Die Geschichte der Möckenburg

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Die Bepflanzung erschwert die Gesamtsicht

Eine Auflösung: Wie mit den beiden Sagenversionen aufgezeigt, liegen zwei Berichte vor, die entweder einen oder aber zwei unterschiedliche Sachverhalte schildern. Die Deckungsgleichheit in wesentlichen Elementen spricht zunächst für nur eine Geschichte, wiedergegeben mit den Worten zweier unterschiedlicher Erzähler. Diese deckungsgleichen Elemente der Sage sind neben dem Raubrittertum die Schilderung eines Brautraubs und die Strafe des Himmels dafür. Mit der Schilderung einer göttlichen Strafe dann warten beide Überlieferungen mit einer fetten Sensation auf, denn eine göttliche Strafe des Ritters sieht das Christentum nicht vor, schließlich starb Jesus am Kreuz, um die Schuld der Welt hinweg zu nehmen. Beide Berichte sind folglich mit christlichen Vorstellungen nicht in Einklang zu bringen.

Früheres Modell der mutmaßlichen Möckenburg

Verbaut! Grundriss der vermutlichen Burg falsch gedeutet und zu wenig Platz für den Turmhügel, der deshalb deutlich zu klein geriet. Dennoch viel gelernt.

Eine Verknüpfung des Schicksals der geraubten Braut mit einer göttlichen Strafe des Ritters aber muss begründet sein. Wenn die Beobachter der Szene dies so empfanden, lässt sich nur der gemeinsame Tod beider, so wie es die zweite Version berichtet, denken. Dann wird der Ritter mit dem Tode gerungen, sie aber erlöst von den Qualen irdischen Lebens abgetreten sein. Erlöst zu sterben, erfordert allerdings die Bewältigung des Leids im Rahmen eines (Selbst-) Heilungsprozesses der Seele, wie früher solche durch Märchenerzählungen unterstützt wurden. Da der Ritter sie aber nicht nur geraubt, sondern sich mutmaßlich auch vielfach an ihr vergangen haben wird, hatte sie ein sexuelles Schlüsselerlebnis, nämlich die Vergewaltigung/en für sich aufzulösen. Bei einer christlichen Trinität aus Vater-Sohn und Heiligem Geist konnte sie dafür keine Hilfe erwarten: Der Heilige Geist ist Teil der Schöpfung, Gott-Vater schickte seinen Sohn, dessen Aufgabe es war, die Schuld der Welt hinweg zu nehmen. Für Lohn und Strafe kam somit nur eine Person in Betracht, nämlich die Gottesmutter. Somit enthalten beide Berichte die zu erschließende Aussage, dass Gott nicht nur belohnt und bestraft, sondern Gott zudem eine Frau ist.

Die Burg nahe der Dückeburg

Der vermutete „Untergang der Burg“ wird nur die Herrschaft betroffen haben, sodass Überlebende berichten konnten.

Zum Gottesbild: An dieser Stelle ist selbstverständlich Widerspruch zu erwarten, denn diese Überlegungen widersprechen unserem heutigen Gottesbild. Doch schon der chinesische Urphilosoph Laotse formulierte vor 2.500 Jahren im Buch Taoteking: „Rückkehr (nämlich der Seele) ist die Bewegung der Führerin des Alls.“ Goethe wechselte nach Schamanenjahren (Faust, 1. Teil) im Rahmen einer erneuten Initiation auf die mystische Seite (2. Teil) und bittet die Königin des Himmels, ihm gnädig zu bleiben. Hesse folgte ihm, wie auch der meist fehl verstandene mystische Philosoph Friedrich Nietzsche, zunächst auf falscher Fährte nach und gab daher im Steppenwolf die Warnung mit dem Irrgarten „Magisches Theater“ weiter, damit der Leser im Leidensprozess nicht etwa die schöne Frau (die weibliche Seele) töte.
Damit wird deutlich, in welcher „Liga“ die geraubte Braut wirkte, in der der Dichter, Denker und Religionsstifter. Mit diesem Ergebnis können weiterhin die Elemente aus beiden Berichten herausgezogen werden, die mit dem Schicksal der Frau zu verknüpfen sind und es können Bodenstrukturen dem berichteten Ereignis zugeordnet werden. Ritter und Braut kamen somit gemeinsam um, von großem Reichtum jedoch keine Spur. Dennoch könnte es große Schätze gegeben haben, allerdings nicht in dieser Burg, zu der noch nachzutragen ist, dass nur der Turmhügel mit der „Herrschaft“ versank (siehe Skizze), nicht aber die Vorburg.

Links stand einmal der Turmhügel

Mutmaßliche Vorburg, Turmhügel-Seite, links davon befand sich wohl der Ort der Katastrophe. Der Blick (im Modell) ginge von der „Schriftecke“ in die hintere Vorburg

Weitere Sagen, ergänzend zur Lösung: Auf die entwickelte Lösung weisen weitere Sagen hin: So erzählt die Sage vom versunkenen Schloss im Blutsberg in Österreich vom Missbrauch (wohl eines Küchles) und von der Erlösung eines weißen (weisen) Fräuleins. Weiter berichtet eine solche aus Biesenthal, neben einer weiteren Sage um ein Schloss, von der Weisheit einer verwünschten (verwunschenen) Prinzessin. Dies mag genügen, die Aufzählung ließe sich fortführen. Verwiesen sei auch auf die Seite „Links“.

Nachgetragen sei, dass inzwischen (Mai 2015) ein neues, verbessertes Modell auf Basis einer Neuvermessung erstellt wurde. Den Bericht dazu finden Sie im Blog unter „Die Möckenburg im Modell

Die Bilderstrecke zur Möckenburg:

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