Stadtgeschichte

Erster Überblick / Geografie:

Langenfeld ist eine rund 60.000 Einwohner zählende Stadt in Nordrhein-Westfalen, zwischen Köln und Düsseldorf an der so genannten Rheinschiene gelegen. Das Gebiet erstreckt sich auf alten Flussterrassen rechts des Rheins, verteilt über einen schmalen Streifen der Niederterrasse, weiter die gesamte Mittel- sowie die Oberterrasse und dies zwischen Hilden im Norden und Leverkusen im Süden. Dazu gesellen sich im Osten noch einige Hügel der Sandberge sowie des Vorbergischen, jedoch alles in allem eine relativ ebene Siedlungs-, Wald- und Landwirtschaftsfläche.
Erstmals auftauchend in Karten aus der Zeit des früheren Herzogtums Berg, leitet sich der Name „Langenfeld“ aus der Gebietsbezeichnung „Im langen Feld“ ab. Diese wurde in alter Zeit für einen größeren Raum verwendet und zwar für die lange, landwirtschaftlich genutzte Flur zwischen Itter im Norden und Wupper im Süden, dem Rhein im Westen und dem Bergischen Land im Osten. Erst 1808 legte man innerhalb dieses Raumes die fünf Dörfer Richrath und Reusrath (diese beiden zwischendurch auch gemeinsam Namens gebend als Gemeinde Richrath-Reusrath), sowie Immigrath, Berghausen und Wiescheid zur Bürgermeisterei „Langenfeld“ zusammen. Bis schließlich aus der einstmals größten Landgemeinde Preußens im Rheinland das heutige Mittelzentrum hervorging, war es allerdings ein weiter Weg, der hier kurz skizziert sein soll.

Frühgeschichte / Altertum

Funde vom Rosendahlsberg, einem Flussterrassen-Geländesporn Reusraths zur Wupper hin, datieren aus der Altsteinzeit bis hinein in die Völkerwanderungszeit. Vertreten sind allein dort Siedlungsspuren aller Art aus Alt- und Jungsteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit (Hallstatt- und La-Tène-Zeit) sowie nachfolgend aus römisch-germanischer Epoche. Sie enden um das Jahr 360 nach Christus und unterstützen damit römische Jubelberichte (etwa des Kaisers Julian), wonach die vielfache Verheerung der Wohnorte der am Rhein lebenden Germanen schließlich zu einer vollständigen Entvölkerung dieses Landstriches geführt habe. Ob dem tatsächlich so ist, wird in der Forschung kontrovers diskutiert. Unstreitig ist jedenfalls ein Tiefpunkt der Bevölkerungsdichte in den kölnischen Rheinlanden zur Mitte des 5. Jahrhunderts (Eugen Ewig). Andererseits deuten Namensforscher wie „Hans Bahlow“ hier vertretene Orts- und Flurnamen als solche keltischen Ursprungs. Dies hätte zur Folge, dass schon deshalb eine, wenn auch kleine Bevölkerungsgruppe eine durchgängige Besiedlung Langenfelds seit der Steinzeit gewährleistet haben könnte. Unterstützt wird die Vermutung zu wenigen Alt- und einigen Neubürgern im Rheinland sogar durch römische Geschichtsschreiber selbst. Denn schon ab dem Jahr 400 wird von erneuten Kriegszügen gegen die Franken rechts des Rheins berichtet. Ebenfalls spricht die fränkische Übernahme Kölns ab 430 nach Christus sowie die darauf folgende längere Friedensphase nicht eben für eine Jahrhunderte währende vollständige Entvölkerung, wie es uns die Römer zur Überhöhung ihres Sieges weismachen wollten. In Langenfeld sind jedoch bislang Scherben als Neufunde (offiziell) erst wieder aus der Wende zum 7. Jahrhundert zu benennen. Die aus Richrath stammenden Funde könnten natürlich ebenso gut von Durchziehenden stammen. Schließlich verlief der Mauspfad als Nord-Süd-Handelroute rechts des Rheins bereits seit der Bronzezeit mitten durch Langenfeld. Lange Zeit galt der im Übrigen als einziger Handelsweg durch Langenfeld, bis im Januar 2016 ein 2500 Jahre altes Gräberfeld westlich der B 8 / Einmündung „An der Landstraße“ in Berghausen gefunden wurde. Da die Germanen an allen alten Straßen ihre Gräber anlegten, wird wohl auch die einstige via publica bereits vor 2500 Jahren existiert haben. Durch die C-14 Analyse dann jedenfalls zweifelsfrei einem Jahr und damit wieder einer (wenn auch auf römischer Propaganda fußenden) Lehrmeinung zugeordnet werden konnte der Knochen eines Menschen, der seine letzte Ruhestätte 796 an der Kirche von St. Martin in Richrath fand. Das ergaben 2002 Ausgrabungen dort sowie die nachfolgenden Untersuchungen der Funde. Damit wäre nach derzeitigem Erkenntnisstand (und herrschender Lehrmeinung) archäologisch eine erneute Besiedlung seit dem Ende des 8. Jahrhundert nachgewiesen und gleichzeitig der „Rückläufigen fränkische Landnahme“, also der Rückkehr der Franken in ein früheres Siedlungsgebiet, ein weiteres Beispiel hinzugefügt. Nicht verschwiegen seien darüber hinaus Jungsteinzeitliche Funde aus Feldhausen und Immigrath, die gleichfalls auf eine lange Siedlungsgeschichte hier am Ort schließen lassen.

