Ritter Pitter in der Lütjenburg

Frühmittelalterliche Festungskunst

Der Wehrturm der Motte Lütjenburg im Kreis Plön

Der Kenner meiner Ausarbeitungen zu den Sage(n) vom versunkenen Schloss weiß es auch ohne Hinweis: Das in der Sage angesprochene „Schloss Burggraben“ wird aus verschiedenen Gründen (etwa Schriftzeugnisse über Burg oder Ritter etc.) kein Schloss, sondern eine mittelalterliche Befestigung des hiesigen Adels gewesen sein. Das auf der Tafel unten rechts im Bild angesprochene „Schloss Brodersbygaard“ ist ebenfalls mit einer Motte gleichzusetzen, nämlich der Motte Brodersby. Insofern ergibt sich daraus, neben den in den Büchern dargestellten Gründen für Langenfeld, ein weiterer Ansatz, bezüglich unserer Sage eben solche Burgen zu suchen und deren Verschwinden zu untersuchen.

Nachdem ich alle ehemaligen Mottenstandorte in Langenfeld auffinden, Grundrisszeichnungen fertigen und Modelle basteln konnte, freute ich mich, im September 2014 die rekonstruierte Motte Lütjenburg im Kreis Mölln näher in Augenschein nehmen zu können. Die Gunst der Stunde nutzend, wurden von dem – seitens der EU geförderten Projekt – diverse „Bilder geschossen“, um dem geneigten Rheinländer auch hier am Ort einen Eindruck der Wohnverhältnisse des mittelalterlichen Adels in Mitteleuropa vermitteln zu können. Den eigenen Besuch mit dem Gewinn persönlichen Sichtweisen ersetzt das Betrachten der Bilder hier natürlich nicht. Daher gleich vorweg: Der Besuch lohnt sich!

Noch zum Thema Mottenstandorte in Langenfeld eingeworfen, wird bezüglich mehrerer Motten rund um die Dückeburg in Langenfeld seitens des „Fachpublikums“ gerne vorgetragen, man könne sich drei oder sogar vier solcher Turmhügelburgen nebeneinander im beschaulichen Langenfeld gar nicht vorstellen. Dazu notiert, las ich im Prospekt der Motte Lütjenburg, dass in dem noch weit beschaulicheren Lütjenburg sage und schreibe 11 (!) Turmhügelburgen nebeneinander bestanden. Im Kreis Plön waren es sogar stolze 45 Motten! Wer möchte da allen Ernstes die Existenz von drei (mit Interimslösung vier) über vielleicht 400 Jahre – nacheinander – bestehende Turmhügelburgen in Immigrath – in Zweifel ziehen? In diesem Zusammenhang ebenfalls notiert, kann ich mich noch lebhaft daran erinnern, dass ich bei meinem Besuch bei eben jenen „Herren vom Fach“ von den Anwesenden geradezu gedrängt wurde, nicht nur zu weiteren Bodenzeichnungen im Further Moor, sondern gleich noch zu Bodenzeichnungen in den Sandbergen Deutungsvorschläge zu unterbreiten. Vor diesem Hintergrund wirkt es dann tatsächlich „schofelig“, wenn man dem Historiker und Redakteur einer namhaften Tageszeitung (dem überdies meine Ausarbeitungen zu den Sagen(n) sehr gefielen) telefonisch mitteilte, man halte mich für einen „Spinner“. Es grenzt im Gegenteil sogar ans Unterirdische, selbst nichts auf die Reihe bekommen, dann „die Hose voll zu haben“, wenn eine Lösung auf den Tisch kommt, und dafür den Urheber der Vorschläge zu denunzieren. Aber vielleicht ist es ja tatsächlich so, wie ein Bekannter vermutete: Erst wird jemand „angekitzelt“, der überhaupt in der Lage ist, eine Lösung zu bringen, um ihn später kaltzustellen und schließlich selbst zu versuchen, die Lorbeeren einzuheimsen. Wie dem auch sei, Herrschaften, ich habe einen langen Atem!

Tafel zur untergegangenen Motte Brodersby

Wie in Langenfeld so in Brodersby: Der Bergfried zugleich Wohnturm des Burgherrn

Doch noch einmal zur Motte Brodersby: Dort wird ebenfalls vermutet, dass sich im Bergfried zugleich die Behausung des Ritters befunden habe. Für diese Annahme in Immigrath bzw. für vergleichbare Burgen in Langenfeld sprechen bei der Motte Schwanenmühle der Umfang des Turmhügels, der Platz für einen Wohnturm, nicht nur für einen reinen Verteidigungsturm geboten hätte. Bei der Motte Möckenburg darf Gleiches vermutet werden, da dort – nach Auswertung der Bodenzeichnungen – nur der Wohnturm bei einer Flutkatastrophe fortgespült wurde. Zugleich spricht der heute jenseits der Bahnlinie liegende weitere Turmhügelrest, an den zudem die Sage vom versunkenen Schloss in der Sagenversion geknüpft wird, dass es Überlebende einer Flutkatastrophe gab. Diese siedelten somit anschließend wiederum in einem Wohnturm (Interimslösung), bevor der erneut großzügig ausfallende Turmhügelrest der Anlage am Blockbach (Flachenhofmotte bzw. erste Dückeburg) erneut auf einen solchen Wohnturm am Blockbach schließen lässt. Hinsichtlich der Turmhügelrestes an der Virneburg hingegen möchte ich mich aufgrund deren schlechten Erhaltungszustandes jedoch nicht entscheiden. (Die Virneburg ist meines Erachtens in die bestehende, wohl germanische Ringwallanlage in Hapelrath hineingebaut worden.)

Der geneigte Leser mag an dieser Stelle die Frage aufwerfen, ob es überhaupt einer Erörterung, ob Wohn- oder reiner Verteidigungsturm bedarf. Vielleicht ist es überflüssig, denn womöglich haben beide Formen nebeneinander existiert, sowohl der Wohnturm wie auch der reine Verteidigungsturm, letzterer dafür eventuell mit Zusatznutzen als Vorratslager. Ein möglicher Disput soll letztendlich dahinstehen, denn die Frage wurde hier nur deshalb aufgeworfen, weil die Lütjenburg mit Wohnhaus für den Ritter in der Vorburg und Verteidigungsturm als Einzelbauwerk konzipiert und rekonstruiert wurde. Damit nun aber zu den Bildern der Motte Lütjenburg.

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