen Namens erhalten. Dann wäre Berghausen aus einer sprachlichen Anpassung heraus erwachsen, nämlich über Berchta-Hausen, Berchthausen, Berchhausen zu schließlich Berghausen. (Wobei natürlich die ursprüngliche Endung dann aber wohl kein -hausen gewesen sein kann, denn die ist hochmittelalterlichen Ursprungs.) Aber wie gesagt, außer dem Schneeloch, das in einer ansonsten schneelosen Landschaft herausgeragt haben wird, gibt es für diese Ableitung des Namens keinerlei Hinweise. Und die scherzhafte Umschreibung des Dorfes mit „Berches im Jaden“, also Berches im Garten, dürfte späteren Datums sein. Sie wird auch lediglich zufällig angelehnt sein an das dann aber tatsächlich auf Berchta verweisende Berchtesgaden. Überdies ist das Schürreskarrennen kein Perchtenlauf, sondern eine Adaption einer Veranstaltung aus Bürrig, obwohl die Läufer vollständig in Weiß gekleidet sind und damit natürlich „der Geist des Ortes“ die Berghausener zum Abhalten ihrer inzwischen weithin besonderen Kirmes bewegt haben könnte.   [01.Januar 2009]

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