Bauernhaus des Altertums

Frühes Siedlungshaus hier lebender Menschen im Altertum

Kelten, Germanen und nachfolgend Franken weideten folglich hier ihr Vieh, bestellten und bewohnten unser Land. Bei allen drei „Völkern“ handelte es sich größere Volksgruppen, die in Stämme zerfielen, welche von Heerführen, später Kleinkönigen (Wandel von der kriegerischen zur grundherrschaftlichen Aristokratie), geführt wurden. Namentlich bekannt wurden diese Stämme teilweise durch Aufzeichnungen der Römer oder später durch den merowingischen Geschichtsschreiber Gregor von Tours (Historia „Francorum“). So wird angenommen, germanische Tenkterer und Usipeter hätten hier einst rechts des Rheins in ihren typischen bis zu 30 Meter langen und bis sechs Meter breiten Häusern gewohnt. Andere sehen die Usipeter jedoch weiter nördlich und sprechen von Sugambrern, die irgendwann zusammen mit den Tenkterern von Sueben (Alamannen) vertrieben worden seien. Relativ einig ist man sich jedoch über später hier wohnende, bereits den Franken zugerechnete Brukterer (manche vermuten allerdings auch die Chatten, wohl eher: Chattuarier), die den Römern mit ständigen Kriegszügen immer wieder Anlass boten, das Rheinufer für Strafaktionen zu wechseln. So mag es sein, dass wir am Gladbach Reste eines alten Sommerlagers der Römer, dagegen mit der Ringwallanlage in Hapelrath eine germanisch-fränkische Befestigung aus gleicher Zeit bewundern können. Untersuchungen zu beiden Orten stehen allerdings aus, wobei der erstgenannte nach meinem Dafürhalten zusätzlich für die Klostergründung in Betracht kommen und der zweite im Mittelalter zusätzlich eine Motte beherbergt haben könnte. Ab 357 bezeugt sind dann fränkische Salier (Salfranken), die sich, aus den Niederlanden stammend (namentlich mit „ui“ nachzuweisen in „Duisburg“ und „Gruiten“), auf der rechten Rheinseite ansiedelten. Schließlich wird noch von einem Kriegszug des merowingischen (salfränkischen) Königs Theudebert I berichtet, der als Prinz zwischen 511 und 532 einen Einfall der Dänen in das Gebiet der Chattuarier abzuwehren hatte. Deren Siedlungsraum umfasste das westliche Ruhrgebiet südwärts bis Düsseldorf, vielleicht auch bis in das heutige Langenfeld hinein. Immerhin dürfen wir aus all dem zumindest schließen, dass sich das Rheinland von jeher als ein Ort, um zu leben, angeboten hat. Mit weiter der Stadt Köln, nur wenige Kilometern südwärts gelegen, und dem „Mauspfad“ als Teil des Handelswegenetzes bis an Ost- und Nordsee dürfte Langenfeld somit wohl zu keiner Zeit vollständig entvölkert gewesen sein.

