Argumente für einen Fundschatz

Was spräche für das Nibelungengold (???) und das hier entwickelte Geschehen?

Grundsätzliches zur Sagenauflösung

Völlig unabhängig von schriftlichen Aufzeichnungen einer herrschenden Klasse haben sich mündliche Überlieferungen erhalten, die für uns heute allerdings vielfach kryptischer Natur sind. Wir verstehen den Code nicht mehr, mit dem „die Erzählungen gestrickt sind“ und können daher zumeist nicht viel mit ihnen anfangen. Selbst wenn sie verstanden werden könnten, sind Sagen und Märchen häufig durch vielfaches Erzählen soweit verstümmelt, dass ein Sinn nur unter größter Mühe wieder rekonstruiert werden kann. Und ob es dann aber der ursprüngliche ist, muss dahingestellt bleiben. Deshalb ist eine Beschäftigung mit solchen Überlieferungen für viele Zeitgenossen rein unterhaltender Natur.

Zur Vorgehensweise – den Schatz im Fokus

Ein wesentliches Element der Sage(n) vom versunkenen Schloss ist das zusammengetragene (geraubte?) Vermögen sowie der prall gefüllte Schatzkeller des Ritters. Dieser Ritter, so erfahren wir es aus den Erzählungen, wird wegen der Herkunft des Schatzes einerseits sowie seiner letzten Untat (nämlich dem Raub der Braut und den an ihr begangenen Vergewaltigungen) vom Himmel dafür bestraft. Aus den in Langenfeld vorgefundenen Örtlichkeiten, die ja allesamt auf dieser Webseite in Bild und Text vorgestellt werden, entwickelte ich eine Lösung, die mystische Überlegungen zu göttlichem Lohn und göttlicher Strafe mit einbeziehen. Zur Ergänzung der Lösung wurden zudem im Buch zu den Sage(n) vom versunkenen Schloss einige Beispiele herausgestellt, wie der Sagenstoff von Erzählern europaweit mutmaßlich umgewandelt und in den eigenen Lebensbereich verlegt wurde. Deswegen könnten sich im Umkehrschluss in Sagenversionen aus anderen Städten und Ländern Teile erhalten haben, die in Langenfeld fehlen. Würde man folglich meine Überlegungen zu den Sage(n) auf den Prüfstand stellen, ließen sich vielleicht damit noch andere Überlieferungen erhellen. Zudem gewänne man mit der Überprüfung meiner Ergebnisse nicht nur eine grundlegende Untersuchungsmethode zur Sagenauflösung, sondern es böte sich die Möglichkeit, sogleich noch ein verfeinertes Instrumentarium zu entwickeln, an andere Übermittlungen heran zu gehen. Darüber hinaus könnte mit dem von mir entwickelten Ansatz sogar der „gordische Knoten“ um das Nibelungenlied zerschlagen werden. Einen Versuch, diesen gewaltigen Schwerthieb zu führen, werde ich übrigens gleich hier unternehmen.

Zum Schatz an sich

Meine Überlegungen, bestätigt durch mögliche Parallelen aus anderen Sagen, ließen Mutmaßungen zu dem Schatz an sich zu und damit gleichzeitig solche bezüglich des möglichen Verbleibs des Nibelungengoldes. Mithilfe von Bodenzeichnungen, Beobachtungen sowie den Denkanstößen von dritter Seite versuchte ich zu ergründen, wie das Gold von seinem versenkten Ort im Rhein, nämlich vom Zusammenfluss von „Duna“ und „Rhin“, der Mündung der Dhünn in den Rhein, wie es Heinz Ritter-Schaumburg vermutete, über weitere Stationen an einen neuen Aufenthaltsort gelangt sein könnte. Um den Weg nachzuzeichnen, bediente ich mich der mündlichen Überlieferungen hier am Ort, insbesondere der Sage vom versunkenen Schloss. Denn in dieser Sage ist ebenso von einem großen Schatz die Rede, der irgendwie zusammengetragen wurde, mutmaßlich Raubgold war, mithin verflucht ist und deswegen eine Bestrafung des Himmels nach sich ziehen kann. Weil im Übrigen nichts mehr Sinn macht, als es da zu vermuten, wo es vor aller Augen versteckt ist, halte ich den Kölner Dreikönigsschrein für den heutigen Aufenthaltsort. Umgeschmolzen ist das Gold heute rein gewaschen und es erklärt sich, dass es nicht mehr aufzufinden ist. Wie und warum es dorthin gelangte, erhellen dann die Bodenzeichnungen sowie weitere mündliche Überlieferungen.

