In den Sandbergen

Vorweg bemerkt, ist es nach völliger Vernichtung des Leichlinger Teils der Sandberge durch die Bauindustrie nicht mehr zutreffend, noch von den Leichlinger Sandbergen zu sprechen. Inzwischen droht zudem der kleine Rest auf Langenfelder Seite ebenfalls und zwar für ein Straßenprojekt zu verschwinden, nämlich für die Verlängerung der Autobahn A 542 zur Solinger Stadtautobahn. Bedauerlicherweise würden dafür Bodendenkmäler geopfert, die noch nicht unter Schutz gestellt sind. Merkwürdig eigentlich, denn bei meinem Besuch im Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege wurde ich (mit Finger auf drei Stellen der Karte der Sandberge) danach gefragt, was diese Bodenstrukturen zu bedeuten haben. Nunmehr interessiert sich niemand mehr dafür. Ohnehin scheint die Fachwelt noch alten Vorstellungen und Interpretationsmustern nachzuhängen. Sei es drum. Inzwischen war ich so tief in die Geschichte eingetaucht, dass ich – wie es Hesse vielleicht formuliert hätte – die merkwürdige Geschichte hören konnte, die das Blut in mir rauscht. Nichtsdestotrotz können natürlich erst Grabungen Gewissheit darüber verschaffen, ob meine Vermutungen zutreffen.

Kellerhansberg

Vielleicht Kirchenburg und Ort des Mordes am kaiserlichen Abgesandten?

Vorab noch einmal der Hinweis, dass nach einer mündlichen Überlieferung ein kaiserlicher Abgesandter im Jahre 973 in Langenfeld ermordet und wegen dieses Mordes die Klostergründung (die schließlich 974 in Mönchengladbach erfolgreich vollzogen wurde) aufgegeben worden sei. Zu diesem Teil der mittelalterlichen Geschichte Langenfelds finden sich einige interessante Burgen im verbliebenen Rest der Langenfelder Sandberge. Daneben besteht über das Gold, das in der Virneburg ausgegraben wurde die Verbindung zu der Sagengeschichte, die bereits aufgelöst wurde, und über die Staue Verbindung zu den restlichen Schauplätzen der Geschichte. Doch zu den Objekten:

Im Bild oben links ist eine Talburg zu erkennen, im Vordergrund der Turmhügel, im Hintergrund ein Teil des ihn umschließenden Talkessels, siehe hierzu auch die Skizze rechts. Solche Anlagen entstanden durch das Zusammenziehen von Anhöhen rund um ein Tal. Der Turmhügel könnte durchaus der Ort eines Mordes gewesen sein, um im Besitz des Goldes aus der Virneburg-Motte zu bleiben.