Nehmen wir diesbezüglich aber noch einmal die von den Gelehrten vermutete „siedlungsfreie Zeit“ zwischen 360 und 796 nach Christus genauer ins Visier: Neben dem erneuten Kriegszug der Römer um 400 beweist gerade Theudeberts Feldzug in die „Antiqua Francia“ (das rechtsrheinische Siedlungsgebiet der Franken) zu Beginn des 6. Jahrhunderts, ein bestehendes merowingisches Interesse an den landwirtschaftlich genutzten Flussterrassen rechts des Rheins, darüber hinaus eine Hilfe für die hier lebenden fränkischen Stammesgenossen. Ohne Siedlungsstrukturen aber wäre eine Besiedelung nicht denkbar, sei es eine solche der Salfranken oder eine der noch lange als Stamm einzeln existierenden Chattuarier. Beider Behausungen waren im Übrigen noch nicht auf Dauer angelegt, sondern wurden von den halbnomadisch überwiegend von der Viehwirtschaft Lebenden nur „semipermanent“, also von Zeit zu Zeit genutzt. Da unsere Siedlungsstrukturen zudem in ihren Grundzügen in merowingischer Zeit entstanden, dürften Höfe und Häuser durchweg unter der heutigen Bebauung liegen (Eugen Ewig), was deren archäologische Entdeckung naturgemäß einschränkt. Insofern ist es nicht ausgeschossen, dass die einstigen Häuser unserer Vorfahren noch bei Baumaßnahmen in der Zukunft ans Tageslicht kommen könnten. Haben wir also ein Auge auf Pfostenlöcher, dunkle Verfärbungen im Boden, die auf die Balkensetzungen der einstigen Bewohner schließen lassen oder auch auf Abfallgruben, Tonscherben, Grabreste oder Münzen. Die Annahme lange währender Besiedlung würden überdies Ortsnamen auf -ingen, -dorf oder -heim stützen, die zum Teil als Gründungen des 5. Jahrhunderts angesehen werden können und ihrer Bedeutung dem römischen Wort „villa“ entsprächen (Eugen Ewig). In Reusrath wären dies übrigens „Hausingen“, „Köttingen“ und „Bodingen“, über die Stadtgrenze hinaus „Rheindorf“, „Düsseldorf“ und „Monheim“, die damit dem 5. Jahrhundert zuzurechnen wären. So jedenfalls entstände eine zeitliche Brücke zwischen der aufgefundenen letzten Bestattung am Rosendahlsberg 360 nach Christus und der ersten (nachgewiesenen) Neubestattung im Jahre 796 in Richrath. (Die versehentlich früher getätigte Falschangabe ‚779‘ bitte ich, mir nachzusehen.) Dass darüber hinaus Orte auf – rath wie „Richrath“, „Reusrath“, „Schnepprath“, „Hapelrath“, „Immigrath“ usw. der rückläufigen fränkischen Landnahme und damit dem ausgehenden 8. Jahrhundert zugeordnet werden müssen, steht dem nicht entgegen. Nach einer weitgehenden Entvölkerung in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts entstanden nämlich vielfach neue Großwälder, die von den Siedlern der rückläufigen fränkischen Landnahme erneut in Besitz (gerodet – Rodung – Rath) genommen wurden. Auch in Langenfeld finden sich mannigfach Beispiele von Wüstungsstellen einstiger Höfe in den heutigen Wäldern, die eine solche teilweise Rückeroberung alten Siedlungsraumes wahrscheinlich erscheinen lassen.

Das Mittelalter

Modell altes Bauernhaus

Noch ein Einraumhaus mit dem Vieh unter einem Dach. Modell eines Althauses in Schloss Gottorf