Grundsätzliches zum Nibelungenlied

Das Nibelungenlied gilt vielen als die urdeutscheste Lieddichtung schlechthin. Deren berichtete Geschehnisse, so nimmt man allgemein an, haben sich mutmaßlich zu fränkischer und merowingischer Zeit in Mitteleuropa zugetragen. Zudem geht man davon aus, dass das Lied ein teils erfundenes, teils immer wieder neu zusammengesetztes Geflecht aus mündlichen Überlieferungen darstellt, denen die verschiedensten historischen Ereignisse zugrunde liegen könnten. Allerdings – und das ist vielen ein sicher ungewohnter und neuer Gedanke – müssen die Elemente der Erzählung nicht unbedingt aus der Sagen- und Liedwelt der höfischen Dichtkunst alleine stammen. Ebenfalls könnten Märchen, Sagen des Volkes, tradierte Berichte sowie darin verarbeitete Lebenserfahrungen (wie zur Sage vom versunkenen Schloss nachgewiesen) eingeflossen sein. Dann wäre die Erzählung in der Tiefe aus der Auflösung von Lebenserlebnissen und damit zumindest teils aus Traumoffenbarungen mit erwachsen.

Greifen wir die Überlegung zu persönlicher Lebenserfahrung heraus und versuchen eine Annäherung an das Leben des ersten Erzählers: Interessanterweise wird von Vergewaltigung, von Träumen (nämlich von toten Vögeln), vom Gestaltentausch, von Unsichtbarmachen, von übernatürlichen Fähigkeiten, von Zauberkraft, von geraubtem Gold (Weisheit?), von Flammenwällen, von Mord und Selbstmord berichtet. Dazu taucht der Drache als Metapher für ein Geschehen aus der Vergangenheit auf, der genauso auf eine erfolgreiche Selbstbezwingung hinweisen könnte. Das gekochte Herz des Drachen, das Kosten des Blutes, das die Vogelsprache lehrt, das Baden in seinem (eigenen) Blute, welches dann der Abwehr dient, weil das Auflösen belastender Lebensereignisse stark macht, dies alles sind Überlegungen, die aus einem solchen Leidensprozess stammen könnten. Dann läge dem Nibelungenlied möglicherweise zunächst ein aufgelöstes Erlebnis gegen die sexuelle Selbstbestimmung zugrunde, wie wir es schon aus der Sage vom versunkenen Schloss kennen, welches jedoch in punkto Erlebnissen in Zusammenhang mit dem Tod jedoch eine verwundbare Stelle offen ließe. Genau dort hinein könnte dem ersten Erzähler (erneut) ein Speer gestoßen worden sein, um ihn nämlich mit einem bösen Erlebnis und im übertragenen Sinne ein zweites Mal zu töten, dass er erneut daran einen Prozess des Erkennens entzündet und noch mehr Gold, nämlich alle Weisheit gewinnt. (Bei den Schamanen nennt sich so etwas übrigens erneute Initiation). Dies hätte im Leiden (erneut) die Umkehrung der Lebensgeschichte zur Folge gehabt und könnte, literarisch umgesetzt, im Nibelungenlied als Basis für die Umkehrung von tatsächlichen Erlebnissen eines ganzen Volkes hergehalten haben. Der ursprünglich erworbene Schatz könnte der Wissensschatz des ersten Erzählers gewesen sein (so heißt er teils auch Granis Bürde oder Granis Rückenlasten). Dieser Berichter könnte – bewusst Literatur schaffend – belastende Ereignisse eines ganzen Volkes umzuwandeln versucht haben. An höfische Ereignisse und höfische Verwicklungen eines fiktiven, längst untergegangenen, aber noch bekannten Burgundereiches geknüpft, hätte er seine Erkenntnisse auf die kollektiven Erfahrungen eines ganzes Volkes übertragen. Das Nibelungenlied wäre somit ursprünglich eine Lebensgeschichte um Weisheitserlangung (aus zuerst einer Vergewaltigung und später nachfolgend einem Erlebnis im Zusammenhang mit dem Tod) gewesen, um später dann als literarisches Lied „vergewaltigt“ mit ihm neue Intentionen zu transportieren.

