Die Sage vom Weißenstein

Gelegentlich enthalten Sagen Prophetisches, das, von wem auch immer geschöpft, dann als mündliche Überlieferung bis heute überdauert hat. Von möglicherweise solcherlei Tradiertem wird hier nun ausgeführt:

Ein geweißelter Stein

Der Stein der Weisen, mitten in Langenfeld. Wer hätte es gedacht?

„Um diesen verwitterten Stein ranken sich Legenden“, schrieb Friedhelm Görgens in seinem Buch „Langenfeld“ zum Weißenstein. Dort, so erzählen es alte Berghausener, „werde eines Tages der Vormarsch von Heeren aus dem Osten gestoppt.“ Weiter zitiert er aus Otto Schells „Bergische Sagen“ (wohl zum rechtrheinischen Kölner Stadtteil Mülheim): „Bei Rheinmülheim geht die Sage im Volke, dass die Feinde, gewöhnlich werden die Türken als solche genannt, bis auf die Rheinebene, der Stadt gegenüber, gelangen würden. Auf dieser Stelle soll dann die Entscheidungsschlacht gekämpft werden, in welcher der deutsche Kaiser, auf einem Schimmel reitend, den türkischen Sultan erschlagen und sein Heer in den Rhein treiben soll.“ Ziehen wir beide Überlieferungen für eine Interpretation heran und lassen einmal das martialische Kampfgeschehen außer Acht, so ist offenbar von einer aus dem Gegeneinander von Orient und Okzident herrührenden Schlacht die Rede. Vielleicht wird uns sogar von einem Glaubenskrieg zwischen Christentum und Islam berichtet. Allerdings scheinen die Ereignisse sowohl wegen des Pferdes wie der Erwähnung von Kaiser und Sultan in der Vergangenheit zu spielen. Da eine solche Schlacht jedoch unbekannt ist, müsste es weiterhin eine in die Zukunft weisende Prophezeiung sein, die im Übrigen nur deshalb auf Bilder wie Pferd oder Kaiser zugreift, weil die Menschen der damaligen Zeit mit  „Auto“ oder „Bundeskanzlerin“ nichts hätten anfangen können. [Übrigens gehe ich bei einer Übersetzung in heutige Begrifflichkeiten eher davon aus, dass das „Pferd“ für „Fahrrad“ steht, weil der Mensch gleichfalls oben sitzt und (sich) mit Muskelkraft bewegt, denn das Pferd dient heutzutage nur noch Sportzwecken und „Auto“ wäre wohl eher mit „Kutsche“ übersetzt worden. Der (weiße) „Schimmel“ steht mutmaßlich wie der „Weißenstein“ für „Weisheit“, was hinsichtlich des „Kaisers“ zur Folge hätte, dass hiermit ein „zur Führung Geborener“ oder aber ein „geborener Führer“ gemeint ist. Mit dieser Lösung kann dann in seiner Person aber in keinem Falle mehr von einer adeligen Abkunft ausgegangen werden. Auch weist der hier neu eingeführte Begriff des „Führers“ nicht auf einen Nazi hin, denn schließlich wird mit „deutscher“ ausdrücklich eine deutsche Herkunft zum Ausdruck gebracht.] Gleichwohl könnte es sich trotz unserer fehlenden Kenntnis um eine solche Schlacht natürlich ebenso um ausschließlich Vergangenes handeln. Dies belegt eine vor kurzem berichtete Geschichte aus den 1960er Jahren. Damals sei auf dem Götscher Weg in Langenfeld bei Kanalbauarbeiten eine Pferdebestattung (möglicherweise sogar mit Reiter) aufgetaucht, die jedoch von den Arbeitern flugs vernichtet wurde. (Aus Sicht der Baufirma verständlich, denn welche Firma hat es gerne, wenn die Arbeiten für Ausgrabungen ruhen müssen?) Ein türkischer Mitbürger mutmaßte darob, es könne der Anführer einer türkischen Soldateska gewesen sein, die in den Türkenkriegen in einem Himmelfahrts-Vorauskommando