Mittelalterliche Funde aus Langenfeld, die uns vom Leben unserer Vorfahren berichten könnten, sind leider rar. Immerhin vermutet man hier wie anderenorts zu Beginn des Mittelalters eine noch ganz ähnliche Lebensweise zu der des Altertums. Besehen wir uns dazu noch einmal die Lebens- und Bauweise unserer früheren Altvorderen: Die einfachsten Hütten der Franken waren rechteckige, etwa ein Meter tiefe Gruben im Boden. Mittig an deren Stirnseiten wurde je ein Balken aufgerichtet und mit einem langen Firstbalken verbunden. Dieser hatte schließlich ein aus Stroh, Flechtwerk, Rinden, Moosen und/oder Grassoden gebildetes Zeltdach zu tragen. Gekocht wurde in einer Steinsetzung inmitten des Hauses, das durch Türen jeweils in den Flechtwerk-Stirnseiten belüftet wurde. Kamine gab es mutmaßlich nicht. Die etwas aufwändigeren Hütten waren solche mit sechs Balken, Lehm verputzten Flechtwerkwänden und einer den einfachen Hütten vergleichbaren Dachkonstruktion. Auch hier dienten Türen in den Stirnseiten der Be- und Entlüftung, denn Fenster im heutigen Sinne gab es nicht. Da die Balken für das Fachwerk nicht tief in den Boden geschlagen wurden, sind die Pfostenlöcher dieser Häuser kaum noch aufzufinden. Man lebte im Übrigen vorwiegend von der Land- meist der Viehwirtschaft, kannte keine Düngung und war deshalb genötigt, nach ein paar Jahren weiter zu ziehen. Nach der Erholung des Bodens kam man meist für ein paar Jahre zurück, richtete die Hütten wieder ein und zog dann erneut weiter. Diese halbnomadische oder halbsesshafte Lebensweise der Wanderbauern erschwerte es natürlich den Römern, die Germanen empfindlich zu treffen, selbst wenn sie in blinder Wut (und dafür von den eigenen Intellektuellen gegeißelt) Dutzende Dörfer, eher locker im Verbund liegenden Einzelgehöfte, nieder brannten.

Während das Bauernleben in Wanderschaft erst allmählich einer sesshaften Lebensweise wich, blieben die Grundkonstruktionen der Gebäude denen des Altertums vergleichbar. Betrachten wir uns dazu erhaltene, einfache Fachwerkhäuser in Langenfeld, finden wir Fachwerk, teils ohne Keller und lehmverputztes Flechtwerk, früher natürlich mit Stroh- statt mit Ziegeleindeckung. Insoweit wird dann deutlich, wie schwierig es werden wird, Überbleibsel aus dieser Zeit hier am Ort auszumachen. In diesem Zusammenhang sei noch – ganz ausdrücklich – der Vollständigkeit willen von Traumoffenbarungen einiger Richrather berichtet, wonach im Bereich der Ackerflächen zum Garather Forst ein altes fränkisches Dorf gelegen habe. Besieht man sich die viele tausend Male gepflügten Flächen, könnten einst vorhandene Siedlungsspuren inzwischen vollständig vernichtet sein. Inwieweit diese Träume zudem durch ein bis in die fünfziger Jahre bestehendes und in Form eines Fisches angelegtes germanisches Gräberfeld jenseits der Hildener Straße (des alten „Mauspfads“) mit inspiriert sein mögen, soll hier nicht entschieden werden. Durch die Genehmigung des Baus eines Hochhauses über diesem einstigen Friedhof hat die Stadt jedenfalls der Siedlungsgeschichte eine „fortschrittliche“ Landmarke aufgesetzt. Am Rande notiert, dürfte auch die Sage vom Gemarkenhund, die ich für Wikipedia auf der Seite „Zollhaus“ wieder erzählte, von diesem Ort, dem einstmals nahe bei gelegenen Thing- und Galgenplatz sowie der inzwischen verloren gegangenen Ausstrahlung mit angestoßen worden sein.

Heute Landesreit- und Fahrschule

In der Nähe des einstigen Rittersitzes Gut Langfort wurde Flechtreisig gefunden, Hinweis auf eine Motte

Aber nicht nur von den Hütten der einfachen Bevölkerung, selbst von den Herrschaftssitzen der Adeligen sind in Langenfeld nur wenige Beispiele erhalten geblieben. Deren anschaulichste ist die „Motte Schwanenmühle“ in Wiescheid, die noch von der Bauweise dieser (Turmhügel-) Burgen zeugt. In sumpfigem Gelände auf Reisigbündeln gegründet, wurden Gräben ausgehoben und zu Wällen aufgeworfen. In einer sicheren Ecke des Siedlungsbereichs wurde zudem ein etwas höherer Hügel für den Burgherrn mit einem hölzernen Turmbauwerk versehen. Davor lagen nierenförmig ein oder mehrere Vorburgen, um damit den Hügel des Burgherrn, architektonisch den Vorläufer des Bergfrieds, noch einmal besonders zu schützen. Teilweise waren diese „Motten“ genannten Burgen mit nur einem Zuweg in das sumpfige Gelände versehen, sodass Angreifer allein über einen leicht zu verteidigenden Knüppeldamm in die Anlage gelangen konnten. Später wurden steinerne Burgen zumeist nicht weit entfernt von diesen ersten Rittersitzen errichtet, so etwa die Wasserburg „Haus Graven“ in Wiescheid nächst der „Motte Schwanenmühle“ oder die „Dückeburg“ nahe der „Motte Flachenhof“ (Blockbachmotte). In unmittelbarer Nachbarschaft zu „Gut Langfort“ wird übrigens (offiziell) eine weitere Motte vermutet, die aufgrund aufgefundener Reisigbündel im Bereich des heutigen AWO-Altenwohnheims gelegen haben könnte.