Dem Lied läge in den heutigen, inzwischen bereits vielfach abgewandelten Fassungen ein mehrdeutig mögliches Vor und Zurück in der Tiefe kaum mehr zu begreifender Lebenserinnerungen mit der Einbindung außersinnlicher Erfahrungen zugrunde. Aus einem solchen Fundus eigener, verarbeiteter Lebenserfahrung schöpften im Übrigen zu allen Zeiten Dichter und Denker (Siehe: Fiktives Interview), sodass wir Ähnliches zum einen in den Klassikern der Weltliteratur sowie zum anderen aber auch in den Märchen und Sagen des Volkes wieder finden. Zu den Märchen sei Ihnen im Übrigen die Lektüre des Buches „Die Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estes wärmstens empfohlen. Die Autorin weist darin die Vieldeutigkeit der deutschen Märchen nach und gibt jungen Frauen mithilfe ausgesuchter Beispiele aus der Sammlung der Gebrüder Grimm Anleitungen zur Selbstentwicklung an die Hand. Ein Kennzeichen aller solcher Texte über die innere Erfahrungswelt in einer äußeren Rahmenerzählung ist nämlich der darin eingebettete Wunsch, mit der Erzählung auch zu heilen, dem Zuhörer die Last zu nehmen und ihm eben Gedankenanstöße zur Selbstentwicklung zu geben. Das hat allerdings zur Folge, dass sich diese geschlossenen Gedankenwelten nur einem Suchenden oder einem Wissenden zu öffnen vermögen. Für die übrige Leserschaft bleiben (und leider wohl auch für die nachfolgenden Bearbeiter des ursprünglichen Sagenstoffs des Nibelungenliedes blieben) solche Erzählungen kryptisch. Noch einmal: Dass dem Nibelungenlied ein solcher Ursprungstext mit der Intention zu heilen, zugrunde gelegen haben könnte, vermitteln uns die Elemente der Erzählung mit ihren vielschichtigen Bedeutungsmöglichkeiten. Eine solche Vieldeutigkeit interessiert natürlich gleich so den Unwissenden, der die Tiefe der Erzählung spürt, ohne sie begreifen zu können. Denn solche Texte lassen jedem Zuhörer Raum für die eigene Gedankenwelt, eröffnen Möglichkeiten der Diskussion und regen schon alleine damit die Persönlichkeitsentwicklung an. Weil aber eben nicht nur suchende oder kundige Hörer angeregt werden, wurde die ursprüngliche Erlebniswelt nicht begriffen oder die erstaufgesetzte Rahmenhandlung durch die nachfolgenden Bearbeiter dahingehend missverstanden, den Text nach freiem Belieben umzuformen. Selbst wenn Sie dem nicht folgen können oder wollen, liegen der Erzählung Absichten zugrunde, die in der heutigen Interpretation zu kurz kommen. Die austauschbare Rahmenhandlung jedenfalls ist nicht das Maß aller Dinge.

Und noch eines darf nicht vergessen werden: Das Geschehen gibt zwar einen christlichen Hintergrund vor, war aber nicht christlich geprägt. Dazu ist nämlich weiter noch zu bedenken, dass heilkundige Weiber nicht vom Himmel fallen und das etwa schamanisches Wissen nur dann in Séancen gewonnen werden kann, wenn zuvor auch die Seele auseinander riss. Wir alle kennen als Christen den Bericht vom zerreißenden Vorhang des Tempels sowie dem letzten Schrei am Kreuz, einer biblischen Metapher auf das Aufreißen beider Seelenteile und das anschließende Ausfahren der Seele der schamanisierenden Jesus, der dann drei Tage später in einem Grab seinen Körper wieder fand. Mein lieber Freund Johann wird auf dieser Website hierzu mehr als einmal zitiert, ein erneutes Zitat mag hier zurückstehen. Doch zurück: Solcherlei Erfahrungen, solcherlei Schätze waren im Frühmittelalter noch weitaus präsenter. Gleiches „Wissen“ lässt sich ebenso aus den mittelalterlichen Berichten von Mönchen und Nonnen ableiten, die aber wohl von der Kirche meist zum Schweigen verdammt wurden oder sich aus Angst vor Repressalien zurück halten mussten. Zum Nibelungenlied bliebe jedenfalls zu konstatieren, dass mutmaßlich außersinnliche Erfahrungen aus auflösenden Prozessen um Schlüsselerlebnisse und damit unchristlich-heidnisches Wissen seinen Eingang in die Erzählung gefunden haben wird.

