Heiligen- / Marienfigur und Blockbachmotte

Zum Fund: In dem bereits vorgestellten Werk zu den Sage(n) vom versunkenen Schloss spreche ich eine weibliche Holzfigur an, die ebenso schnell auftauchte, wie sie wieder verschwand. Sie wurde von den Findern als mögliche Marienfigur identifiziert und ist nach der Beschreibung vielleicht mittelalterlichen Ursprungs. Trotz der Vergrabung der Figur und ihrer unsachgemäßen Lagerung gehört die ca. 40-50 cm große Statue heute jedoch keinesfalls in die Hände irgendeines Kunstsammlers, sondern selbstverständlich in das Stadtmuseum nach Langenfeld. Doch der Reihe nach. Zunächst zu ihrer Entdeckung und nachfolgend zu ihrer möglichen Geschichte:

Die Fundgeschichte: Es begab sich in den 1950er Jahren, als ein Anwohner der Hochstrasse mit Tochter und deren Freundin wohl unerlaubte Grabungen an der Blockbachmotte, der jüngsten Motte Langenfelds, vornahm. Der heute alte Herr ist wohl nicht mehr so gut dabei, dafür kann sich jedoch seine damals heranwachsende Tochter noch gut des Vorgangs erinnern. Aufgrund der Erzählungen ihres Vaters seien die beiden Mädchen so sehr von der Idee der Schatzsuche beflügelt gewesen, dass sich der Herr erweichen ließ und mit ihnen in Richtung Blockbachmotte aufbrach. Im Bereich einer der beiden Vorburgen habe man dort nach dem Schatz gegraben, von dem die Sage erzähle. Auf meine Rückfrage, wie man in dem nicht gerade kleinen Gelände (auch wenn es sich um eine kleinere Burg handelte) die Stelle ausgemacht hätte, um zu graben, antwortete sie, man habe sich spontan für eine bestimmte Stelle entschieden. Schon nach kurzer Zeit sei man auf eine weibliche Heiligenfigur gestoßen, die als Marienbildnis identifiziert wurde. Die etwa 40cm – maximal 50cm hohe Statue habe man dann auf dem Gepäckständer des Fahrrades mit nach Hause genommen und schließlich im Vorgarten der Freundin in einem Blumenbeet postiert. Dort sei sie leider über Nacht entwendet worden, die Freundin könne sich darob heute weder an die Figur noch an deren Verbleib erinnern. Diese Version der Geschichte erzählte mir vor einigen Jahren der alte Herr selbst am Telefon, sodass von einem wirklichen „Schatzfund“ auszugehen ist. Höchst vorsorglich sei angemerkt, dass ich es bei seiner leidenschaftlichen Vortragsweise ausschließe, dass er die Figur zuvor vergrub, um den Mädchen einen Schatzfund zu präsentieren. Wohl eher hätte er zudem einen anderen Gegenstand oder gar eine Barschaft vergraben, denn eine weibliche Heiligenfigur. Und die Tochter erweckt einen ebenso glaubwürdigen Eindruck, sodass von der Wahrheit der Geschichte, nämlich dem archäologisch bedeutsamen Fund einer historisch wertvollen Figur auszugehen ist.

Motte am Flachenhof

Zum Verständnis fertigte ich verschiedene Modelle, hier die Blockbachmotte. Für ein maßstabsgerechtes Modell hätte natürlich zunächst vermessen werden müssen.

Fiktive Figurgeschichte: Nehmen wir an, es gab eine weibliche Heiligenfigur im Bereich einer der beiden Vorburgen der Blockbachmotte, könnte diese zum Schutz der Bewohner vergraben worden sein. Denn sollte diese aus der ersten Bleibe stammen, vergrub man sie womöglich, weil man ihr den Untergang der Möckenburg zuschrieb. Das wäre anzunehmen, wenn die Statue angebetet der geraubten Braut in ihren schlimmsten Stunden eine von außen vermutete Hilfe dargeboten hätte. In diesem Falle könnten die Mitbewohner der untergegangenen Burg auf den Gedanken verfallen sein, wenn die Figur Hilfe bieten kann, sie andererseits den Untergang des Ritters mit seiner Burg herbeigeführt haben könnte. Tieferer Hintergrund: Einem vermuteten Lohn seiner geraubten Braut für ihre Bemühungen um ihr Seelenheil hätte man eine göttliche Strafe des Ritters für diesen Raub entgegengestellt. Und hier kann es nur der Anblick der Toten gewesen sein, der diese Überlegung bedingte, sonst wäre der Untergang der Burg in der Sage nicht mit dem Raub der Braut verknüpft und dieser als göttliche Strafe bezeichnet worden.