Doch einst Rittersitz in Neurath?

Nach offizieller Auffassung war das Gut immer Kirchenbesitz (älteste Urkunde aus dem Jahr 904)

Weitere Motten: Zu den mutmaßlichen Burgen im Galkhauser Wald, wohl einst „Virneburg“ und „Möckenburg“ geheißen, sei hier zunächst auf die Bilder und Ausführungen unten „Orte im Moor“ sowie die Seite „Argumente für einen Fundschatz“ verwiesen. Zudem könnte es wohl im Bereich des „Gutes Widdauen“ ebenfalls eine Motte gegeben haben, die vielleicht nur aufgrund der weiten Auskiesungsfläche heute nicht mehr erhalten ist. Der Grund für einen weiteren Rittersitz war möglicherweise eine planmäßige Aufteilung des Stadtgebietes in kleine Herrschaftsbereiche. Zudem war der hiesige Raum früher deutlich feuchter, wie es die Restmoorfläche „Further Moor“ bis auf den heutigen Tag ausweist. Auch die ehemalige Verwaltungsbezeichnung für das Bergische Amt „Miselohe“ (kommt von: „Mies=Moor-Sumpf, Lohe=Wald, also Sumpfwald“) weist wie viele andere Orts- und Flurnamen in der Stadt auf die einstmals sumpfige, im Übrigen nur gelegentlich von Heideflächen unterbrochene Landschaft hin. So könnte der zur Anlage einer Motte notwendige Bachlauf derjenige gewesen sein, der heute von der Brunnenstraße kommend am Wadenpohl versickert wird. Die einzelnen Überlegungen: Erstens liegt ein (früher) zum Gute gehörender Bauernhof in unmittelbarer Nähe, ähnlich wie sich solche auch an anderen Motten finden. Zweitens weist zwar die älteste erhaltene Urkunde zu Langenfeld aus dem Jahre 904 Neurath und das besagte Gut „als schon immer dem Kloster Altenberg gehörend“ aus, doch sind damit keine verlässlichen Informationen über die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse gegeben. Selbst wenn nämlich die Urkunde echt ist, kann der Inhalt unwahr sein, denn solche Urkunden wurden ausgefertigt, entweder (berechtigte?) Anfechtungen der Besitzverhältnisse abzuwehren oder sogar Eigentum (rechtswidrig und von Staats wegen) zu übertragen, also – zu enteignen. Und drittens gab es tatsächlich, wenn schon keine Anfechtungen, so doch zumindest Bestrebungen aus Richtung des Rittersitzes in Galkhausen, den Klosterhof Altenberg zu erwerben. Doch eines der Privatarchive, mit dessen Hilfe diese Frage vielleicht noch geklärt werden könnte, bleibe – so wie zu hören ist – aufgrund einer tief sitzenden Verärgerung für Historiker geschlossen. Und die eigenen Aufzeichnungen aus dieser Stadt könnten 1966 vor dem Kirchturm St. Martin von den lieben Schützen im Wege des „Ausmistens des Turmes“ den Flammen übergeben worden sein. Sei es drum, bleibt es eben ungeklärt.