Auswirkungen auf die Interpretation des Nibelungenliedes

Gehen wir von wahren Annahmen zur Tiefe der Erzählung aus, bliebe schon in erster Überlegung zur Rahmenhandlung zu konstatieren, dass sie nur schmückendes Beiwerk vor mystischem Hintergrund wäre. Damit würde sich weiter die Schwierigkeit erklären, sich den im Nibelungenlied berichteten Geschehnissen zu nähern. Eine Hilfe böten dann auch die verschiedenen Versionen des Liedstoffes mit ihren inhaltlichen Widersprüchen aus unterschiedlichen Zeit und verschiedenen Ländern nicht. Im Gegenteil wäre eher davon auszugehen, dass diese Erzählungen eher vernebeln als dass sie beleuchten. Überdies könnten die ursprünglichen Ereignisse in späteren Versionen zusätzlich noch durch das Wunschdenken des Erzählers, den Erwartungshorizont der Zuhörer, eine notwendige Verbrämung des Inhaltes oder gar eine vom Auftraggeber gewünschte Geschichtsklitterung bis ins Unkenntliche verzerrt worden sein. Vielfach wird ja bereits heute von Wissenschaftlern vertreten, die Mahnung im zweiten Teil, nicht der Geldgier oder der Rache das Feld zu lassen, sei als die wesentlichste Botschaft des gesamten Nibelungenliedes anzusehen. Wohl eher dürfte – sehr despektierlich – bezüglich der Rahmenhandlung von einer „Vernebelung wahrer Ereignisse“ und bezüglich des Liedes in seiner heutigen Form von einem „Vernebelungslied“ gesprochen werden. Dennoch sei festgehalten, dass die Grunderzählung benutzt wurde, Ereignisse umzuerzählen.

Noch ein Wort zur Herkunft des Goldes

Für unwahrscheinlich halte ich die teils vorgetragene Annahme, dem ersten Teil des Nibelungenliedes läge der germanische Überfall auf die Legionen unter Varus zugrunde. Ein wesentlicher Antrieb, bei so einem Überfall mitzumachen, ist doch das Erlangen von Beute. Damals werden die an der Schlacht beteiligten Germanen ihren Anteil an der Beute in die eigene Tasche gesteckt und nicht vor Arminius auf einen Haufen gelegt haben, zumal das Schlachtfeld lang gestreckt und unüberschaubar war. Allerdings ist die Überlegung eines Überfalls mit Goldraub als der eigentliche Anfang der Geschichte nicht von der Hand zu weisen. Gehen wir auf die mögliche Grunderzählung zurück, ist das Kennzeichen der Auflösung sexueller Schlüsselerlebnisse deren Umdeutung, sodass am Ende Täter und Opfer die Rollen tauschen und die Tat alleine stehen bleibt. Schon deshalb sprach ich mich in meinem Buch „Die Sage(n) vom versunkenen Schloss“ für diese Umkehr der Ereignisse aus. Das das Nibelungenlied vielfach Mystisches enthält, beweist der erste Teil insbesondere mit seinen Erzählelementen. Ebenso könnte der zweite Teil des Liedes in das Gegenteil des Berichteten zu verkehren sein. Dann ständen nicht eine Feier und ein Blutbad am Ende, sondern sie wären der Anfang der Geschichte. Im Grunde sind ja auch deshalb die vielen Variationen des Stoffes möglich gewesen, doch zum Gold: Soweit Etzel mit dem Magister Aetius gleich gesetzt wird, könnte das Gold aus einer von seinem Feldherrn Maiorian überfallenen fränkischen Hochzeitsgesellschaft in einem „vicus helena“ im Artois stammen und die weitere Geschichte darob aufkeimende Rachegelüste beschreiben. Das Gold könnte natürlich ebenso auf fränkischen Beutezügen ins römische Imperium oder auf solchen in das hunnische Reich erbeutet worden sein. Festgehalten werden kann daher bezüglich des Goldschatzes allenfalls, dass es einst einen Hort gab, der Begehrlichkeiten weckte und der durch Versenken im Rhein dem Zugriff aller entzogen wurde. Aus der ursprünglichen Geschichte um Gold=Wissen wäre später Gold=Beute geworden, weil es tatsächlich einmal einen Goldschatz gab, dessen Erwerb mit Lohn und Strafe verbunden war. Zu diesem konkreten Goldschatz, für den die Weisheit im Nibelungenlied ihren Platz zu räumen hatte, darf festgehalten werden, dass es nicht mehr im Rhein zu finden ist. Wenn es verbracht wurde, muss der heutige Aufenthaltsort zu finden sein. Und wenn uns das Nibelungenlied dazu nichts mehr berichtet, ziehen wir andere Sagen zur Lösung heran, etwa die Sage vom versunkenen Schloss. Einige Aspekte im Einzelnen:

Was für das Nibelungengold in Langenfeld spräche

Versenkt wurde das Gold am Zusammenfluss von Duna und Rhin, von dem Heinz Ritter-Schaumburg annimmt, es handele sich um die Mündung der Dhünn in den Rhein. Dazu stammte Hagen aus Xanten und teils wird das Reich Etzels in Soest angesiedelt. Zudem könnte Bonn mit dem Bern des Liedes identisch sein. Selbst wenn man die Auffassung Heinz Ritter-Schaumburgs nicht teilt, muss man den Ort der Handlung nicht zwanghaft in Süddeutschland suchen, es geht auch in Westdeutschland. Was für mich ausschlaggebend für die Annahme einer Versenkung des Goldes an der Mündung der Dhünn war, sind etwa die Fährfahrten des Pippin, Vater Karls des Großen, der sich regelmäßig in Merkenich, an einer nicht ungefährlichen Stelle des Rheins nach Rheindorf übersetzen ließ, um von Aachen nach Kaiserswerth zu reisen. Dabei überfuhr er regelmäßig mit dem Boot die mutmaßliche Versenkungsstelle im Rhein. Dazu trägt der Kirchturm an St. Amandus den merkwürdigen steinernen Schädel, zu dem ich hier eine mögliche Geschichte erzähle.
Nimmt man überdies die Virneburg, eben nicht den heutigen Bauernhof gleichen Namens, stellt sich die einstige Feste heute als eine völlig durchwühlte Fläche dar. Das Grafengeschlecht derer von Virneburg könnte des Weiteren aus Langenfeld stammen. Mutmaßlich ließe sich zudem am Alter der Burg feststellen, dass die Grafen von Virneburg (Baron von Galera sprach von einer früheren Markgrafschaft und erinnerte sich vielleicht vage an einen Grafen, der hier einst ansässig war) hier abwanderten, um plötzlich in der Eifel aufzutauchen. Bemerkenswert ebenfalls, dass ein Spross der Familie von Virneburg in der Schlacht von Worringen erst gegen den Erzbischof von Köln kämpfte, später ein Nachfahre dieses Grafen selbst Erzbischof in dieser Stadt war. Auch sonst war es die Art der Grafen von Virneburg, so wie zu lesen ist, Koalitionen nur zu ihrem Vorteil zu bilden und eigene Interessen zu verfolgen. Mit der Weihe eines „von Virneburg“ zum Erzbischof übrigens ergibt sich noch ein weiterer Hinweis auf den Verbleib des Schatzes, der ja nach meinem Dafürhalten zum Dreikönigsschrein umgeschmolzen werde. Er gelangte aber nicht in dessen Besitz und als er 1322 starb, ohne die Familie in den Rückbesitz des Schatzes gebracht zu haben, tauchte noch einmal ein Knappe Namens „Adolf von Virneburg“ in Langenfeld auf. Aus dem Jahre 1363 wird berichtet, hielt dieser besagte Knappe Adolf schon ein Jahr das Pfarramt in Richrath inne, ohne zum Priester geweiht zu sein. Ein Priester Namens Gobelin Gerlach fühlte sich verpflichtet, diesen Misstand zur Anzeige zu bringen. Aus welchem Grunde aber sollte der dreiste Knappe derart lange in Richrath als Geistlicher verkleidet gewirkt haben? Vielleicht, um noch einmal nach dem Gold oder Resten des Schatzes zu fahnden? Zu guter Letzt notiert, waren die „von Virneburg“ in die Kämpfe gegen die Hunnen involviert, die nach ihrer Ankunft sogar in der Eifel auftauchten.
Heute gilt, was schon der Knappe Adolf feststellen musste: Es gibt kein Nibelungengold mehr in Langenfeld, weil es vermutlich nach Köln verbracht wurde.