Flechtzaun in Kalkriese

Nicht immer kamen Palisaden zum Einsatz. Die Vorburg wird eher durch Flechtwerk gesichert gewesen sein.

Nehmen wir also ein solches Szenario an, stellte sich die Frage, woher eine solche Figur gestammt haben könnte. In Betracht käme eine vom Ritter finanzierte Kirche, weil die Pfarreien im Mittelalter über wenig eigene Mittel verfügten und die Kirche daher auf die Freigiebigkeit der Grundherren angewiesen war. Andererseits wäre auch eine Herkunft aus der in Langenfeld aufgegebenen Klostergründung denkbar. Bezüglich des Klosters wird im Übrigen immer wieder nach steinernen Zeugnissen (einer Grundsteinlegung) gefahndet, doch nie ins Kalkül gezogen, dass eine Gründung zunächst mit nur am Ort vorhandenen Baumaterialien erfolgt sein könnte. In Betracht käme ebener Baugrund mit gutem Land und ausreichender Wasserversorgung. Alles bot eine Fläche, die von mir am Gladbach ausgemacht wurde. Am Rande einer mit Wällen und Gräben eingefassten Fläche wird eine mit Apsis versehene Bodenstruktur erkennbar, die mich allerdings wegen der Nordausrichtung irritiert. Ein nördliches Querschiff einer größeren Anlage wiederum ist wegen einer Apsis weniger wahrscheinlich. (Ein zweites, zur A 542 hin gelegenes, ebenfalls nicht vollständig umschlossenes Rechteck – ist in Google Earth schön zu erkennen – findet sich übrigens im Wäldchen südlich, gemeinsam mit zwei geraden, auf die erste Fläche zulaufenden Wegen.) Allerdings lässt die Lage zum einst sicher sumpfigen Gladbach und ihre nach Norden und Osten geschlossene Einfassung ebenso an ein römisches (Sommer-) Standlager denken, sieht man Wälle in Kalkriese oder liest man Berichte zu solchen Lagern etwa bei Tacitus. Römische Urnenfunde in nächster Nähe auf einem Acker in Immigrath könnten auch diese These stützen. Den Bodenstrukturen selbst sieht man leider weder ihr Alter noch ihre einstige Bedeutung an.

Nicht untersuchte Bodenzeichnungen am Gladbach

Im Wald am Gladbach finden sich Reste eines römischen Standlagers und von Kapellen, Ort der Gründung?

Klostergründung / Erweiterte Figurgeschichte: Doch gesetzt den Fall, die Römer hätten in Langenfeld immer „ordentlich was auf die Mütze bekommen“, dass man sich hier nicht mit einem Lager einrichtete, könnte der zuvor gesponnene Faden um die Heiligenfigur bei einer Klostergründung am besagten Orte wieder aufgenommen werden: Zum geschichtlichen Hintergrund ist übrigens auszuführen, dass einer Überlieferung zufolge eine Klostergründung des Jahres 973 in Langenfeld nur deshalb aufgegeben worden sei, weil ein kaiserlicher Abgesandter hier ermordet wurde. Die Tat sei als ein böses Ohmen gedeutet und die Klostergründung deshalb 974 an einem anderen Gladbach, aber von denselben Mönchen vollzogen worden. Der diese Geschichte widerspiegelnde Name der so getauften Stadt ist zumindest Fußballfreunden ein Begriff: Mönchengladbach.

Doch zurück zur Figur: (Nun wird es zwar sehr spekulativ, ist aber das Problem, wenn man nicht graben darf und trotzdem über alle Bodenstrukturen Aussagen treffen können möchte.) Sie könnte von den Mönchen mitgebracht und in der bereits erwähnten kleinen Kapelle (mit der Nordausrichtung) an der Baustelle aufgestellt worden sein. Das folgende Bild zeigt eben diese, etwa fünf mal sieben Meter messende Kapelle. Geht man davon aus, dass die Mönche nicht nur – nach der Bergung des Schatzes – verbrannte Erde hinterlassen wollten, könnte die Statue an Ort und Stelle in einer kleinen Holzkirche verblieben sein, die jedoch schließlich verfiel (wir sprechen von vielen Jahrzehnten, wie gleich noch aufzuzeigen sein wird). Sollte sie nicht von dort unmittelbar in die Burg verbracht worden sein, könnte wegen ihres Verfalls sogar ein weiterer Zwischenaufenthalt  erforderlich geworden sein.