Neben den Adelssitzen „Haus Graven“, „Dückeburg“ und „Gut Langfort“ gab es also wenigstens einen vierten in Galkhausen, dessen Oberhaupt nicht auf einer Burg, sondern in einem Gutshof residierte. Von den aus Stein errichteten Residenzen blieben jedoch nur die beiden erstgenannten mit mittelalterlichem Mauerwerk erhalten, jedenfalls sind weitere Burgen / Burgställe nicht bekannt. Reste eines alten Gewölbes hält zudem der Keller des ehemaligen Probsthofes in Berghausen bereit. Daneben existieren nicht untersuchte Mauerwerksreste unter einer Garage in Wiescheid, von denen der eine oder andere Mitbürger einen Bezug zur Klostergründung annimmt. Ältestes in Gänze erhaltenes Bauwerk in Langenfeld ist allerdings der Turm von St. Martin in Richrath aus dem zwölften Jahrhundert, dessen Gründung noch ins das zehnte Jahrhundert fällt. Die Kirche selbst war im Übrigen 2002 ein zweites Mal Ziel einer Ausgrabungskampagne des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege, Außenstelle Overath. Festgestellt wurde, was schon die Kirchenchroniken zu berichten wussten, nämlich mehrere Bauphasen und Erweiterungen, während die erhoffte früheste Kirche, eine hölzerne, auch nicht in Resten nachzuweisen war. Immerhin förderte die Grabung den menschlichen Knochen eines dort 796 Bestatteten zu Tage. Eine weitere, im Jahre 2008 an der 1913 abgebrochenen St. Barbara Kirche in Reusrath durchgeführte Grabung erbrachte als „Sensationsfund“ zwar einen in einem Baumsarg bestatteten 50-60 jährigen Mann, doch dessen Untersuchung ergab ein Sterbedatum um das Jahr 1000. Mithin ergab sich für Reusrath ebenso wenig ein Hinweis auf ein früheres Datum für die rückläufige fränkische Landnahme, denn dort konnte gleichfalls keine frühere Holzkirche nachgewiesen werden. Aus diesen Gründen resümierte die Tagespresse, bleibe das Rennen um den ersten Siedlungsplatz in Langenfeld zwischen beiden Stadtteilen weiterhin offen. Im Grunde ist diese Aussage natürlich „blühender Blumenkohl“, denn im Fokus ist damit allein die groß angelegte fränkische Rückbesiedlung, während die Funde am Rosendahlsberg in Vergessenheit geraten sind und die Sielungsnamen auf – ingen vernachlässigt werden. Am Rande notiert, bemerkte völlig zutreffend Ex-Bürgermeister, Heimatforscher und Buchautor Friedhelm Görgens 2004, wenn auch anlässlich eines „verpassten 1100 Jahr-Jubiläums“ (Urkunde zu Neurath): „Langenfeld ist eine geschichtslose Stadt“ und richtete seine Kritik nicht nur in Richtung Verwaltung, sondern gleich so an die uninteressierte Bürgerschaft.

Die Neuzeit

Prominente Einzelereignisse: Eine klare zeitliche Abgrenzung des Mittelalters von der beginnenden Neuzeit lässt sich nirgends ziehen. Hier erinnert beispielsweise eine – nicht untersuchte – Pferdebestattung am Götscher Weg noch an das Mittelalter. In früheren Zeiten und besonders bei den östlicheren Völkern war es nicht unüblich, hoch gestellten Persönlichkeiten ihr Lieblingspferd mit ins Grab zu geben oder dieses in einer Beibestattung zu beerdigen. Aber auch bei den Franken des frühen Mittelalters gab es noch dieses Begräbnisritual. Bekanntestes Beispiel dürfte das Grab des merowingischen Königs Childerich gewesen sein (entdeckt 1653 an der Pfarrkirche St. Brictius nahe seiner Residenz Tournai), der mutmaßlich den Kopf seines Lieblingspferdes mit in sein Grab gelegt erhielt und zudem 21 weitere Pferde in drei separaten Gruben mit auf den Weg ins Jenseits nehmen durfte. Wegen des Erhaltungszustandes des aufgefundenen Skeletts in Langenfeld, von dem berichtet wird, nimmt man jedoch weniger das frühe Mittelalter als Bestattungszeit, sondern eher einen Bezug zu den Türkenkriegen im 17ten Jahrhundert an. Ein aufgefundener Türkensäbel (der diese Vermutung stützt) soll im Übrigen seinen Weg in die Waffensammlung auf Schloss Burg an der Wupper gefunden haben. Bedauerlicherweise ist aber wieder einmal zu notieren, dass der Fund in den 60er Jahren des 20sten Jahrhunderts gleich mit dem Auffinden wieder zerstört worden sein soll und natürlich nicht publiziert wurde.

Relikt einer Hexenverfolgung?