Eine (ganz vage) Zeittafel

  • Bis 360 nach Christus teils heftige Kämpfe in Langenfeld zwischen Franken und Römern. Zurück bleiben neben wenigen, versprengt lebenden Einwohnern eine germanische Ringwallanlage sowie ein römisches Standlager.
  • ca. 940/950: Die Grafen von „Virneburg“ errichten eine Motte in der Ringwallanlage und bergen den Schatz
  • 973 erfolgen eine Klostergründung auf dem Gelände des Standlagers und im gleichen Jahr schon wieder deren Aufgabe. Allerdings wird das Gold aus der „Virneburg“ geholt und nach Köln verbracht.
  • 1110 Die „Möckenburg“ wird errichtet, zehn Jahre später finden die Geschehnisse der Sage statt. In dem Zuge wird der „Bunker ausgeräumt“, übrigens da, wo ich ihn auch vergraben hätte. (Deshalb berichtet die Sage auch von zwei Grabungen, darf aber wegen des Fluch belasteten Goldes nicht von der Bergung des Schatzes und seiner Umwidmung berichten).
  • 1120 Errichtung der „Motte am Flachenhof“ (Blockbachmotte), nach den Geschehnissen um die „Möckenburg“ „Dückeburg“ geheißen. Diesen Namen trägt die Nachfolgerin noch heute.

Und die Moral von der Geschicht‘

Recht unstreitig steht der mahnende Finger über dem zweiten Teil des Liedes, nicht Geldgier oder Rachegelüsten das Feld zu lassen, eine Botschaft, die angesichts plündernder Politiker, Kapitalmarktzocker oder gewissenloser Manager sowie deren Opfern heutzutage für beide Seiten nicht deutlich genug herausgestellt werden kann. Soweit im ersten Teil des Liedes ein Prozess des Erkennens um (mutmaßlich sexuelle) Schlüsselerlebnisse zugrunde gelegen haben mag, sei auch hier gefordert, sich mit der Lebensgeschichte im Wege des Kampfes mit sich selbst, auseinanderzusetzen. Dabei sei der alte Drache getötet und in seinem Blute gebadet, um Kraft für den weiteren Lebensweg zu erhalten. Übersetzt bedeutet dies, den Kampf mit den alten und belastenden Erlebnissen im Leiden aufnehmen, um sich in seinen Verletzungen zu betrachten und diese schlussendlich in Weisheit und Abwehrkraft umzuwandeln. Denn ein gelöstes Schlüsselerlebnis verliert in der Erinnerung seinen Schrecken, weil man sich selbst darin geschaut und seinen Weg akzeptiert hat.
Dennoch mag auch hier noch einmal an die mutmaßlich zugrunde liegende Ursprungserzählung erinnert werden, in der der Recke Siegfried trotz seiner Schutzhaut (hier im übertragenen Sinne gemeint) nicht unbesiegbar war. Obwohl der Berichterstatter in der Auflösung eines sexuellen Schlüsselerlebnisses bereits den Gestaltenwechsel vom Opfer zum Täter oder umgekehrt vollzogen und damit Seelenheil erlangt hatte, konnte er in einem anders gelagerten Schlüsselerlebnis noch einmal tödlich getroffen werden. Ihn tötete also nicht der Speer, sondern ihn brachte ein Erlebnis im Zusammenhang mit dem Tod im übertragenen Sinne um. Niederschmetternd musste er erkennen, dass er mit seinem ersten Leidensprozess nicht bereits völlig unbesiegbar war. Denn bei einem Tötungsdelikt etwa steht die Tat nicht für sich alleine, sondern die bereits verdiente göttliche Aufnahme (Verlöschen der Seele) kann deswegen wieder verloren werden. Bekannt ist im Übrigen aus dem späten Leben Karls des Großen, dass ihn nach einem (für mich recht deutlichen) Notwehr-Leidensprozess ob seiner sexuellen Ausschweifungen später die Angst befiel, sein Seelenheil wieder verloren zu haben, eine Befürchtung, die sein Beichtvater sicher nur bedingt auszuräumen vermochte. So kann denn der sich an Gott-Wendende in einem neuerlichen Prozess um ein später hinzugetretenes und damit noch aufzulösendes Schlüsselerlebnis erfahren, dass jedwede schwere Verfehlung gegen die Menschlichkeit das Seelenheil kosten kann.

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