Zu den Sagen

In Langenfeld haben sich sich zwei Berichte um den Untergang einer Turmhügelburg (eines Schlosses eher nicht, denn dazu gäbe es Schriftliches) erhalten. Die beide Versionen der Sage unterscheiden sich jedoch in einigen Aussagen. So ist in der ersten Erzählung wie in der zweiten zwar der Raub der Braut der Ausschlag für den Untergang, doch kann sie fliehen. Im zweiten Bericht kommt sie womöglich neben dem Ritter zu Tode. Denn nur der gemeinsame Tod, sie lächelnd, er im Todeskampf, kann zu der Überlegung von Bestrafung des Ritters (und umgekehrt einer Belohnung für sie) geführt haben. Damit haben wir es zu vermutend mit einer Mystikerin zu tun und darüber hinaus mit einer Duplizität von Ereignissen. Diese überlagerten frühere Geschehnisse in einer zweiten Erzählung. Folglich ist der Schatz der zweiten Geschichte „Weisheit“ und nur die erste Erzählung drehte sich um Gold.

Die Märchenversion

Beginnen wir mit der Version, die Fritz Hinrichs und Alfred Bremme in dem von ihnen verfaßten Heimatkunde-Lesebuch  „Land der Berge, Land der Heimat“ um 1950 aufzeichneten:

Die Eisenbahn von Opladen nach Düsseldorf führt kurz vor Immigrath durch ein sumpfiges Waldgebiet. Eine Brücke, genannt die Knochenberger Brücke, verbindet dort Langenfeld mit Leichlingen. In diesem Gebiet stand vor vielen Jahren, so erzählt es die Sage, das Schloß Burggraben. Hier lebte einst ein böser Raubritter. Seine Burg war von breiten, sumpfigen Wassergräben umgeben und nur eine einzige Zugbrücke führte in das Innere. Diese konnte mit starken Ketten hochgezogen werden. Der Ritter, seine Knappen und Knechte waren arge Räuber und Wegelagerer, die im Gebüsch an der Straße, die von Köln nach Düsseldorf führt, den reichen Kaufleuten mit ihren Warenzügen auflauerten. Dort überfielen und beraubten sie die Durchreisenden. In einem großen Keller des Schlosses befand sich die Schatzkammer des Ritters, in der in Kisten und Fässern Gold, Silber und Edelsteine lagerten. Sein Reichtum sei so groß gewesen, daß seine Töchter an den langen Winterabenden auf einem goldenen Spinnrad die Wolle spannen, was sonst nur von Prinzessinnen berichtet wird. Eines Tages raubte er aus einem benachbarten Dorfe eine wunderschöne Jungfrau. Dieser gelang es aber, wieder aus dem Schlosse zu entfliehen. Der Raub dann sollte die letzte Untat des Räubers gewesen sein, denn noch in der gleichen Nacht brach ein gewaltiges Unwetter los. Unter Donner und Krachen versank das Schloß mit allen Bewohnern in der Tiefe. Der Ritter befand sich gerade, mit reicher Beute beladen, auf dem Heimweg. Vergebens suchte er das Tor zu seiner Burg. Zornig ritt er immer tiefer in den Sumpf hinein und versank gleichfalls mit allen seinen Begleitern. So erhielt der Bösewicht seine gerechte Strafe. Später haben mutige Männer versucht, an dieser Stelle nach den versunkenen Schätzen zu graben. Als sie schon glaubten, den Schatzkeller erreicht zu haben, ertönte ein gewaltiger Donnerschlag und die gegrabenen Gänge wurden wieder verschüttet. Nur in der Johannisnacht soll man den Schatz heben können. Wehe aber, wenn die Schatzsucher nicht vor Mitternacht ihr Werk vollendet haben! Sie werden von den herabstürzenden Erdmassen begraben.

Die Sagenversion

Sandhuegel Bahnlinie

Erinnerungsort für das versunkene Schloss der späteren Ereignisse

Heinz Müller erzählt uns die Sage in seiner Betrachtung zu Flur und Ortsnamen in Langenfeld im Heimatkalender 1955 in einer weniger ausgeschmückten Version, die möglicherweise deshalb die Geschehnisse in der Nacht des Untergangs deutlicher wiedergibt: Ein früher in der Nähe der Bahnlinie Hilden – Opladen gelegener Sandhügel von etwa 10 mal 10 m hat Veranlassung zu der Annahme gegeben, daß dort möglicherweise eine Burg gestanden hat. Eine Sage hat sich daher der Gegend bemächtigt, es wird erzählt, eine „stolze Ritterburg“ habe dort gestanden. Der Besitzer, ein stolzer Raubritter, sei der Schrecken der ganzen Gegend gewesen. Um bei seinen Raubzügen Verfolgern entgehen zu können, hat er seinem Pferd die Hufeisen umgekehrt unterschlagen lassen. Einst soll der Ritter drüben, jenseits des Rheins eine Jungfrau aus vornehmen Hause geraubt und diese in der Burg gefangen gehalten haben. Für diesen Frevel traf das Schloß und seine Bewohner dann aber die Strafe des Himmels. In einer dunklen Gewitternacht, als der Ritter mit seinen Spießgesellen in lärmender Tafelrunde zechte, versank es und mit ihm auch all die vielen geraubten Schätze, unter anderem ein Faß mit Gold und ein goldenes Spinnrad. Gar oft hat man in der Matthiasnacht versucht, die Schätze zu heben, aber immer vergebens, denn es durfte bei der Schatzsuche nicht gesprochen werden. Einst gruben mehrere Männer und eine Frau, als plötzlich das große Faß an ihnen vorbeirollte. Vor Schreck schrien die Goldsucher auf und alles war verschwunden. Ein anderes Mal sahen sich die Schatzsucher wieder nahe am Ziel, als plötzlich ein heftiger Sturm einsetzte, der ihre Seelen mit Grauen erfüllte. Von Angst geschüttelt, entflohen sie der unheimlichen Stelle. So ruhen die Schätze wohl noch heute in der Tiefe.

Zum Thema Burg oder Schloss sei auf die Seite Ritter Pitter in der Lütjenburg verwiesen. Zu mündlichen Überlieferungen, Schriftzeugnissen und zum Erlebnis „Vergewaltigung“ empfehle ich die Unterseite Vertiefendes. Daneben gibt es weiter noch Argumente für einen Fundschatz

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