An der Deponiezufahrt

Die Bedeutung ist ungewiss, mag sein dass hier die Bauleute wohnten

Nicht weit weg findet sich möglicherweise an der heutigen Deponiezufahrt ein einstmals überwachtes Lager, dass von den Arbeitern an der Klostergründung bewohnt worden sein könnte. Hintergrund könnte gewesen sein, dass es in der Burg oben, die mutmaßlich von einer hochrangigen Persönlichkeit bewohnt worden sein könnte, zu eng geworden ist. Auch eine Ausquartierung der Arbeiter aus Sicherheitsgründen könnte dienlich erschienen sein. Eine mögliche dritte Burg schließlich könnte als Motte gegründet und zur Hangburg ausgebaut worden sein. Sie wird weiter unten als Skizze vorgestellt. Soweit nicht Tagebau-Tätigkeiten hierfür verantwortlich sind, könnten alle Anlagen planmäßig außer Stand gesetzt worden sein (Prinzip der verbrannten Erde). Sollten sich in der dritten Anlage Soldaten befunden haben , die über eine längere Zeit dort ausharren mussten, könnten diese mit den Ausbauarbeiten zu der Anlage über den gesamten Spürklenberg hinweg beschäftigt worden sein, vielleicht, weil sie mit der Klostergründung rein gar nichts zu schaffen hatten. In Betracht kommen hierfür die Mannen um den kaiserlichen Abgesandten, der zudem kaum allein um der Besichtigung einer Klosterbaustelle willen in das damals dünn besiedelte Langenfeld gekommen sein wird. Auch wird es keine Urlaubsreise gewesen sein, denn hier verbringt man üblicherweise nur als Schreiberling seine „Ferien“ und die vor dem Rechner. Es könnte daher der Fund des Goldes gewesen sein, nach dem Motto, ein „königlicher Schatz“ sei des Kaisers und nicht der Kirche.
Dass er übrigens der Kirche zugefallen sein könnte, lassen die 48 Könige in den Chorfenstern des Kölner Doms vermuten, die womöglich auf den heutigen Aufenthaltsort des Goldes herabschauen: Den Kölner Dreikönigsschrein. Immerhin sei – so geht eine weitere Sage – binnen zwei Tagen soviel Gold, Silber, Perlen, Edelsteine und Juwelen zusammengekommen, dass man davon den Schrein hätte in Auftrag geben können. Ob es dann aber im Falle des von mir vermuteten Verbleibs des Schatzes der Kölner Erzbischof selbst gewesen ist, wie ich bereits an anderer Stelle vermutete, oder Schergen dieses Mannes oder gar Mitglieder einer militanten klösterlichen Vereinigung, etwa Templer oder Deutschritter, die den Mord verübten und das Gold nach Köln verbrachten, muss an dieser Stelle einmal offen bleiben.

Am Spürklenberg

Der Abgesandte wird „standesgemäß abgestiegen“ sein. Seine Burg?

Die Klosterbaustelle selbst, als letzte Anlage des Jahres 973, wurde durch einen Weg vom Mauspfad, der alten Nord-Süd-Handelsverbindung, aus zugänglich gemacht, der noch heute den Namen Möncherder Weg trägt und nach mündlicher Überlieferung von den Mönchen – daher der Name – angelegt wurde. Da für das Kloster ebenfalls mit am Ort verfügbaren Materialien gebaut wurde (denn wenn überhaupt steinerne Fundamente vorhanden gewesen sein sollten, dürften diese später beim Hausbau Verwendung gefunden haben) sind heute nur noch Graben-Wallanlagen um einen rechteckigen Platz, Wegstrukturen und möglicherweise Überreste von mutmaßlich zwei Kappellen vorhanden (auf die Fotos der Seite zur Marienfigur sei verwiesen). Bezüglich der in der Skizze gezeigten Bodenstrukturen wurde wegen der dichten Bewaldung und des Ausmaßes der Anlagen auf die Einstellung von Bildern verzichtet, wofür ich um Nachsicht bitte.

Zu Spürklenberg und Kellerhansberg die Bilderstrecken Sandberge

Eine andere Erklärung der Bodenstrukturen am Gladbach böten die römischen Urnenfunde auf einem Acker in der Nähe. Vermutet wird aufgrund dessen auch die Existenz eines römischen Standlagers in Immigrath, welches möglicherweise nur über eine kurze Zeit hinweg zur Niederschlagung germanischer Aufstände angelegt worden sein könnte. Viel Forschungsarbeit für Archäologen und Geschichtswissenschaftler, wenn sie diese Aufgabe überhaupt einmal angehen möchten und nicht alles der Zerstörung anheim fallen lassen wollen. – Anmerkung: Noch immer warte ich auf einen Termin mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege, um die Gelegenheit zu erhalten, meine Überlegungen einmal darzulegen. So bleibt derzeit nur die Hoffnung, dass die Bodenstrukturen erhalten bleiben und nicht von forstwirtschaftlichen Maschinen oder gar aufgrund der Bautätigkeit völlig vernichtet werden.

Eine nicht veröffentlichte Artikelserie sowie vom „Großen Geschichtsprojekt

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