Klosterkapelle1

Womöglich die erste Kapelle am Ort der Klostergründung. (Der Ort wird auch von „asozialen Schwachköpfen“ immer mehr zerwühlt.)

Neben einigen weiteren „Löchern“ und Erhebungen innerhalb der dreiseitigen Graben-Wallanlage (Skizze oben) findet sich nämlich, noch einmal ein Stück vor der eigentlichen Klosterbaustelle (ich bin so frei, sie jetzt als solche zu bezeichnen) eine weitere wallförmige Bodenerhebung, die ebenso auf verrottetes Holz einer kleinen Kapelle, hier von etwa 3,5 Metern im Durchmesser hindeuten könnte. Da wegen des Bezuges zur umfassten Gesamtfläche nur das größere der beiden hier beschriebenen Gebäude mutmaßlich der Klostergründung zugeschrieben werden kann, könnte man das kleinere (vielleicht für die Figur) nach dem Untergang des größeren Gebäudes errichtet haben. Dieses mutmaßlich jüngere der beiden Gebäude war möglicherweise siebeneckig, wobei jedoch der genaue Grundriss schwer auszumachen ist. Es könnte des Weiteren über zwei oder vielleicht drei Stufen begangen worden sein. Zu den sieben Ecken wäre anzumerken, dass die Zahlen Sieben und Neun der Muttergottes zugeschrieben werden, damit vielleicht bereits die Form des Gebäudes Aufschluss darüber geben könnte, wer denn hier verehrt wurde. Diese mögliche Kapelle zerfiel womöglich wegen der Verbringung jener Figur in die Möckenburg. Dort war sie dann zunächst dem Ritter zur Brautschau zweckdienlich und später der geraubten Braut eine Stütze in ihrem Martyrium.

Zum Alter und zur Bedeutung beider Bauwerke ließen sich noch Wegereste heranziehen. Bemerkenswert ist nämlich ein noch zu erkennender Weg auf die erste Kapelle zu, der durch viele Füße und häufiges Begehen entstand. Selbst wenn er von den Mönchen mit ihren Füßen zum Morgen- und Abendgebet angelegt worden wäre, so ist der Baugrund doch nicht so weich, als dass er diese Vertiefung während der nur kurzen Anwesenheit der Klosterbauleute erreicht haben könnte. Es müssen viele, viele Füße über eine längere Zeit gewesen sein, die den Weg schufen, im Übrigen nicht auf geradem Wege von der Zuwegung aus, sondern mitten durch das Gelände. Dies aber lässt darauf schließen, dass das Gebäude eine besondere Bedeutung gehabt haben, vielleicht eine Wallfahrtsstätte gewesen sein könnte. Da ein solcher Weg zu dem kleineren Gebäude hin fehlt, dürfte dieses nicht über einen vergleichbaren Zeitraum besucht worden sein. Dies wiederum spräche für eine Wegnahme der Figur aus der zweiten Kapelle – und eine möglicherweise damit verbundene Umleitung der Pilgerströme.

Fazit und Hinweis: Selbst wenn die hier dargelegten Annahmen zum Gang der Geschichte äußerst spekulativ sind und zur Herkunft der Figur überhaupt nicht zuträfen, handelte es sich dennoch um eine historisch wertvolle Figur, um deren Rückgabe ich dringend bitten möchte. Und noch ein Hinweis: Es sei darum gebeten, keine eigenen Grabungen vorzunehmen, denn jede Grabung zerstört. Auch Archäologen zerstören, doch gibt Ihnen eine Grabung Aufschlüsse, die der Laie niemals erkennen würde. Dies gilt im Übrigen im gleichen Maße für die anderen hier bezeichneten Fundorte.

Hier noch eine Bildergalerie zu der besprochenen Turmhügelburg, die sich auch im Bild auf der Startseite findet:

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