Ritter Pitter besucht Haithabu

Landesmuseen in Gottorf

Schloss Gottorf beherbergt u.a. das sehenswerte Archäologische Museum

Den an Kultur und Geschichte interessierten Mitbürgern möchte ich als lohnenswertes Reiseziel „Schleswig“ mit seiner „besonderen Altstadt“ Haithabu ans Herz legen dürfen. Herauszuheben sind neben der Wikingersiedlung Haithabu am südlichen Schleiufer auch das Schloss Gottorf, das neben dem Nydamboot zugleich das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte sowie das Archäologische Landesmuseum beherbergt. Selbstredend sollten der Gottorfer Globus, der Barockgarten sowie – falls möglich – der Gottorfer Codex nicht ausgelassen werden. Zudem sollte man sich das Stadtmuseum mit seiner kleinen aber feinen Ausstellung zur Stadtgeschichte auschauen. Und nun werden Sie fragen: Was hat das denn mit Langenfeld zu tun?

Da wäre zum Einen das Archäologische Landesmuseum zu nennen, welches mit einer Vielzahl hochwertiger Exponate das Werden des Landes ganz ohne römische Kultur anschaulich darstellt. Der Besucher erfährt, wie sich etwa Haus und Hof seit der Steinzeit entwickelten, wie also Wikinger und Germanen siedelten. Zu den Wikingern selbst veranschaulicht die Außenstelle in Haithabu, wie man sich eine solche Siedlung, wie man sich Schiffe, Glaubensvorstellungen und Bestattungsriten vorzustellen hat. Das ist eine ganz andere Sicht auf Geschichte als etwa die im Rheinischen Landesmuseum in Bonn präsentierte. Deren völlig überzogen „römerlastige“ Ausstellung, die den überwiegenden Teil des Landes außerhalb des römischen Siedlungsbereichs fast völlig außen vor lässt, wurde von mir in einem Brief offen kritisiert. Auf meine, fast selbstredend – unbeantwortete – Fundamentalkritik sei an dieser Stelle einmal ausdrücklich hingewiesen: Der Brief ans Landesmuseum

Markgrafschaft Richrath?

Zur Geschichte der Wikinger-Raubzüge nach Köln, Tafel im Museum Haithabu

Zum Anderen wünsche ich mir auch eine umfassendere und kritischere Darstellung von Stadtgeschichte in unserem Stadtmuseum. Natürlich ist mit der Neugestaltung schon wirklich etwas Gutes passiert, mit dem Stadtmuseum Schleswig und der dort gezeigten Ausstellung kann unser Museum jedoch nicht mithalten. Das gilt unabhängig von der Frage, ob wir etwas Ähnliches wie die größte Stadt des Mittelalters in Nordeuropa vor der Türe hatten oder nicht. Was ist etwa mit unseren Motten, von denen die Fachwelt drei ehemalig existierend in Langenfeld annimmt, nämlich die Motte Schwanenmühle, die Motte am Flachenhof (erste Dückeburg) und die Motte in Langfort? Warum gibt es weitere Burgennamen, nämlich Möckenburg und Virneburg, wenn nicht Burgen zu den Namen gehörten? Bauernhöfe des 16. oder 17. Jahrhunderts wurden üblicherweise nicht mit Burgennamen belegt, selbst wenn Langenfelds selbst ausgewiesener „Fachmann für Motten“ etwas Anderes behauptet. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass man etwa die Frage „Markgrafschaft Richrath“, die Baron von Galera 1963 ansprach, noch einmal diskutiert. Nach seiner Ansicht bestand vor dem Jahre 960 in Langenfeld eine solche Markgrafschaft und es existierte nach seiner Vorstellung bereits die Virneburg, die heute als undatierte Ringwallanlage geführt und im Weiteren der Zerstörung preisgegeben wird. Eine solche Anlage hätte Sinn gemacht, denn die Wikinger kamen bis nach Köln, um Beute zu machen. Zudem war Langenfeld zeitweise Grenzland zwischen einzelnen Volksstämmen, gab es Überfälle aus Richtung Dänemark oder von den Sachsen, sodass man sich eine solche Einrichtung durchaus denken könnte. St. Martin in Richrath war eine Kirchengründung, gedacht über Köln hinaus den Machtbereich nach Norden auszudehnen. Es wird hierzulande leider, anders als in Schleswig-Holstein, mittelalterliche Siedlungsgeschichte zu Gunsten römischer Geschichte stiefmütterlich behandelt. Natürlich ist es schwierig, aus zwei, drei dümmlichen Steuerlisten und einigen unvollständigen Urkunden die Geschichte eines Stadtteils über mehr als 1000 Jahre rekonstruieren zu wollen. Aber dann bittet man doch Archäologen um Hilfe und lässt das Unterfangen mit den Schriftzeugnissen ganz, insbesondere, wenn man sich mit dem einheimischen Adel so verkracht hat, dass man deren Privatarchive nicht mehr betreten darf.

Doch zum Thema Haithabu: Gezeigt werden auf den nachfolgenden Bildern einige Exponate des Museums (damit Sie selbst hinfahren) und natürlich Häuser sowie Ausstattungen im Außenbereich (damit Sie einen Eindruck von den Wohnverhältnissen des Mittelalters gewinnen). Es handelt sich im Wesentlichen um Fachwerkbauten, also Häuser, die mit Holz und Lehm verputztem Flechtwerk erstellt wurden und in denen zugleich gewohnt und gearbeitet wurde. Sowohl bei Landwirten sowie Fischern oder Handwerkern waren die einzelnen Bereiche noch nicht klar voneinander getrennt, wie das noch heute bei manchen Autoren beobachtet werden kann (die den PC im Schlafzimmer hatten oder die Küche zur Modellbauwerkstatt für Motten umfunktionierten). Doch nicht zu viel abseits des Themas, damit zu den Bildern:

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