Zufallsfunde?

schrieb am 06.03.2016 - Allgemein, Archäologisches, Namen und Deutungen, Privates, Regionalgeschichte, Stadtgeschichtliches - 2 Kommentare

Die „Rheinische Post“ berichtete am 30.Januar 2016 von einem Sensationsfund, den man auf der Baustelle zwischen „Blumenstraße“ und „Düsseldorfer Straße“ gemacht habe. Archäologen fanden nach Hinweis durch den ehrenamtlich in der Denkmalpflege tätigen Ratsherrn „Andreas Krömer“ Urnenteile und Scherben aus einem circa 2500 Jahre alten Gräberfeld. Vergegenwärtigt man sich, dass bereits „Philipp Wyrich“ hinsichtlich der Straßen in unserem Gebiet den Begriff „bäuerlicher Totenstraßen“ prägte, darf nun aufgrund des Fundes an der heutigen B 8 auch bei dieser Straße von einer echten Altstraße ausgegangen werden. Diese wird dann womöglich ähnlich früh bestanden haben, wie der Mauspfad, eine bekanntere Altstraße, die über den „Rosendahlsberg“, „Schnepprath“, „Kämpe“, „Hagelkreuz“, „Talstraße“, „Ganspohl“, „Richrather Straße“ und „Hildener Straße“ nach Hilden und dort als „Butenweg“ weiter zum „Hellweg“ in „Duisburg“ führte.

Zur „Bundesstraße 8“, der ehemaligen „Via Publica“, die von Brüssel nach Prag verlief, führt die Online-Enzyklopädie Wikipedia aus: Die Volksstraße, spätere Poststraße und Handelsstraße wurde erstmals urkundlich im Jahre 839 in einem Diplom Kaiser Ludwig des Frommen erwähnt. Sie führte von Brüssel über Frankfurt und Würzburg nach Nürnberg und ist weitgehend identisch mit der heutigen B 8. Ganz offenbar muss es dennoch hinter Frankfurt auf einer Verlängerung von Süden nach Norden weiter stromabwärts in Richtung Köln und von da weiter zum Hellweg gegangen sein und dies bereits deutlich früher, als bislang angenommen. Denn ein 2500 Jahre altes Gräberfeld, in dessen Nähe zudem eine Siedlung vermutet wird, ist im Angesicht bäuerlicher Totenstraßen (damit die Seelen es einfacher hatten, nach Wallhall zu ziehen), deutliches Indiz für eine bereits 2500 Jahre währende Existenz dieser Straße. Zudem gibt es damit Hinweise auf eine Besiedlung Berghausens bereits vor eben 2500 Jahren und das bedeutet dann tatsächlich einen echten Sensationsfund. Das solche Funde scheinbar „zufällig“ anlässlich von Bodenarbeiten für ein neues Wohngebiet gemacht werden, allerdings ist traurig. Denn Begehungen der Äcker rund um die Stadt hätten längst gemacht werden können. Wer weiß, wieviele „Sensationsfunde“ hier mal eben abgeräumt und überbaut werden und schon wurden, wie etwa das Gräberfeld in Fischform in Richrath, die Reiterbestattung vom „Götscher Weg“ usw. Hier bewahrheitet sich wieder einmal die Einschätzung des ehemaligen Bürgermeisters Friedhelm Görgens (in Rheinische Post vom 25. Oktober 2005, „Hier liegt Urur…uroma“), dass Langenfeld leider eine geschichtslose Stadt sei.

Ihr „Klekih Petra“

(Nachtrag: Wenn Sie den nicht kennen, so hieß – verballhornt – der wohl aus Deutschland stammende Lehrmeister der Apachen in „Karl Mays“ „Winnetou I“, der mir seit meiner Kindheit immer wieder einmal durch den Kopf geht. „Klekih Petra“ erinnerte mich nämlich schon damals sogleich und deutlich an meinen Vornamen. Vielleicht gab es ja tatsächlich einen „Klaus-Peter“ in „Karl Mays“ Umgebung, der ihn zu der Person des buckligen Alten und dessen eigenwilliger Interpretation des Christentums inspirierte. – Natürlich, es interessiert Sie und mich nicht wirklich. Man mag jedoch erkennen, dass man nicht nur als Semiprofi für ein Bodendenkmalamt, sondern auch mit einer gehörigen Portion Phantasie gelegentlich etwas „zufällig“ entdecken kann. Insoweit fühlen Sie sich bitte ermuntert, auf eigene Entdeckungsreise zu gehen oder mit „Marcel Proust“ Ihnen Bekanntes einmal mit anderen Augen zu betrachten. Es gibt sicher noch viel zu entdecken.)

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Alle Kommentare
  • Ulrike friedrichs

    30.05.2016, 22:10 Uhr

    Sehr geehrter Herr Peters,
    mit großem Interesse habe ich in Ihrem Beitrag zur Langenfelder Stadtgeschichte die „Turmhügelburg“ Blockbach und die Zeichnung einer solchen Burg rchts oben entdeckt. Ist das auch eine „Motte“, wie etwa die an der Schwanenmühle nah bei Ohligs oder das Hölterhöfchen in Hilden?
    Ich versuche mich gerade an einem Text über Motten anhand der Solinger Stadtgeschichte. Bin keine Fach-Historkerin, möchte nur etwas mehr über die Geschichte meiner nächsten Umgebung erfahren.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ulrike Friedrichs

  • Claus-Peter Peters

    02.06.2016, 12:18 Uhr

    Hallo Frau Friedrichs,
    hinsichtlich der Örtlichkeit am Blockbach handelt es sich definitiv um eine ehemalige Motte. Sie ist neben der Motte Schwanenmühle ein zweites im Langenfeld als solches eingetragenes Bodendenkmal. Die von mir beschriebene und rekonstruierte, mögliche Turmhügelburg am Galkhauser Bach wird unter alten Langenfeldern als Motte gehandelt und war, nach mündlicher Überlieferung, der Ort der Sage um ein versunkenes Schloss. Sie wurde bereits von einem Archivar des Amtes für Bodendenkmalpflege besucht, der sie jedoch für eine Wasserbaumaßnahme des 17. Jahrhunderts hielt. Eine Untersuchung durch einen tatsächlichen Fachmann des Amtes steht allerdings seit Jahren aus. MfG – C.-P. Peters