das Terrain zu sondieren hatte. Von einem solchen Kommando berichteten nämlich türkische Geschichtsbücher. Auch der Tod des Anführers sei verbürgt, jedoch blieb sein Grab bis heute unbekannt. Wäre es also denkbar, dass ein günstiger Moment des Schicksals, wie ja auch der Sieg über die Türken vor Wien, uns um eine bereits befürchtete, zukünftige Geschichte brachte? Könnte die Pferdebestattung damit ein letzter Hinweis auf eine einst vorausgeahnte Geschichte gewesen sein, die bereits in der Vergangenheit abgewendet werden konnte? Oder müssen wir noch heute mit der Angst vor einer solchen Schlacht mitten im Rheinland leben und als hier auf dem prophezeiten Schlachtfeld Wohnende – trotz des vorausgesagten Sieges – zumindest um unsere persönliche Zukunft fürchten? Ich denke, ein solch erträumtes Szenario ist heute schlichtweg nicht mehr vorstellbar, denn die Lehre der Reinen Mystik hat obsiegt. (Verwiesen sei an dieser Stelle auf die Seite Forum ‚Freie Mystik‘, dort insbesondere auf „Die neue Lesart der Religionen„). Und nehmen wir in den Rahmen unserer Überlegungen und der dargestellten Erkenntnisse zu den Religionen etwa noch Erkenntnisse eines Jean Gebser hinzu, wird Ihnen meine Behauptung einsichtig. Gebser entwickelte nämlich ein System von Zeitaltern, das von bislang vier Phasen der Menschheitsentwicklung ausgeht und das mittels mystischen Erkenntnissen um eine fünfte Phase erweitert werden kann: Archaisches Zeitalter: Auftreten erster Menschen; zunächst noch undifferenzierte Wahrnehmung der eigenen Person; dann Felsmalereien und erstes Sich-selbst-von-etwas-anderem-Wahrnehmen. Magisches Zeitalter: Die Natur wird von Göttern beherrscht; Rituale werden entwickelt, die sich noch in allen Religionen finden: Das Gebet aber auch die geheimnisvolle Beschwörung der Natur oder der Gottheit, deren Beistand man sich damit erhofft. Mythisches Zeitalter: Die Religionsstifter treten auf und führen die Menschheit zu neuen geistesgeschichtlichen wie kulturellen Leistungen; gleichsam wird jedoch die Distanz zwischen Gott und Mensch erkannt und als „Austritt aus dem Paradies“ empfunden. Mental-Rationales Zeitalter: Mental: Sigmund Freud begründet die Psychoanalyse. Damit erfolgt eine Betrachtung der Seele mit wissenschaftlicher Neugier. Rational: Karl Marx (Hegel und L. Feuerbach teils nachfolgend) entwickelt eine Philosophie ohne Gott, die weltweit Anhänger findet und ein erstes Sprengen der Fesseln der Religionen bedeutet. Und nun folgt das „Mystische Zeitalter„: Endgültiges Sprengen der Fesseln der Religionen durch Aufdecken von deren Strukturen. Gott und Seele werden nun nicht mehr in Frage gestellt und der Sinn des Lebens begriffen. Die Menschheit ist damit in der Lage, die Widersprüche aller vorgenannten Epochen aufzuheben und aus dem Zyklus von Tod und Wiedergeburt heraus zu Gott zurückzukehren. Dieses letzte Zeitalter ist mit den meinen, für alle Menschen geschöpften Erkenntnissen, sowie mit der erfolgten Anbindung an die freie Mystik seit Laotse erreicht. Wir befinden uns nunmehr im fünften und letzten, im Mystischen Zeitalter. Und damit meine Herrschaften, darf ruhig Ihr Jubel von der Schanz brechen, denn damit haben alle Menschen – weltweit – dazu gewonnen!

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