Der Kopf womöglich einer Frau, Replik im Stadtmuseum

Gänzlich unerfreulich, weil vielleicht nur die Spitze eines Eisberges, muss zudem der „Genagelte Schädel aus Langenfeld“ erwähnt werden, ein seltenes Exemplar einer im Mittelalter beginnenden Hexenverfolgung, die aber wohl in diesem Beispiel ebenfalls aus der Neuzeit stammt. Wahrscheinlich am alten, aus der Bronzezeit stammenden Mauspfad auf dem Hucklenbruch geköpft, wurde ihr Schädel an der neuen Nord-Süd-Handelsverbindung, der B 8 angenagelt und zur Schau gestellt. Doch nicht nur die Verfolgung selbst, sondern auch die makabere Präsentation des abgetrennten Schädels trägt am Ort der Tat noch mittelalterliche Wurzeln. Dieser Ort weist nämlich indirekt auf den Ausgang der Schlacht von Worringen hin, denn mit dem Aufstieg eines kleinen Düssel-Dorfes zur Residenzstadt verlor die alte Wegeverbindung „Mauspfad“ ihre Bedeutung. Um also möglichst viel durchziehendes Volk mit dem geköpften Schädel abzuschrecken, hat man diesen von dem vermuteten Richtplatz in der Nähe des Galkhause(ne)r Bachs an die neue und verkehrsreichere Verbindung verbracht.
Und gar den dunkelsten Punkt in der Geschichte der Neuzeit schließlich stellt die barbarische Ermordung von 72 Gefangenen durch die Gestapo in einer Schlucht des Wenzelnbergs am 13 April 1945 dar, drei Tage vor Kriegsende in Langenfeld.

Damit aber zur Wirtschaftsgeschichte: Bereits zu Beginn wurden die alten Rheinterrassen angesprochen und bis auf den heutigen Tag wird in Langenfeld der über Jahrtausende vom Rhein hier angeschwemmte und abgelagerte Sand abgebaut. Nachgewiesen ist dieser Abbau urkundlich seit 1367, weitere nennenswerte Bodenschätze sind nicht bekannt. Früher stach man wohl noch Torf, doch trotz der einstmals großen Moorflächen war dieser Naturstoff nur in geringem Maße vorhanden. Daher wurde neben der Land- und Forstwirtschaft in kleinen Handwerksbetrieben der Solinger Eisen- und Schneidwarenindustrie zugearbeitet. Ein Beispiel für diese, seit der frühen Neuzeit häufig im Nebenerwerb betriebene Arbeitsteilung, ist der Schalenschneiderkotten für Messergriffe, der im Stadtgarten in einem Ausstellungspavillon gezeigt wird. Hinzu trat seit etwa dem 17. Jahrhundert die Weberei als zusätzliche Erwerbsquelle für die einheimische Bevölkerung. Diese Wirtschaftsgeschichte spiegelt im Übrigen mit zunächst Eisen- und Textilindustrie, später weiteren Firmen unterschiedlichster Ausrichtung, sodann Handel- und Gewerbetreibenden auch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung wieder. Waren es anfänglich jedoch nur landwirtschaftlich unrentable Flächen, die für die Ansiedlung von Betrieben (so etwa Heideflächen im Industriegebiet Ost) genutzt wurden, vernichtet der wachsende Flächenverbrauch von Industrie, Handel und Gewerbe inzwischen auch solche Flächen, die früher rentabel landwirtschaftlich genutzt werden konnten. Gleiches gilt für die Entwicklung im Wohnungsbau, früher auf unfruchtbarem Land betrieben (so die Martinssiedlung auf sandigen Wald- und Heideflächen), für deren Flächenbedarf aber heute ebenso zunehmend fruchtbares Ackerland verloren geht. Daher wird der Bevölkerungszuwachs mit zunehmender Verstädterung, die um sich greifende Versiegelung von Flächen auch im Privatbereich, der Verlust von Naherholungsgebieten sowie der wachsende Druck auf die wenigen noch vorhandenen offenen Flächen schon heute teilweise bereits als bedrohlich empfunden. Mit der jüngeren Stadtentwicklung kommt daher das Ende einer erträglichen Bevölkerungsdichte in Sicht, zumal hier insbesondere auf eine Einfamilienhausbebauung gesetzt wurde.

Ein besonderes Augenmerk verdient in punkto Wirtschaftsentwicklung noch das Reisen sowie der Handel auf alten Pfaden, von denen unter anderem der Fund einer römischen Merkur-Statuette in Richrath zeugt, die vermutlich einem römischen Händler gehörte. Denn Langenfeld wurde erst durch den Mauspfad als Fußhandelsweg, später durch die heutige B 8 sowie schließlich, vom Hitdorfer Hafen kommend, noch durch die B 229 in Richtung Bergisches Land geprägt. Auf den beiden letztgenannten Straßen wurden, 1668 beginnend, Postkutschenlinien betrieben, deren Drehkreuz seit 1793 die große Posthalterei am Berliner Platz mit bis zu 100 Pferden war. Eine letzte Postkutsche verließ Langenfeld erst im Jahre 1905. Heute findet diese Tradition ihren Nachklang mit dem Posthorn im Wappenhaupt der Stadt sowie dem Postverteilzentrum mit 1000 Beschäftigten im Gewerbegebiet Fuhrkamp. Gerne erzählt, wird die Geschichte des großen Postraubs vom 28. Oktober 1799, als der bekannte Räuberhauptmann Mathias Weber, genannt „Der Fetzer“, mit seiner Bande einen Geldtransport am Probsthof (alte Poststation in Berghausen) überfiel. Erbeutet wurde eine Summe von umgerechnet 1 Millionen EUR, wie Rolf Müller in der „Stadtgeschichte Langenfeld“ nachgerechnet hat.

Replik eine alten Postkutsche

Postkutsche in der Remise am Stadtmuseum

Eine Aufzählung mit nur der B 8 und der B 229 wäre unvollständig, blieben neuere Verkehrswege unerwähnt. Wechselseitig mit der wirtschaftlichen Entwicklung zu verknüpfen sind nämlich des Weiteren drei Bundesautobahnen (A 3, A 59 und A 542) sowie drei überregionale Eisenbahnverbindungen. Zudem ergänzen Landes- und Kreisstraßen die regionale Anbindung und zwei Großflughäfen (Düsseldorf, Köln) rücken Langenfeld und die weite Welt einander näher.

Bleibt, zuletzt ein Blick in die Verwaltungsgeschichte zu werfen. Richrath mit den Dörfern Immigrath, Berghausen und Wiescheid gehörten einst dem Dekanat Neuss an, dagegen Reusrath dem Dekanat Deutz. Optisch sinnfällig wurde diese Grenze dargestellt durch so genannte „Landwehren“, die nichts mit germanischen Schutzwällen gemein hatten, wie früher vermutet wurde. Wegen dieser einstigen Trennung jedoch wird heute noch der Karneval im Süden der Stadt mit „Alaaf“ begrüßt, in der Mitte und im Norden mit „Helau“. Zudem verläuft der „Bieräquator“ mitten durch die Stadt. So mag es der Norden lieber dunkel und trinkt „Alt“, der Süden dagegen hell und trinkt „Kölsch“. Für die Stadtgeschichte an dieser Stelle zu vernachlässigen, ist das lange Hin und Her etwa des Kirchspiels Richrath oder der Honschaft Reusrath, erst recht die zeitweilige Zugehörigkeit Langenfelds zum Amte Monheim oder umgekehrt dessen Zugehörigkeit zu Langenfeld. Interessierte seien diesbezüglich auf die einschlägige Literatur verwiesen, besonders auf Rolf Müllers „Stadtgeschichte“ oder die „Langenfeld“-Bücher 1+2 von Friedhelm Görgens. Zudem mögen meine Wikipedia-Ausführungen im Netz (solange sie nicht „Verschlimmbesserungen“ anderer Wikipedianer anheim fallen) empfohlen sein. Merken mag man sich noch zum Thema „Verwaltungsgeschichte“, dass der rote, blaubewehrte Löwe im Stadtwappen auf die einstige Zugehörigkeit zum Herzogtum Berg verweist, Langenfeld auch einmal Teil der preußischen Rheinprovinz war, bis 1974 dem Rhein-Wupper-Kreis und seither dem Kreis Mettmann angehört. Mutmaßlich wird es in der Zukunft natürlich weitere Änderungen geben, denn Politiker glauben ja oft, sich mit Verwaltungsreformen ein Denkmal setzen zu müssen, zumeist weil es ihnen an Verstand für ein sinnvolleres Gestalten fehlt.

Zu den Wohnverhältnissen, zur Markgrafschaft Richrath und den Wikingern sei auf die Seite „Ritter Pitter besucht Haithabu“ verwiesen. Unsinnig-Sinniges hält die Seite „Exkurse zu Politik und Geschichtsbewusstsein“ bereit.

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